Der böhmische Komponist Josef Mysliveček war einst der bestbezahlte Opernkomponist Italiens. Er war in ganz Europa berühmt, seine Werke wurden in Paris, Amsterdam und London gedruckt – und doch starb er verarmt und vergessen in Rom. Geboren wurde er vor 280 Jahren am 9. März 1737 in Prag als Sohn eines Müllers. Er hatte einen Zwillingsbruder Joachim, beide studierten ab 1744 Philosophie und Literatur an der Karlsuniversität in Prag. Josef brach das Studium 1753 ab und begann mit seinem Zwillingsbruder 1758 eine Müllerlehre im elterlichen Betrieb. 1761 waren beide Müllermeister. Josef wandte sich jedoch der Musik zu. 1763 veröffentlichte er erstmals sechs Sinfonien, die dem Grafen Vincenz von Waldstein gewidmet waren. Im gleichen Jahr begab er sich – unterstützt durch den Grafen – nach Venedig, um Gesang und Komposition zu studieren. Bereits 1765 wurde seine erste Oper Semiramide in Bergamo erfolgreich aufgeführt. Ende 1766 erhielt er den Auftrag zur Komposition der Oper Il Bellerofonte, die bereits am 20. Januar 1767 in Neapel mit Erfolg zur Aufführung kam. Die Uraufführung seiner nächsten Oper Farnace für den Hof von Neapel war triumphal. Diese und weitere zahlreiche Opern machten ihn in ganz Europa berühmt. Auf seinen Reisen traf er mehrfach auch mit Mozart zusammen, mit dem er freundschaftliche Beziehungen pflegte. 1775 zeigten sich erste Symptome einer Syphilliserkrankung, die schließlich zu einer schweren Gesichtslähmung führte. 1777 war er in München, wo seine Oper Ezio und sein Oratorium Abramo ed Isacco erfolgreich aufgeführt wurde. Dennoch begann ab diesem Zeitpunkt sein Stern unablässig zu sinken. Er kam in finanzielle Nöte, seine weiteren Opern waren nicht mehr erfolgreich. In einer schmerzhaften Operation wurde ihm sogar die Nase entfernt, eine Heilung konnte dadurch jedoch nicht erzielt werden. Mysliveček starb am 4. Februar 1781 völlig verarmt in Rom. Er hinterließ ein umfangreiches musikalisches Vermächtnis an Opern, Oratorien, Orchesterwerken und Kammermusik, das aber wie er selbst heute nahezu vergessen ist.
»Josef Mysliveček: Biographie und Einspielungen«
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