In der Nachfolge von Johann Schelle und als direkter Vorgänger von Johann Sebastian Bach war Johann Kuhnau einer der bedeutendsten Thomaskantoren in Leipzig. Seine kirchlichen Werke verbreiteten sich allerdings kaum über Leipzig hinaus, so dass er in dieser Hinsicht wenig einflussreich wirkte. Dagegen nimmt Kuhnau eine besondere Bedeutung als Klavierkomponist ein: Er gilt als Schöpfer der deutschen Klaviersonate. Seine Kompositionen für „Clavier“ „Neue Clavier-Übung“ (2 Teile zu je 7 Suiten), „Frische Clavier-Früchte oder sieben Sonaten von guter Invention und Manier“ und „Musicalische Vorstellung Einiger Biblischer Historien. In 6 Sonaten auff dem Claviere zu spielen“ sind die ersten Beispiele mehrsätziger Sonaten für Klavier nach dem Muster der italienischen Triosonate. Als Thomaskantor verfasste Kuhnau freilich eine große Anzahl an Kirchenkantaten in allen Stilarten, von denen allerdings nur 20 überliefert sind. Seine weltlichen Chorwerke sind gänzlich verloren. Johann Kuhnau wurde am 6. April 1660 in Geising in Sachsen geboren. Nachdem sein älterer Bruder Andreas Diskantist an der Dresdner Kreuzkirche war, wurde Johann um 1670 auf Vermittlung seines Cousins ebenfalls Chorknabe im Dresdner Kreuzchor. Hier erhielt er die musikalischen wie auch theoretischen Grundlagen, die ihm 1682 das Studium der Philosophie und Rechtswissenschaft in Leipzig ermöglichten. 1684 wurde Kuhnau Organist an der Thomaskirche in Leipzig und 1701 Universitätsmusikdirektor und Thomaskantor. Bedeutende Musiktheoretiker seiner Zeit wie Jakob Adlung, Johann Mattheson oder auch Arnold Schering schätzten ihn als einen der größten Komponisten, Organisten und Chorleiter seiner Zeit. Kuhnau war darüber hinaus aber auch als Jurist hoch geachtet, er verfasste mehrere Romane, darunter den satirischen Roman „Der Musicalische Quack-Salber“ sowie verschiedene musikalische Abhandlungen und betätigte sich auch als Übersetzer. Er gilt als einer der Universalgelehrten des Barock. Unliebsame Konkurrenz entstand Kuhnau jedoch, als mit der Eröffnung des Leipziger Opernhauses und der Gründung eines Collegium musicum der junge Georg Philipp Telemann nach Leipzig kam und 1704 Organist und Musikdirektor an der Leipziger Neukirche wurde. Aber auch als Telemann Leipzig verlassen hatte, verlor Kuhnau beim Leipziger Stadtrat und den Leipziger Bürgern mehr und mehr an musikalischer Reputation, was ihn sehr kränkte. Er starb am 5. Juni 1722 in Leipzig.
»Johann Kuhnau: Biographie und Einspielungen«
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