Nadia Boulanger war die wohl bedeutendste Kompositionslehrerin des 20. Jahrhunderts. Sie war auch eine der ersten Dirigentinnen überhaupt, die namhafte Orchester wie das Boston Symphony Orchestra, das BBC Symphony Orchestra, das Hallé Orchestra, das New York Philharmonic Orchestra oder das Philadelphia Orchestra leitete. Auch als Pianistin und Organistin war sie hochgeschätzt und erfolgreich, als Komponistin fand sie allerdings nicht die entsprechende Anerkennung. Sie unterrichtete, lehrte und hielt Meisterkurse für Komposition bis zu ihrem Tod im hohen Alter von 92 Jahren. Geboren wurde sie am 16. September 1887 in Paris in eine musikalische Familie. Ihr Vater Ernest war Komponist, Dirigent und Gesangslehrer, ihre Mutter Raïssa war Sängerin. Ihr Vater unterrichtete sie in Orgel und Komposition, später erhielt sie Unterricht von Louis Vierne und besuchte das Pariser Konservatorium. 1903 wurde sie stellvertretende Organistin für Gabriel Fauré in La Madeleine. Mit sechzehn Jahren errang sie Preise für Orgel, Begleitung und Komposition, mit 18 gewann sie mit ihrer Kantate La Sirène den zweiten Preis des Prix de Rome. Ab 1921 unterrichtete sie an der École Normale de Musique und an dem neu gegründeten Conservatoire Américain in Fontainebleau. Im gleichen Jahr reiste sie zum ersten Mal in die Vereinigten Staaten. Während des zweiten Weltkriegs lebte sie in den USA, kehrte 1946 aber nach Paris zurück. Sie wurde eine gefragte Lehrerin in den USA und in England, u.a. an der Juilliard School, der Yehudi Menuhin School, der Longy School, dem Royal College of Music und der Royal Academy of Music. Ihr Lebensmittelpunkt war und blieb bis zu ihrem Tod jedoch die elterliche Wohnung in Paris, die sogenannte „Boulangerie“, die über einen Zeitraum von fast sieben Jahrzehnten künstlerischer Treffpunkt war, in dem sich bedeutende Komponisten wie Aaron Copland, Maurice Ravel, Arthur Honegger, Leonard Bernstein, Grażyna Bacewicz oder Thea Musgrave in Harmonielehre, Komposition, Kontrapunkt, Musikanalyse und Instrumentation unterweisen ließen. Ihr bekanntester Klavierschüler war Dinu Lipatti. Nadia Boulanger erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. Am 22. Oktober 1979 ist sie in Paris gestorben.
»Nadia Boulanger: Biographie und Einspielungen«
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