Michael Praetorius ist der wohl vielseitigste Musiker des 17. Jahrhunderts. Ohne sein umfassendes musiktheoretisches Werk Syntagma Musicum von 1619, das seit seinem Erscheinen bis heute ein Standardwerk der Musikwissenschaft ist, wären unsere Kenntnisse von der Musik des Frühbarock, ihrem Instumentarium und ihrer Aufführungspraxis nur bruchstückhaft. Geplant waren vier Bände, im Druck erschienen sind nur drei. Der erste Band befasst sich eingehend mit liturgischer und profaner Musik und bringt eine allgemeine Musiklehre; der zweite enthält Abbildungen zeitgenössischer Instrumente, ihre Terminologie, Klassifikation und Beschreibung einschließlich der Orgel. Im dritten Band findet sich eine Beschreibung der vokalen und instrumentalen Musikformen, eine Notationskunde, Regeln für den musikalischen Satz, den Generalbass und die Besetzung; der vierte hätte sich mit dem Kontrapunkt befassen sollen. Neben seinen theoretischen Schriften hat Praetorius im Laufe seines Lebens aber auch mehr als 1300 Kompositionen geschaffen. Praetorius wurde am 15. Februar 1571 in Creuzberg an der Werra als jüngstes von sechs Kindern des lutherischen Pfarrers Michael Schultheis geboren. Der Name Praetorius, unter dem er als Komponist allgemein bekannt ist, ist lediglich die latinisierte Form seines bürgerlichen Namens. Praetorius wuchs in Torgau auf, besuchte die Lateinschule in Zerbst und begann 1585 das Studium der Theologie in Frankfurt an der Oder. Sein Studium finanzierte er u.a. mit Organistendiensten an der Marienkirche. 1589 wurde er Organist an der Schlosskapelle in Gröningen bei Halberstadt im Dienst des Bischofs Heinrich Julius von Halberstadt. Als dieser 1594 Herzog von Braunschweig und Lüneburg wurde, zog Praetorius in dessen Gefolge nach Wolfenbüttel um und wurde 1604 schließlich zum Hofkapellmeister ernannt. Diese Stellung behielt Praetorius bis zu einer schweren Erkrankung im Jahr 1620. Der kunstliebende Herzog gewährte ihm weitgehende dienstliche Freiheiten, so dass er von 1613-1615 zusätzlich als Hofkapellmeister in Dresden, später auch in Magdeburg tätig war. Darüber hinaus unternahm Praetorius zahlreiche Reisen zu wichtigen Ereignissen, bei denen er wiederholt mit Samuel Scheidt, Heinrich Schütz, Hans Leo Haßler und anderen Größen seiner Zeit zusammentraf. Unter anderem leitete er 1614 die Festmusik beim deutschen Kurfürstentag in Naumburg. Praetorius hatte sich einen erstklassigen Ruf als Musik- und Orgelsachverständiger erworben und wurde daher auch häufig als Berater an verschiedene Fürstenhöfe gerufen, besonders an den kursächsischen Hof in Dresden, nach Halle, nach Magdeburg und 1617 auch nach Sonderhausen. 1614 wurde Praetorius zum Prior des Klosters Ringelheim ernannt. Er verbrachte dort sein letztes Lebensjahr und starb am 15. Februar 1621 in Wolfenbüttel. Praetorius hinterließ ein beträchtliches Vermögen, das er großenteils einer Stiftung für Arme vermachte. In seinen Kompositionen hat Praetorius, der wohl Autodidakt war, alle Techniken und Stilrichtungen seiner Zeit angewandt und Werke für alle Gattungen geschaffen, vom schlichten vierstimmigen Kantionalsatz bis zum prunkvollen vielchörigen Concerto. Seine Kompositionen hat Praetorius bereits zu Lebzeiten in 20 Bänden veröffentlicht. 1929 wurden seine Werke in einer modernen 20-bändigen Gesamtausgabe von Friedrich Blume neu herausgegeben.
»Michael Praetorius: Biographie und Einspielungen«
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