Der russische Komponist Igor Strawinsky ist einer der wichtigsten Wegbereiter der Moderne. Seine Stilistik zeigte sich im Laufe seines langen Lebens extrem vielseitig und stets innovativ, selbst da, wo sie auf traditionelle Technik zurückgreift. Sie reicht von seinen impressionistischen Anfängen über Polytonalität, orgiastische Rhythmik, Jazzelemente und Zwölftontechnik zu archaischen Klängen und Huldigungen an Schütz und Bach und ist nie epigonenhaft, sondern stets originär. Als Sohn eines angesehenen Opernsängers am 17. Juni 1882 in Oranienbaum bei St. Petersburg geboren, wuchs er in einem musikfreundlichen Umfeld auf und wurde bereits als Kind mit russischen Opern – allen voran denen Glinkas – vertraut. Aber erst mit 21 Jahren nahm er Kompositonsunterricht und war drei Jahre lang Schüler von Rimsky-Korssakow. Gleichzeitig absolvierte er ein Jurastudium an der Universität von St. Petersburg, das er 1905 abschloss. 1906 heiratete er Jekaterina Nossenko und lebte abwechselnd in St. Petersburg und auf dem Gut seiner Frau in Wolhynien. Entscheidend für Strawinskys weiteren Lebensweg war die Bekanntschaft mit dem Begründer der Ballettkompagnie „Ballets Russes“ Sergei Diaghilew, der zur damaligen Zeit in Paris das Ballett mit neuen Ideen, Impulsen und modernen Vertonungen revolutionierte. In dessen Auftrag schrieb Strawinsky die Ballette Der Feuervogel (nach einem russischen Märchen, UA Paris 1910), Petruschka (ein Stoff aus dem russischen Jahrmarktmilieu, UA Paris 1911) und Le sacre du printemps (Szenen aus dem heidnischen Russland, UA Paris 1913). Letzteres verursachte durch seine bisher nicht gekannte rhythmische und dissonante rücksichtslose Härte einen handfesten Theaterskandal. Mit den ersten beiden Balletten erwarb sich Strawinsky den Ruf eines ungewöhnliches Talents, mit „Sacre“ wurde er zum glänzendsten, skandalösesten Neutöner seiner Zeit. Mit seinen Pariser Ballettmusiken hob Strawinsky das Ballett aus der bloßen Unterhaltungssphäre des 19. Jahrhunderts auf die Höhe zeitgenössischer Kunst und initiierte zusammen mit Diaghilew eine neue Ballettepoche. Wegweisend blieb Strawinsky immer, sei es durch sein zenisches Melodrama Die Geschichte vom Soldaten (1918), konzipiert für ein Wandertheater mit einem Vorleser, drei Pantomimen und kleinem Kammerorchester, sei es durch sein Ballett mit Gesang Pulcinella (1920), das durch die Beschäftigung mit Pergolesi eine Wende zur klassischen Polyphonie mit sich brachte, sei es durch die Opera buffa Mavra (1922) und die Oper Oedipus Rex nach Sophokles mit lateinischem Text (1927), die ihrerseits die zeitgenössische Oper stark beeinflusste oder auch mit Werken wie Apollon Musagète (1928/1947, Psalmensinfonie (1930/1949), Jeu de cartes (1936), The Rake's Progress (1951) oder Threni (1958). Vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs zog sich Strawinsky von Paris in die Schweiz zurück. Ab 1915 trat er auch als Pianist und Dirigent in Erscheinung. Die Oktoberrevolution 1917 verhinderte eine Rückkehr nach Russland. Erst im hohen Alter betrat Strawinsky für nur wenige Besuchstage wieder russischen Boden. 1920 kehrte er nach Paris zurück, wo er fruchtbare künstlerische Beziehungen zu Größen wie Cocteau, Gide, Picasso und Matisse pflegte. 1934 erhielt er die französische Staatsbürgerschaft. 1939 hielt er Vorlesungen an der Harvard University. Der drohende Einmarsch Hitlers in Frankreich veranlasste Strawinsky schließlich zur Emigration in die USA, die er bereits 1915/1916 und 1925 besucht hatte. 1946 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. In den 50er Jahren brachte die Beschäftigung mit der Zwölftontechnik Schönbergs und Weberns einen erneuten Stilwechsel in Strawinskys Schaffen, das sich besonders durch seine Vielseitigkeit und Vielgestaltigkeit auszeichnet. Igor Strawinsky starb am 6. April 1971 in New York. Er wurde auf seinen eigenen Wunsch hin auf dem Friedhof San Michele in Venedig beigesetzt, auf dem auch seine zweite Frau Vera begraben ist. Ihm ist ein Stern auf dem berühmten Hollywood Walk of Fame gewidmet.
