Seinen 75. Geburtstag am 28. Januar 2019 erlebte der britische Komponist John Tavener nicht mehr, er starb schon kurz vor seinem 70. Geburtstag. Zeitlebens hatte Tavener große gesundheitliche Probleme, mit Mitte dreißig erlitt er einen Schlaganfall, mit vierzig hatte er eine Herzoperation, ein Tumor musste operativ entfernt werden, darüber hinaus überstand er zwei Herzinfarkte, die ihn sehr schwächten. Und trotzdem entfaltete er eine unglaubliche Schaffenskraft und wurde 2000 für seine Verdienste um die Musik zum Ritter geschlagen. Tavener ist vor allem für seine geistliche Vokalmusik bekannt. Er war von seinem Elternhaus her stark religiös geprägt. Ein Konzert mit Igor Strawinskys Canticum Sacrum hinterließ bei ihm einen so starken Eindruck, dass er selbst auch Musiker werden wollte. Er wurde zunächst Organist und Chorleiter an der St. John's Presbyterian Church und studierte von 1961 bis 1965 an der Royal Academy of Music. Ursprünglich wollte er Konzertpianist werden, aufgrund seiner schwachen Konstitution musste er diese Pläne aber aufgeben. Er studierte Komposition bei Lennox Berkeley und wurde durch die Begegnung mit seinem Vorbild Igor Strawinsky 1964 weiter bestärkt. Noch als Student gewann er mit seiner Kantate Cain and Abel 1965 den Fürst-Rainier-von-Monaco-Preis. Den Durchbruch als Komponist schaffte er mit der Kantate The Whale 1968, die anlässlich des Gründungskonzerts der London Sinfonietta uraufgeführt wurde. Mit seinen Werken mit überwiegend religiöser Thematik konnte sich Tavener als einer der begabtesten und charismatischsten Komponisten Englands etablieren. 1969 wurde Tavener Professor für Komposition am Trinity College. Die Aufforderung Benjamin Brittens, eine Oper für das Royal Opera House zu schreiben löste bei Tavener eine Schaffenskrise aus, die er u.a. mit Hilfe des Metropoliten Anthony von Sourozh, dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche in England, überwinden konnte. 1977 konvertierte Tavener zur russisch-orthodoxen Kirche. Zu vielen seiner religiösen Werke inspirierte und beriet ihn die Äbtissin Mutter Thekla bis zu ihrem Tod 2011. Einen großen Erfolg konnte Tavener mit The Protecting Veil für Cello und Streicher feiern, das von dem Cellist Steven Isserlis zusammen mit dem London Symphony Orchestra 1989 bei den Proms erstmals gespielt wurde. Zu weltweiter Beachtung kam sein Song for Athene von 1993, als das Werk 1997 bei den Trauerfeierlichkeiten für Prinzessin Diana aufgeführt wurde. 2013 wurde John Tavener beim Festival Europäische Kirchenmusik in Schwäbisch Gmünd der Preis der Europäischen Kirchenmusik verliehen. Im gleichen Jahr starb John Tavener am 12. November.
»John Tavener: Biographie und Einspielungen«
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