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[2021] Berthold Goldschmidt 25. Todestag

† 1996

17

Oktober

vor 26 Jahren

in London


Berthold Goldschmidt wurde am 18. Januar 1903 in Hamburg als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Er wuchs in Hamburg auf und ging als 19jähriger nach Berlin, wo er von 1922 bis 1924 zusammen mit Ernst Krenek, Alois Hába, Karol Rathaus und Ignaz Strasfogel an der Hochschule für Musik in der Kompositionsklasse von Franz Schreker studierte. Daneben nahm er auch Unterricht im Dirigieren. Sein Studium finanzierte er als Klavier- und Celestaspieler und als Korrepetitor. 1925 erhielt er eine Stelle als Korrepetitor an der Berliner Staatsoper unter Erich Kleiber. In dieser Eigenschaft war er unmittelbar an der Vorbereitung der Uraufführung von Alban Bergs Wozzeck beteiligt. Bei der Uraufführung selbst spielte er die Celesta. Die Uraufführung seiner eigenen Passacaglia op. 4 für Orchester durch Erich Kleiber im gleichen Jahr brachte ihm den Mendelssohn-Preis ein, ein von 1879 bis 1936 vom preußischen Staat gestiftetes jährliches Stipendium zur Förderung talentierter Musiker. 1926 erlebte sein erstes Streichquartett op. 25 seine Uraufführung. Dieses Werk erregte die Aufmerksamkeit von Arnold Schönberg, der daraufhin Goldschmidt einen Platz in seiner Kompositionsklasse anbot. Goldschmidt zog es allerdings vor, in Schrekers Klasse zu bleiben. 1927 holte Carl Ebert den vielversprechenden Studenten als musikalischen Berater und Dirigenten an das Landestheater in Detmold. Dort machte ihn der damalige Oberspielleiter Arthur Maria Rabenalt auf das Schauspiel Le cocu magnifique des flämischen Dichters Fernand Crommelynck aufmerksam. Dieses Stück inspirierte Goldschmidt zu seiner ersten Oper Der gewaltige Hahnrei, die 1932 in Mannheim uraufgeführt wurde. Als Ebert 1931 Generalintendant an der Städtischen Oper Berlin wurde, nahm er auch Goldschmidt als musikalischen Berater mit. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 beendete allerdings Goldschmidts beruflichen Aufstieg. Ebert und Goldschmidt wurden beurlaubt. Goldschmidt übernahm nun die Leitung eines Orchesters jüdischer Musiker, aus deren Kreis sich später das Israel Philharmonic Orchestra formierte. 1935 wurde er von den Nazis zum Verhör geladen. Er floh daraufhin nach England, nachdem ihm der Verhörbeamte dies insgeheim geraten hatte. Die Aufführung seiner Werke wurde von den Nazis verboten. So kam auch die geplante Aufführung von Der gewaltige Hahnrei an der Städtischen Oper Berlin nicht mehr zustande. Für Goldschmidt war es als Flüchtling sehr schwer, in London Fuß zu fassen und Arbeit zu finden. Immerhin wurde ihm 1944 die musikalische Leitung der Deutschen Sektion der BBC-Europa-Welle übertragen und er konnte sich wieder als Dirigent betätigen, u.a. in Glyndebourne und beim Edinburgh Festival. 1947 erhielt er die englische Staatsbürgerschaft. Er komponierte noch eine weitere Oper (Beatrice Cenci, erst 1994 szenisch aufgeführt) sowie drei Solokonzerte für Cello, Klarinette und Violine, dann verstummte Goldschmidt als Komponist resigniert für 24 Jahre, da die Musikwelt keinerlei Interesse an seinen Werken zeigte. Sein bedeutendster eigener musikalischer Beitrag während dieser Jahre war die Vervollständigung von Mahlers 10. Sinfonie in Zusammenarbeit mit Deryck Cooke, deren Premiere 1964 er auch dirigierte. Mit einer Reihe von Kammermusikwerken und Orchesterliedern begann Goldschmidt erst wieder 1982 zu komponieren. Es waren die Dirigenten Simon Rattle, Lothar Zagrosek, Charles Dutoit und Yakov Kreizberg sowie die Plattenfirmen Largo und Decca, die zur künstlerischen Rehabilitation des Komponisten und zur Wiederentdeckung seiner Werke beitrugen. Im hohen Alter von neunzig Jahren war es Goldschmidt schließlich vergönnt, Anerkennung und Wertschätzung für seine Werke bei Aufführungen in ganz Europa zu erleben. So fand auch Der gewaltige Hahnrei Eingang in den Opernspielplan in Berlin, Bern und Darmstadt als eine der wichtigsten Opern aus der Zeit der Weimarer Republik. Berthold Goldschmidt starb am 17. Oktober 1996 in London im Alter von 93 Jahren.

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