»Igor Strawinsky: Biographie und Einspielungen«
Anzeige
Alle Porträts im März
- 01.03.2017 → Georg Christoph Wagenseil 240. Todestag
- 01.03.2020 → Thomas Campion 400. Todestag
- 01.03.2021 → Thomas Adès 50. Geburtstag
- 01.03.2023 → Girolamo Frescobaldi 380. Todestag
- 01.03.2024 → Tor Aulin 110. Todestag
- 01.03.2026 → Dimitri Mitropoulos 130. Geburtstag
- 02.03.2024 → Roman Haubenstock-Ramati 30. Todestag
- 02.03.2024 → Bedřich Smetana 200. Geburtstag
- 02.03.2025 → Kurt Weill 125. Geburtstag
- 03.03.2018 → Nicola Antonio Porpora 250. Todestag
- 03.03.2022 → Eugène d' Albert 90. Todestag
- 03.03.2024 → Giovanni Battista Viotti 200. Todestag
- 03.03.2026 → Johann Pachelbel 320. Todestag
- 04.03.2025 → Moritz Moszkowski 100. Todestag
- 04.03.2026 → Aribert Reimann 90. Geburtstag
- 05.03.2017 → Heitor Villa-Lobos 130. Geburtstag
- 05.03.2023 → Sergej Prokofjew 70. Todestag
- 06.03.2017 → Zoltán Kodály 50. Todestag
- 07.03.2019 → Johann Georg Albrechtsberger 210. Todestag
- 07.03.2025 → Maurice Ravel 150. Geburtstag
- 07.03.2026 → František Benda 240. Todestag
- 08.03.2017 → Othmar Schoeck 70. Todestag
- 08.03.2019 → Hector Berlioz 150. Todestag
- 08.03.2025 → Franco Alfano 150. Geburtstag
- 09.03.2017 → Josef Myslivecek 280. Todestag
- 09.03.2024 → Kalevi Aho 75. Geburtstag
- 10.03.2017 → Arthur Honegger 125. Geburtstag
- 10.03.2020 → Antonio Cabezón 510. Geburtstag
- 10.03.2020 → Ignaz Moscheles 150. Todestag
- 10.03.2020 → Carl Reinecke 110. Todestag
- 10.03.2024 → Pablo Sarasate 180. Geburtstag
- 10.03.2024 → Grete Zieritz 125. Geburtstag
- 11.03.2021 → Astor Piazzolla 100. Geburtstag
- 12.03.2017 → Félix Alexandre Guilmant 180. Geburtstag
- 12.03.2017 → Charles-Marie Widor 80. Todestag
- 14.03.2026 → Peter Maxwell Davies 10. Todestag
- 15.03.2018 → Lili Boulanger 100. Todestag
- 15.03.2021 → Wilfried Hiller 80. Geburtstag
- 15.03.2022 → Luigi Cherubini 180. Todestag
- 15.03.2022 → Alexander Zemlinsky 80. Todestag
- 15.03.2025 → Eduard Strauß 190. Geburtstag
- 16.03.2018 → Mario Castelnuovo-Tedesco 50. Todestag
- 16.03.2026 → Giovanni Battista Pergolesi 290. Todestag
- 17.03.2019 → Josef Rheinberger 180. Geburtstag
- 17.03.2022 → Jacques Fromental Halévy 160. Todestag
- 18.03.2024 → Nikolai Rimsky-Korssakoff 180. Geburtstag
- 19.03.2019 → Joseph Haas 140. Geburtstag
- 19.03.2020 → Henryk Wieniawski 140. Todestag
- 19.03.2023 → Max Reger 150. Geburtstag
- 20.03.2018 → Bernd-Alois Zimmermann 100. Geburtstag
- 20.03.2023 → Sergej Rachmaninow 150. Geburtstag
- 21.03.2019 → Modest Mussorgsky 180. Geburtstag
- 21.03.2024 → Franz Schreker 90. Todestag
- 22.03.2017 → Jean-Baptiste Lully 330. Todestag
- 22.03.2023 → Andrew Lloyd Webber 75. Geburtstag
- 23.03.2023 → Franz Schreker 145. Geburtstag
- 23.03.2023 → Johann Gottfried Walther 275. Todestag
- 23.03.2024 → Michael Nyman 80. Geburtstag
- 24.03.2016 → Enrique Granados 100. Todestag
- 24.03.2024 → Samuel Scheidt 370. Todestag
- 25.03.2018 → Claude Debussy 100. Todestag
- 25.03.2024 → Johann Adolf Hasse 325. Geburtstag
- 26.03.2017 → Heinrich Isaac 500. Todestag
- 26.03.2018 → César Cui 100. Todestag
- 26.03.2024 → Hermann Schroeder 120. Geburtstag
- 26.03.2025 → Pierre Boulez 100. Geburtstag
- 27.03.2017 → Johann Stamitz 260. Todestag
- 27.03.2022 → Harald Saeverud 30. Todestag
- 27.03.2025 → Arthur Bliss 50. Todestag
- 28.03.2018 → Sergej Rachmaninow 75. Todestag
- 29.03.2022 → Carl Orff 40. Todestag
- 30.03.2020 → Joseph Haas 60. Todestag
- 30.03.2024 → Pietro Antonio Locatelli 260. Todestag
Uraufführungen im März
- 04.03.2017 → UA vor 140 Jahren: P. Tschaikowsky, Schwanensee op. 20
- 06.03.2021 → UA vor 190 Jahren: V. Bellini, La Sonnambula
- 07.03.2021 → UA vor 310 Jahren: G.F. Händel, Rinaldo HWV 7
- 09.03.2022 → UA vor 180 Jahren: G. Verdi, Nabucco
- 09.03.2024 → UA vor 180 Jahren: G. Verdi, Ernani
- 14.03.2022 → UA vor 175 Jahren: G. Verdi, Macbeth
- 17.03.2019 → UA vor 140 Jahren: P. Tschaikowsky, Eugen Onegin op. 24
- 19.03.2019 → UA vor 160 Jahren: Ch. Gounod, Faust
- 19.03.2019 → UA vor 220 Jahren: J. Haydn, Die Schöpfung Hob. XXI:2
- 30.03.2021 → UA vor 80 Jahren: B. Britten, Sinfonia da Requiem op. 20
- 31.03.2021 → UA vor 180 Jahren: R. Schumann: Sinfonie Nr. 1 op. 38 B-Dur
Anzeige
