Vor 50 Jahren starb der Dirigent Sir John Barbirolli in London. Der Sohn eines in England lebenden italienischen Geigers und einer Französin wurde am 2. Dezember 1889 in London geboren, erhielt seine Ausbildung als Cellist an der Royal Academy of Music und war anschließend Mitglied des Queen's Hall Orchestra. Mit der Gründung eines eigenen Kammermusikensembles wirkte er ab 1925 zunehmend auch als Dirigent. 1927 sprang Barbirolli für den erkrankten Sir Thomas Beecham in der Queen's Hall ein, was ihm die langjährige Zusammenarbeit mit dem Plattenlabel EMI einbrachte. Von 1937 bis 1943 war er Nachfolger von Arturo Toscanini beim New York Philharmonic Orchestra, lehnte jedoch die US-Staatsbürgerschaft ab, die für eine Verlängerung seines Vertrages Bedingung gewesen wäre. Stattdessen übernahm er das traditionsreiche Hallé Ochestra in Manchester, dessen Leitung er bis 1968 inne hatte. Von 1961 bis zu seinem Tod war er zudem ständiger Gastdirigent der Berliner Philharmoniker.
Barbirolli verfügte über ein außergewöhnlich großes Repertoire und hat mit allen berühmten Sängern und Instrumentalisten der Jahrzehnte von 1930 bis 1970 zusammengearbeitet. Auch auf Tonträgern sind seine Interpretationen der Werke von Purcell, Vaughan Williams, Elgar, Brahms, Tschaikowsky, Sibelius, Debusy, Berlioz, Rimsky-Korsakov verfügbar. Gustav Mahlers Werke nehmen darin jedoch einen auffallend geringen Platz ein. Erst am 19. Februar 1954 führte er mit seinem Hallé-Orchestra nach fast 50 Stunden Probenarbeit, einem heute völlig undenkbaren Zeitaufwand, eine komplette Mahler-Sinfonie auf, die Neunte. Er hatte die Musiker erst von dieser Musik überzeugen müssen, was dann aber hervorragend gelang.
John Barbirolle erlitt am 29. Juli 1970 in London einen Herzinfarkt, kurz nach einer Probe mit dem Philharmonia Orchestra.
»John Barbirolli: Biographie und Einspielungen«
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