Die deutsch-österreichische Sängerin Hilde Zadek war mehr als ein Vierteljahrhundert lang festes Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, wo sie insgesamt 39 Rollen in fast 800 Aufführungen verkörperte. Mit ihrer dramatischen Sopranstimme war sie eine verlässliche und herausragende Sängerpersönlichkeit, die die Opernwelt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert mitprägte. Sie wurde am 15. Dezember 1917 in Bromberg in der Provinz Posen geboren. 1920 zog die Familie nach Stettin, wo Hilde den größten Teil ihrer Jugend verbrachte. Aufgrund ihrer jüdischen Abstammung sah sich die Familie nach Hitlers Machtergreifung ab 1933 zunehmend antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt, so dass Hilde sich 1934 entschloss, Deutschland zu verlassen. Sie wanderte allein nach Palästina aus. Sie wollte schon immer Sängerin werden und arbeitete als Säuglingsschwester in einem Krankenhaus in Jerusalem, um ihr Gesangsstudium am Konservatorium in Jerusalem bei Rose Pauly zu finanzieren. 1945 schloss sie die Ausbildung mit Auszeichnung ab und kam durch ein Stipendium nach Zürich. Durch Zufall wurde der damalige Direktor der Wiener Staatsoper Franz Salmhofer auf sie aufmerksam und lud sie spontan zur „Vorstellung auf Engagement“ ein. Diese Chance ließ sich Hilde Zadek nicht entgehen. Sie vervollkommnete ihre Stimme und ihr Repertoire noch bei Elisabeth Höngen und gab als Einspringerin am 3. Februar 1947 an der Wiener Staatsoper ihr Solo-Debüt als Aida mit sensationellem Erfolg. Ohne ein Wort italienisch zu sprechen, hatte sie die Partie in nur fünf Tagen erlernt. Den großen Durchbruch schaffte sie 1951 mit Gian Carlo Menottis Konsul. Kurz darauf wurde sie zur österreichischen Kammersängerin ernannt. Neben Ihrem Engagement an der Wiener Staatsoper war sie von da an Gast an nahezu allen großen internationalen Opernbühnen und Festivals, so dass sie es im Laufe ihrer Karriere auf insgesamt etwa 60 Opernpartien brachte. Ihr Wirken ist auf Schallplatte vor allem bei Philips und DGG bestens dokumentiert. 1971 beendete „die Zadek“ ihre aktive Bühnenkarriere und wandte sich dem Unterrichten zu. Bereits ab 1964 war sie Leiterin des Faches Gesang am Wiener Konservatorium (bis 1978), währenddessen und danach gab sie Meisterkurse in Deutschland, Italien, der Schweiz und in Jerusalem. 1997 wurde der nach ihr benannte „Internationale Hilde-Zadek-Gesangswettbewerb“ gegründet, der seit 1998 im zweijährigen Turnus stattfindet. Neben weiteren Auszeichnungen wurde Hilde Zadek 1977 Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper, 1978 erhielt sie die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold und 2012 das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Hilde Zadek starb am 21. Februar 2019 in Karlsruhe im Alter von 101 Jahren.
»Hilde Zadek: Biographie und Einspielungen«
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