Vor 180 Jahren, am 13. Januar 1838, ist der der deutsche Pianist, Dirigent und Komponist Ferdinand Ries in Frankfurt/M. gestorben. Er war der älteste Sohn des Geigers und kurkölnischen Musikdirektors Franz Anton Ries. Von ihm erhielt er den ersten Klavierunterricht, Bernhard Romberg unterrichtete ihn in Violoncello. Zu Lebzeiten war Ries berühmt und angesehen, seine Werke wurden vielfach aufgeführt. Nach seinem Tod jedoch sind Ries und seine Werke so gründlich in Vergessenheit geraten, dass er in den einschlägigen Lexika entweder gar nicht oder nur mit wenigen Eckdaten erwähnt ist. Immerhin war Ries von 1801 bis 1805 in Wien – zusammen mit Carl Czerny – der einzige Klavierschüler von Ludwig van Beethoven und ihm verdanken wir durch seine Biographischen Notizen über Ludwig van Beethoven (1838) wertvolle Informationen und Einblicke in die Persönlichkeit Beethovens als Künstler und Mensch, die bis heute eine der wichtigsten Quellen der Beethoven-Forschung darstellen. Über den Status des Klavierschülers hinaus hat Ries für Beethoven Botengänge verrichtet, Noten kopiert und Korrespondenzen mit Verlegern geführt. 1805 musste Ries zur Musterung nach Bonn zurückkehren, wurde jedoch nicht zum Militär eingezogen. In Bonn schrieb er sein erstes Klavierkonzert und dort erschien auch sein op. 1 bei Simrock im Druck: zwei Klaviersonaten, die Beethoven gewidmet waren. Nach einem kurzen, erfolglosen Zwischenaufenthalt in Paris kehrte Ries 1808 nach Wien zurück, floh aber ein Jahr später vor der drohenden Einberufung zum Militär wieder nach Bonn. 1811 begab er sich als Pianist auf Konzertreisen nach Norddeutschland, Skandinavien und Russland. 1812 floh Ries erneut vor dem Militär – diesmal vor den nach Moskau vorrückenden französischen Truppen. Über Stockholm, wo er in die Königlich Schwedische Musikakademie aufgenommen wurde, gelangte er 1813 nach London. Er etablierte sich rasch als Pianist, Dirigent und Komponist und fand als angesehener Klavierlehrer Eingang in die gehobene Gesellschaft. 1814 heiratete er Harriet, eine Tochter aus einer begüterten Familie, 1815 wurde er Mitglied der Philharmonic Society und noch im selben Jahr deren Direktor. 1824 kehrte Ries wieder nach Deutschland zurück und übernahm 1825 erstmals die Leitung des Niederrheinischen Musikfestes. Bis 1837 leitete er dieses jährlich stattfindende Fest insgesamt achtmal. 1834 wurde Ries die Stelle als Städtischer Musikdirektor in Aachen angeboten, die er jedoch ablehnte. Im August 1837 wurde er Dirigent des Cäcilienvereins in Frankfurt/M., doch schon ein halbes Jahr später starb Ries unerwartet. Ferdinand Ries hat ein Œuvre von ca. 300 Werken hinterlassen, darunter die Opern Die Räuberbraut (1828) und Liska (engl. als The Sorceress, 1831), die Oratorien Der Sieg des Glaubens (1831) und Die Könige Israels (1837), die Kantate Der Morgen (1811), ein Requiem (1815, unvollendet), sechs Sinfonien, neun Klavierkonzerte sowie 52 Klaviersonaten und Kammermusik. Erst in neuerer Zeit wurde seinem Werk wieder gebührende Aufmerksamkeit gewidmet, die auch in zahlreichen CD-Einspielungen vor allem durch das Label cpo ihren Niederschlag gefunden hat.
»Ferdinand Ries: Biographie und Einspielungen«
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