Er war in zweierlei Hinsicht der „kleinere“ Haydn – jünger als sein „großer“ Bruder Joseph und auch in musikgeschichtlicher Hinsicht diesem untergeordnet: Michael Haydn. Er wurde am 14.9.1737 in Rohrau geboren. Von 1745 bis 1755 war er Sängerknabe und Solosopranist am Stephansdom in Wien, die ersten vier Jahre davon in Gesellschaft seines Bruders. Dort hatte er auch Unterricht in Violine, Klavier und Orgel. Nach Abschluss seiner Ausbildung wurde er 1757 Geiger und 1760 schließlich bischöflicher Kapellmeister in Großwardein (Ungarn). Erzbischof Sigismund von Schrattenbach holte ihn nach Salzburg, wo er am 14. August 1763 als „Hofmusicus und Concertmeister“ in der fürsterzbischöflichen Hofkapelle angestellt wurde. 1773 wurde er erster Konzertmeister, 1777 als Nachfolger von Hoforganist Cajetan Adlgasser Organist an der Dreifaltigkeitskirche und 1782 beerbte er Wolfgang Amadeus Mozart als Hof- und Domorganist. Mit diesem verband ihn eine herzliche Freundschaft. Er übernahm den Klavierunterricht am Kappelhaus und wurde dafür als Konzertmeister entlastet. Michael Haydn wirkte 43 Jahre lang bis zu seinem Tod am 10. August 1806 in Salzburg. In dieser Zeit schrieb er 360 geistliche und weltliche Kompositionen. Zu seinen Schülern gehören C.M. von Weber und Anton Diabelli. Das Schwergewicht seines Schaffens liegt auf kirchlichen Kompositionen: Messen, Kantaten, Oratorien, Gradualien, Offertorien, Te Deum, Requiem (unvollendet), aber auch 46 Sinfonien, Solokonzerte, Serenaden, Divertimenti, Kammermusik sowie eine Oper hat er komponiert. Außerdem hat er als Erster vierstimmige Männerchöre geschrieben und diese Tradition mit ins Leben gerufen. Michael Haydn war ein wichtiger Wegbereiter der katholischen Kirchenmusik. Seine Werke wurden zu seinen Lebzeiten jedoch nie verlegt, sondern kursierten nur in handschriftlichen Kopien von Kloster zu Kloster. Dies mag ein Grund sein, dass er nicht die ihm gebührende musikgeschichtliche Beachtung fand. Ein Großteil seiner Werke ist nach wie vor ungedruckt und bis heute unveröffentlicht.
Marie-Claire Alain war eine berühmte französische Organistin und Komponistin. Sie wurde am 10. August 1926 in Saint-Germain-en-Laye als jüngstes von vier Kindern in ein sehr musikalisches Elternhaus geboren. Ihr Vater Albert Alain war Organist, Komponist und Orgelbauer und ihre beiden älteren Brüder Olivier (1918-1994) und Jehan (1911-1940) waren ebenfalls Organisten und Komponisten. Auch ihre Schwester Marie Odile (1914-1937) war Organistin. Besonders dem Vermächtnis ihres Bruders Jehan, der im 2. Weltkrieg gefallen war, widmete sie sich zeitlebens durch die Interpretation und Herausgabe seiner Orgelwerke. Als Elfjährige unterstützte sie ihren Vater bei seinen Orgeldiensten in Saint-Germain-en-Laye und trat nach dessen Tod 1971 seine Nachfolge an bis zu ihrem Ruhestand 2011. Die logische Konsequenz ihres Werdegangs war ein Orgelstudium bei Marcel Dupré am Pariser Konservatorium. Sie erwarb sich dort vier erste Preise. Der zweite Preis beim Concours de Genève 1950 eröffnete ihre internationale Karriere. Insgesamt bestritt sie als Konzertorganisten etwa 2500 Konzerte weltweit und legte über 260 Einspielungen vor, darunter mehrere Gesamteinspielungen, davon allein drei Kompletteinspielungen des Orgelwerks von Bach. Sie befasste sich sehr gründlich mit historischer Aufführungspraxis und übertrug in ihren Konzerten und Interpretationen ihre Erkenntnisse und Erfahrung konsequent auch auf die Orgel. Auch als Pädagogin beeinflusste sie die nachfolgenden Organistengenerationen maßgeblich. Viele ihrer Schülerinnen und Schüler können ihrerseits ebenfalls bedeutende Karrieren vorweisen. Marie-Claire Alain wurde u.a. mit der Ehrendoktorwürde der Colorado State University und der Ehrendoktorwürde der Southern Methodist University Dallas ausgezeichnet und erhielt als Mitglied der Ehrenlegion die höchste französische Auszeichnung für militärische und zivile Verdienste. 1976 wurde ihr der Buxtehude-Preis der Hansestadt Lübeck verliehen. Am 26. Februar 2013 starb Marie-Claire Alain im Alter von 86 Jahren in Le Pecq.
Am 5. August 2026 ist an den 110. Todestag des englischen Komponisten George Sainton Kaye Butterworth zu denken. Er wurde am 12. Juli 1885 in London geboren. Die Familie zog jedoch bald nach Yorkshire, wo Butterworth aufwuchs. Den ersten Musikunterricht bekam er von seiner Mutter, die selbst Sängerin war. Er begann früh zu komponieren. Als späterer General Manager der North Eastern Railway hatte sein Vater eine Ausbildung zum Rechtsanwalt für Goerge vorgesehen und ihn ans Eton College und anschließend ans Trinity College nach Oxford geschickt. George konzentrierte sich jedoch zunehmend auf die Musik und traf auf Cecil Sharp und Ralph Vaughan Williams. Butterworth und Vaughan Williams schlossen enge Freundschaft, sie unternahmen mehrere Reisen in das ländliche England, um Volkslieder zu sammeln. Nach dem Abschluss in Oxford begann Butterworth eine Laufbahn als Musiker, schrieb Kritiken für The Times, komponierte und lehrte am Radley College in Oxfordshire. Er studierte auch kurz am Royal College of Music in London, wo er unter anderem von Hubert Parry unterrichtet wurde. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldete sich Butterworth zum Militärdienst. Er fiel 1916 im Alter von 31 Jahren in der Schlacht an der Somme bei Pozières. Sein Leichnam wurde nie gefunden. Von Butterworth ist nur wenig Musik erhalten, da er selbstkritisch viele seiner Werke vernichtet hatte, bevor er eingezogen wurde. Am bekanntesten ist A Shropshire Lad (1911/12), die Vertonung einer Gedichtsammlung von A. E. Housman. Gelegentlich sind heute noch seine Orchesterwerke zu hören – Two English Idylls von 1911 und sein letztes Werk The Banks of Green Willow von 1913.