Die Musikgeschichte liefert zahlreiche Beispiele von heute gefeierten Komponisten, die zu Lebzeiten kaum beachtet waren. Aber auch der umgekehrte Fall ist gar nicht so selten. Dieses Schicksal trifft auf Ferdinand Hiller zu. In den zahlreichen Ehrungen, die ihm zuteil wurden, zeigt sich die damalige Popularität des Komponisten: 1849 war er in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen worden, 1868 verlieh ihm die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn die Ehrendoktorwürde und 1875 wurde er durch die Verleihung des Ordens der Württembergischen Krone in den persönlichen, nicht vererbbaren Adelsstand erhoben. Heute dagegen sind Hillers Werke von wenigen Ausnahmen abgesehen fast gänzlich von den Spielplänen und Konzertprogrammen verschwunden. Dies wurde nicht zuletzt auch dadurch befördert, dass die Nationalsozialisten ihn aus den Konzertsälen verbannten, da er jüdische Abstammung war Ferdinand Hiller wurde am 24.10.1811 in Frankfurt/M. geboren. Sein Vater Justus war ein vermögender Kaufmann, der die musikalische Begabung seines Sohnes früh erkannte und nach Kräften förderte. Bereits mit zehn oder elf Jahren gab Ferdinand sein Solo-Debüt am Klavier mit Mozarts c-Moll-Konzert. Durch die freundschaftlichen Verbindungen der Familie mit Ignaz Moscheles und Louis Spohr lernte Ferdinand weitere berühmte Persönlichkeiten kennen, u.a. J.W. von Goethe sowie bei einer Reise nach Wien Schubert und Beethoven. 1825 wurde er Johann Nepomuk Hummel in Weimar vorgestellt und wurde sein Schüler. Drei Jahre später ging Hiller als 17jähriger für acht Jahre nach Paris. Dort lebte er als freischaffender Künstler und konnte durch die guten Kontakte seines Lehrers Hummel Bekanntschaft mit Größen wie Luigi Cherubini, Gioacchino Rossini, Giacomo Meyerbeer, Hector Berlioz, Franz Liszt und Frédéric Chopin machen. Als Pianist und Dirigent war Hiller bald sehr geachtet und geschätzt. Seine Popularität nützte er, um das Pariser Publikum auch mit Werken von Bach und Beethoven bekannt zu machen, die dort sonst kaum Beachtung fanden. 1837 begab sich Hiller für fünf Jahre nach Italien, um sich wieder mehr der Komposition widmen zu können und die klassische Vokalpolyphonie zu studieren. Auf Empfehlung Rossinis schrieb er dort seine erste Oper Romilda, die in Mailand jedoch durchfiel. Eine Einladung Mendelssohns führte ihn zwischenzeitlich nach Leipzig, wo er erfolgreich sein Oratorium Die Zerstörung Jerusalems aufführte. 1843 erfolgte eine weitere Einladung Mendelssohns nach Leipzig. Als es zu Differenzen kam, verließ er Leipzig und ging nach Dresden. Dort brachte er nicht nur zwei weitere Opern zur Aufführung und begründete mit großem Erfolg eine Abonnementskonzertreihe, sondern knüpfte auch freundschaftliche Kontakte zur Richard Wagner sowie zu Clara und Robert Schumann. Später wurde er Taufpate des ersten Sohnes von Clara und Robert, 1856 hielt er auch die Grabrede auf Robert Schumann. 1847 wurde Hiller die Stelle als Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf in der Nachfolge von Julius Rietz angeboten, der u.a. auch die Niederrheinischen Musikfeste leitete. Da Hiller jedoch nicht wie sein Vorgänger fest von der Stadt angestellt wurde, folgte er drei Jahre später gerne einer Berufung nach Köln als Städtischer Musikdirektor. 1850 fand er dort für die ihm verbleibenden 35 Jahre seines Lebens die letzte Station seines Wirkens. In der Nachfolge von Heinrich Dorn übernahm Hiller die Leitung des 1845 gegründeten Konservatoriums und machte sich als Dirigent der Konzertgesellschaft und des Konzertchores, die die Gürzenich-Konzerte bestritten, weit über die Grenzen der Stadt hinaus einen Namen. Bei den zwölf von ihm geleiteten Niederrheinischen Musikfesten gaben sich die bekanntesten damaligen Größen ihres Fachs ein Stelldichein, u.a. die Pianistin Clara Schumann, der Geiger Joseph Joachin, die Sopranistin Jenny Lind und aus Italien reiste sogar Giuseppe Verdi an, der anlässlich der 54. Niederrheinischen Musikfestes sein Requiem dirigierte. Daneben betätigte sich Hiller nach wie vor kompositorisch sowie als Schriftsteller und Kritiker und nahm sich die Zeit für zum Teil ausgedehnte Reisen nach Paris, wo er von 1851 bis 1852 sogar die italienische Oper leitete, nach England, Spanien, Skandinavien und Russland. 1884 wurde Hiller in den Ruhestand versetzt. Im darauffolgenden Jahr starb er am 11.5.1885 in Köln nach kurzer, schwerer Krankheit.
»Ferdinand Hiller: Biographie und Einspielungen«
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