Paul Dessau wurde am 19. Dezember 1894 in Hamburg in eine Musikerfamilie hineingeboren. Mit sechs Jahren bekam er eine Geige und bestritt bereits im Alter von elf Jahren in Altona ein Konzert mit Werken von Mozart, Svendsen und Wieniawski. Die Hoffnung auf eine vielversprechende Solistenlaufbahn musste er jedoch wegen einer Schwäche der linken Hand aufgeben. Daraufhin ging Dessau 1909 nach Berlin an das Klindworth-Scharwenka-Konservatorium zur Ausbildung zum Kapellmeister. Als Korrepetitor erhielt er für die Spielzeit 1912/1913 seine erste Theateranstellung am Hamburger Stadttheater, wo er mit den Dirigenten Felix Weingartner und Arthur Nikisch zusammenarbeitete und bedeutende Persönlichkeiten wie Giacomo Puccini und Enrico Caruso kennenlernte. Im Herbst 1915 wurde Dessau zum Kriegsdienst eingezogen und musste ein halbes Jahr an der französischen Front dienen. Diese Schreckenserfahrung prägte ihn in seiner politischen und antimilitaristischen Einstellung zeitlebens. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt Dessau 1918/1919 erneut eine Anstellung in Hamburg als Hauskomponist und Kapellmeister an den Hamburger Kammerspielen. In der darauf folgenden Spielzeit wechselte er als Solokorrepetitor und Kapellmeister an die Kölner Oper unter Otto Klemperer. Aus der vierjährigen Zusammenarbeit mit Klemperer erwuchs eine lebenslange Freundschaft. 1923 wurde Dessau Erster Kapellmeister in Mainz, zwei Jahre später war er in gleicher Position an der Städtischen Oper Berlin unter Bruno Walter. In dieser Zeit konnte er die ersten Erfolge als Komponist feiern: 1925 erhielt er den renommierten Preis des Musikverlags Schott für sein Concertino für Solo-Violine mit Flöte, Klarinette und Horn (1924). 1927 gab er seine Anstellung am Opernhaus wegen persönlicher Differenzen auf und wandte sich in der Folgezeit der Filmmusik zu. Ab 1928 arbeitete er als Geiger, Kapellmeister und Komponist am Berliner Erstaufführungskino „Alhambra“. Er vertonte Kurzstummfilme und war Anfang der 1930er Jahre einer der führenden Filmkomponisten bei den ersten Tonfilmen. 1927 lernte Dessau beim Kammermusikfest Baden-Baden Bertolt Brecht kennen – ein Kontakt, der für die Zukunft weitreichende Folgen haben sollte. 1933 floh Dessau als politisch links orientierter, fortschrittlicher Komponist jüdischer Abstammung vor den Nationalsozialisten nach Frankreich. Hier beschäftigte er sich verstärkt mit seiner kulturellen Herkunft und schrieb zahlreiche Werke mit hebräischem Kontext sowie politische Lieder, Kantaten und Lehrstücke für die Arbeitersängerbewegung (Die Thälmannkolonne) unter dem Pseudonym „Peter Daniel“. 1936 kam er mit der Zwölftontechnik in Berührung, die seine kompositorische Entwicklung nachhaltig beeinflusste. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs emigrierte Dessau im Herbst 1939 in die USA, wo er sich anfänglich mehr schlecht als recht mit Aushilfsarbeiten bei einem Verlag durchschlug. 1942 kam es zu einer erneuten Begegnung mit Bertolt Brecht, die zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit bis zu Brechts Tod 1956 führte. 1943 zog Dessau nach Los Angeles in unmittelbare Nachbarschaft zu Brecht, Arnold Schönberg, Hanns Eisler, Charles Laughton und Otto Klemperer. In dieser Zeit entstand die Musik zu Mutter Courage und ihre Kinder und die Bühnenmusik zu Der gute Mensch von Sezuan. Noch in den USA trat Paul Dessau in die Kommunistische Partei ein. 1948 kehrte er nach Deutschland zurück und entschied sich dabei bewusst für die Sowjetische Besatzungszone (die spätere DDR), um am Aufbau eines sozialistischen, demokratischen Deutschlands mitwirken zu können. 1952 wurde Dessau Mitglied der Deutschen Akademie der Künste in Berlin (Ost) und von 1957 bis 1962 deren Vizepräsident. 1965 wurde er auch Mitglied der Akademie der Künste in Berlin (West). 1968 trat er aus Protest gegen die westdeutsche Vietnampolitik zusammen mit Hans Werner Henze wieder aus. Ab 1952 lehrte Dessau an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin-Schöneweide, 1959 wurde er zum Professor ernannt. Er unterrichtete an der Allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule I in Zeuthen und veröffentlichte seine Erfahrungen in dem Buch „Musikarbeit in der Schule“. Am 28. Juni 1979 starb Paul Dessau in Königs-Wusterhausen bei Berlin.
»Paul Dessau: Biographie und Einspielungen«
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