Der englische Komponist und Dirigent Sir Arthur Bliss wurde am 2. August 1891 als ältester von drei Söhnen eines Geschäftsmanns aus Massachusetts in London geboren. Seine Mutter Agnes starb, als er vier Jahre alt war. Er wurde von seinem Vater Francis Edward großgezogen, der in seinen Söhnen das Interesse an Kunst weckte. Bliss studierte in Cambridge und am Royal College of Music unter anderem bei Gustav Holst. 1921 kehrte er als Lehrer an das Royal College of Music zurück und unterrichtete dort bis 1923. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Santa Barbara lebte er ab 1925 als Komponist in London. Zunächst machte Bliss mit experimentellen Werken wie Madam Noy (1918), Conversations (1920) und Rout (1920) auf sich aufmerksam, inspiriert von Igor Strawinskys Petruschka, das 1913 zum ersten Mal in London präsentiert worden war. Auch die Werke der Gruppe Les Six um Arthur Honegger und Darius Milhaud hatten einigen Einfluss auf sein Schaffen. Er wandte sich danach jedoch von der Avantgarde ab, hin zu einem national geprägten spätromantischen Stil zu. Sein bekanntestes Werk ist die halbstündige A Colour Symphony (1922), in der er die vier Farben eines Wappens beschreibt: Purpur – Rot – Blau – Grün. In einer groß angelegten Chorsinfonie für Bariton, Chor und Orchester (Morning Heroes, 1930) verarbeitete er die erschütternden Fronterfahrungen seiner Jugend aus dem Ersten Weltkrieg mit dem Tod seines Bruders Kennard. Darüber hinaus schrieb er u.a. ein Klavierkonzert (1939), ein Violinkonzert (1955) sowie ein Cellokonzert für Mstislav Rostropovich (1970, uraufgeführt unter Leitung von Benjamin Britten), sowie mehrere abendfüllende Ballette: Checkmate (1937, mit Schachfiguren als handelnden Personen), Miracle in the Gorbals (1944) und Adam Zero (1946). 1936 übernahm er die Aufgabe, die Musik zu William Cameron Menzies aufwendiger H.G. Wells-Verfilmung Was kommen wird (Things to Come) zu schreiben. Mit dieser Filmmusik setzte er völlig neue Maßstäbe in diesem Genre, die er allerdings bei Folgeprojekten selbst nicht mehr erfüllen konnte. 1941 wurde Bliss musikalischer Direktor der Klassikabteilung der British Broadcasting Corporation. Dort führte er das beliebte Programm Composer of the Week ein, das bis heute in ähnlicher Form ausgestrahlt wird. 1950 wurde er in den Adelsstand erhoben, 1953 trat er die Nachfolge von Arnold Bax als Master of the Queen’s Music an; in dieser Funktion war er für alle höfischen Musikangelegenheiten zuständig (Fanfare zur Amtseinsetzung des Prince of Wales Charles im Jahr 1969). In den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens komponierte Bliss immer weniger. Als er am 27. März 1975 in London starb, war sein früherer Ruhm verblasst, seine Werke galten als altmodisch. Lediglich hauptsächlich A Colour Symphony konnte sich in den modernen Konzertbetrieb hinüberretten.
»Arthur Bliss: Biographie und Einspielungen«
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