Der britische Komponist Brian Ferneyhough wurde als „der umstrittenste“ Komponist seiner Generation bezeichnet. Seine Werke wurden äußerst kontrovers rezipiert. Sein Heimatland brachte ihm dabei besonders wenig Anerkennung entgegen. So wurde sein Stück Coloratura für Oboe und Klavier, das er 1966 bei der Society for the Promotion of New Music einreichte, abgewiesen. Heute gilt Ferneyhough als der Begründer der neuen Komplexität und zählt zu den international bedeutendsten Persönlichkeiten der Neuen Musik. Er wurde am 16. Januar 1943 in Coventry geboren und studierte von 1961 bis 1963 an der Birmingham School of Music und von 1966 bis 1967 an der Royal Academy of Music. Lennox Berkeley war dort sein Studienkollege. 1968 erhielt Ferneyhough das Mendelssohn-Stipendium und ging zum Studium nach Amsterdam zu Ton de Leeuw und später nach Basel zu Klaus Huber. Von 1973 bis 1986 lehrte er an der Hochschule für Musik Freiburg Komposition. Zu seinen bekanntesten Studenten dort zählen Toshio Hosokawa, Joël-François Durand, Roger Redgate, Kaija Saariaho, Joël Bons (Gewinner des Grawemeyer Award 2021) oder auch Hans-Ola Ericsson. 1974 wurde sein Stück Cassandra's Dream Song, das erste von mehreren Stücken für Soloflöte, beim Royan Festival uraufgeführt sowie die Missa Brevis für zwölf Sänger. Für seine Komposition Transit für großes Ensemble erhielt er 1975 den Koussevitzky-Preis. Mit der Uraufführung von Time an Motion Study III im selben Jahr machte er auch bei den Donauerschinger Musiktagen auf sich aufmerksam. Zwischen 1978 und 1994 leitete Ferneyhough regelmäßig Kompositionskurse bei den Darmstädter Ferienkursen. 1984 wurde ihm der Titel Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres verliehen. Ab 1990 leitete er jährlich einen Meisterkurs bei der Fondation Royaumont in Frankreich. Von 1987 bis 1999 war Ferneyhough Professor an der Universität von San Diego in Kalifornien. 1996 wurde er zum Fellow der Royal Academy of Music ernannt, im selben Jahr wurde er auch Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Von 2000 bis 2018 lehrte er an der Stanford University. Seit 2005 ist Ferneyhough Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, 2007 erhielt er den Ernst von Siemens Musikpreis für sein Lebenswerk, 2009 wurde er zum ausländischen Mitglied der Königlichen Schwedischen Musikakademie ernannt. Im Dezember 2018 schließlich wurde Ferneyhough vom Royal Birmingham Conservatoire ein Ehrentitel für seinen Beitrag zur zeitgenössischen klassischen Musik verliehen. Ferneyhougs Parituren sind gekennzeichnet durch extreme Anforderungen an die Ausführenden. Obwohl oder vielleicht gerade deshalb, weil er größtmögliche spietechnische Ansprüche an die Interpreten stellt, widmet sich eine „Fangemeinde“ an Künstlern und Ensembles wie das Arditti Quartet, das Elision Ensemble, das Ensemble Contrechamps, das Ensemble Exposé, das Exaudi Vocal Ensemble oder auch Armand Angster, James Avery, Mats Scheidegger, Nicolas Hodges, Mark Knoop u.a. seinen Werken.
»Brian Ferneyhough: Biographie und Einspielungen«
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