Christian Cannabich war der bedeutendste Sohn aus der Musikerfamilie Cannabich. Sein Vater Martin Friedrich war Oboist in der Mannheimer Hofkapelle, dem damals berühmtesten Orchester. In der Nachfolge seines Leiters Johann Stamitz wurde Cannabich sowohl als Orchestererzieher als auch mit seinen eigenen ca. 90 Sinfonien zu einem wichtigen Wegbereiter der Wiener Klassik. Johann Christian Innocenz Bonaventura Cannabich – so sein vollständiger Taufname – wurde am 28. Dezember 1731 in Mannheim getauft. Bereits mit 13 Jahren wurde er in das berühmte Mannheimer Hoforchester als Geiger aufgenommen und von Johann Stamitz unterrichtet. Er spielte sich rasch zum Konzertmeister empor. Zwischen 1750 und 1753 genehmigte ihm Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz Studienaufenthalte in Italien. Dort lernte er in Rom Niccolò Jommelli und in Mailand Giovanni Battista Sammartini, den Wegbereiter der neuen Sonatenform, kennen. 1759 heiratete Cannabich Marie Elisabeth de la Motte, eine Kammerdienerin der Herzogin von Zweibrücken. Im gleichen Jahr wurde ihm die Leitung der Hofkapelle übertragen nachdem Johann Stamitz bereits zwei Jahre zuvor gestorben war. Als dessen ehemaliger Schüler unterrichtete er nicht nur dessen beiden Söhne Carl und Anton, sondern setzte auch den von Stamitz eingeschlagenen Weg konsequent und sehr erfolgreich fort. Unter anderem vergrößerte er das Orchester insgesamt, verfeinerte die Dynamik („Mannheimer Crescendo“) sowie orchestrale Streichereffekte und führte die Klarinette als Orchesterinstrument ein – ein entscheidender Schritt für die weitere Entwicklung der Orchestermusik. So beeindruckte und beeinflusste dies auch den jungen Mozart sehr, der die Klarinette bald ebenfalls als festes Orchesterinstrument in seinen Kompositionen einsetzte. Mehrere Reisen in die musikalische Kulturhauptstadt Paris (1764, 1766, 1772) machten Cannabich als Sinfoniker über die Landesgrenze hinaus in Europa bekannt, nachdem über die Kontakte des Herzogs von Zweibrücken seine Werke dort aufgeführt und verbreitet wurden. Die meisten von Cannabichs Werken sind nach 1766 in Paris im Druck erschienen. Bei seiner zweiten Reise traf er auch Vater und Sohn Mozart. 1774 wurde Cannabich zum Direktor der Mannheimer Instrumentalmusik ernannt. Er stand auf der Höhe seines Ruhmes. Sein Haus war Treffpunkt nicht nur für die Mannheimer Musikszene sondern auch für durchreisende Musiker. Wolfgang Amadeus Mozart war 1777 Gast im Hause Cannabich. Er gab der Tochter Rosine Klavierunterricht und widmete ihr seine Klaviersonate Nr. 7 KV 309. Mozart fühlte sich zeitlebens freundschaftlich mit Cannabich verbunden. 1778 wurde Kurfürst Karl Theodor zum Kurfürsten von Bayern ernannt und musste infolgedessen seine Residenz nach München verlegen. In dessen Gefolge zog auch Cannabich von Mannheim nach München um. Dort wurde ihm die Leitung des Hoforchesters übertragen, dessen Wirkungsbereich er auf öffentliche Konzerte erweiterte. Ab 1788 war Cannbich alleiniger Musikdirektor. Er leitete das Orchester noch spielend vom Geigenpult aus. Nach 1790 wurde Cannabichs Salär auf Drittel gekürzt, wodurch er gezwungen war, sein Einkommen durch private Konzertreisen aufzubessern. Er starb während eines Besuches bei seinem Sohn Carl am 20. Januar 1798 in Frankfurt am Main. Sein musikalischer Nachlass umfasst über 90 Sinfonien, 40 Ballette, eine Oper, ein Melodram (Elektra) sowie verschiedene Kammermusikwerke. Seine wegbereitenden sinfonischen Werke spielen im heutigen Konzertbetrieb nur mehr eine Nebenrolle, während seine Kammermusik und die Ballettmusiken so gut wie ganz aus dem Repertoire verschwunden sind.
»Christian Cannabich: Biographie und Einspielungen«
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