Anlässlich seines 90. Geburtstags lässt Klassik Heute noch einmal einen der innovativsten und bedeutendsten Jazz-Posaunisten der Nachkriegs-Ära hochleben: Albert Mangelsdorff hatte wesentlich mit dazu beigetragen hat, den Jazz nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland zu etablieren und als europäisch-deutsche Szene unabhängig von der amerikanischen Dominanz zu emanzipieren. Geboren wurde Albert Mangelsdorf am 5. September 1928 ind Frankfurt am Main als Sohn eines Buchbinders. Durch seinen älteren Bruder Emil gelangte er zum Jazz. Von seinem Onkel wurde er zunächst im Violinspiel und in Harmonielehre unterrichtet und brachte sich nebenbei selbst das Gitarrespielen bei. Seine Profi-Musikerkarriere begann er auch als Rhythmusgitarrist 1947 in der Otto-Laufner-Bigband. Zu diesem Zeitpunkt begann er mit dem Posaunenspiel und nahmUnterricht beim Soloposaunisten der Frankfurter Oper, Fritz Stähr. Mitte der 50er Jahre entschied er sich endgültig für die Posaune und war 1955 zwei Jahre lang Posaunist im Radio-Tanzorchester des Hessischen Rundfunks. 1957 übernahm der die Leitung des hr-Jazzensembles, mit dem er bis 2005 monatlich regelmäßig Aufnahmen für den Hörfunk machte. Die wiederholte Einladung zum Newport Jazz Festival ab 1958 gab seiner Karriere einen entscheidenden Impuls und machte ihn in der Szene international bekannt. Eines seiner Markenzeichen war das mehrstimmige Spiel auf der Posaune, das zwar nicht neu war, das er aber wiederbelebte und perfektionierte. Während seiner Karriere spielte er mehr als 100 Schallplatten und CDs ein. Albert Mangelsdorf war der erste Jazz-Musiker, der auf einem Blasinstrument abendfüllende Solokonzerte gab und sogar eine Solo-Platte (Trombirds) einspielte – die erste Soloaufnahme für ein Blechblasinstrument im Jazz überhaupt. Er war auch einer der ersten deutschen Jazzmusiker, die ausschließlich vom Jazz leben konnten. 1993 wurde er an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt zum Honorarprofessor für Jazz ernannt. Mangelsdorf starb im Alter von 76 Jahren an Leukämie am 25. Juli 2005 in Frankfurt am Main.
»Albert Mangelsdorff: Biographie und Einspielungen«
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