Der amerikanische Komponist Morton Feldman war einer der ersten, der in der klassischen Musik neue Wege durch die Art der Notation beschritt. Mit grafischen Anweisungen gab er den Rahmen vor, innerhalb dessen den Musikern die Ausführung über genaue Tonhöhen und Tondauern weitgehend selbst überlassen bleibt, so dass eine Komposition bei jeder Aufführung ein unterschiedliches Gesamtergebnis bedingte. Allerdings wandte sich Feldman von dieser Notationstechnik ab 1969 wieder ab, da sie den Interpreten zu viel Freiraum bot und kehrte zu präziserer Notation zurück. Morton Feldman wurde am 12. Januar 1926 in New York City geboren. Die Elterns stammten aus der Ukraine. Mit zwölf Jahren erhielt er Musikunterricht von seiner Klavierlehrerin. Er begann mit 15 Jahren, Komposition zu studieren und wurde 1944 Schüler von Stefan Wolpe. Bei einem Konzert des New York Philharmonic am 26. Januar 1950 traf er in einer Art schicksalhaften Begegnung John Cage. Die beiden Komponisten freundeten sich an und Feldman zog in Cages Appartement ein. Die ersten Kompositionen Feldmans wurden durch Abschriften von John Cage bekannt. Es bildete sich ein Künstlerkreis von Komponisten und Malern, der der künstlerischen Entwicklung Morton Feldmans entscheidende Impulse gab. 1971/1972 war Feldman als Stipendiat des DAAD in Berlin und 1973 wurde ihm eine Professur an der University of New York in Buffalo angeboten, so dass er bis zu seinem Tod am 3. September 1987 unterrichtete und komponierte. Bis dahin hatte er seinen Lebensunterhalt als Vollzeitangestellter des elterlichen Betriebs für Kinderbekleidung bestritten. Feldmans Musik ist gekennzeichnet durch freie, nicht genau festgelegte Rhythmik, ungefähre Tonhöhenintonation und eine ruhige, sich langsam entwickelnde Struktur mit sich wiederholenden asymmetrischen Mustern. In den Jahren nach 1977 zeichnen sich viele Werke auch durch extreme Länge aus wie Violin and String Quartet (1985, ca. 2 Stunden), For Philip Guston (1984, etwa 4 Stunden) und das String Quartet II (1983, mehr als 6 Stunden ohne Pause). Weitere bedeutende Werke sind Projections 1–5 (1950/51, die ersten Werke mit grafischer Notation), Rothko Chapel (1971), Coptic Light (1985), Palais de Mari (1986) oder auch die Oper Neither (1977) mit einem Originaltext von Samuel Beckett. Einige Werke wurden in Ausschnitten auch als Soundtrack in verschiedenen Filmen verwendet wie etwas Rothko Chapel in Martin Scorseses Film Shutter Island (2010).
»Morton Feldman: Biographie und Einspielungen«
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