Nikolai Medtner war ein russischer Komponist mit skandinavischen und deutschen Vorfahren. Er wurde am 24. Dezember 1879 in Moskau geboren. Den ersten Klavierunterricht erhielt er von seiner Mutter, weiteren Musikunterricht erhielt er von seinem Onkel Fjodor Goedicke, einem Musikprofessor. Von 1892 bis 1900 studierte er am Moskauer Konservatorium Klavier und Komposition als Schüler von Antoni Arenski. Das Studium schloss er mit Auszeichnung ab. Seine Teilnahme beim Anton-Rubinstein-Wettberb in Wien im selben Jahr brachte ihm eine lobende Erwähnung ein. Anschließend nahm Medtner noch von 1901 bis 1903 privat Kompositionsunterricht bei Sergei Tanejew. Sowohl als Komponist als auch als Pianist machte sich Medtner in Rußland und in Deutschland rasch einen Namen. 1909 erhielt er eine Professur am Moskauer Konservatorium. Er gab die Stelle aber bereits ein Jahr später wieder auf. Einer erneuten Berufung 1915 folgte er bis 1921. In der Folge der Oktoberrevolution von 1917 emigrierte Medtner 1921 nach Deutschland, wo er bis 1924 in Berlin lebte. Am 23. November 1923 nahm Medtner in Freiburg zehn Klavierstücke auf einem Welte-Mignon-Klavier auf, mit dem die weitgehend authentische Wiedergabe durch Aufzeichnung auf einen Walzenmechanismus möglich war. Neun der zehn aufgenommenen Stücke waren dabei eigene Werke. Von Berlin zog Medtner dann nach Paris. Er unternahm ausgedehnte Konzertreisen in den USA, in England und Frankreich und ließ sich erst in Enghien-les-Bains, Seine-et-Oise nieder, bevor er 1935 endgültig nach London übersiedelte. Dort bestand das größte Publikumsinteresse. Medtners Werke waren fast ausnahmslos dem Klavier gewidmet. Sinfonische Werke, Opern oder Oratorien nahm er nie in Angriff. 1946 kam eine Schallplattenaufnahme zustande, bei der Medtner eigene Werke spielte. Leider wurden die Aufnahmen noch auf Schellackplatten gepresst, unglücklicherweise kurz vor Einführung der Langspielplatte, so dass seine Aufnahme unverkäuflich wurde. Infolge eines schweren Herzinfarkts war Medtner nach 1948 zu weiteren Aufnahmen nicht mehr in der Lage. Er starb in London am 13. November 1951. Stilistisch war Medtner ein Spätromantiker, der seinen Stil den Anfeindungen der Anvantgarde gegenüber durch eine Schrift „Die Muse und die Mode“ verteidigte. Er hinterließ zehn Märchen, Stimmungsbilder, drei Hefte Vergessene Weisen, drei Hymnen an die Arbeit, vier Hefte Romantische Skizzen, 15 Sonaten, drei Nokturnen, drei Klavierkonzerte, zwei Kanzonen für Violine und Klavier, zwei Vokalisen mit Klavier und 102 Lieder. Medtner war sehr gut befreundet mit Sergej Rachmaninoff. Beide Komponisten schätzten einander als „die größten Komponisten ihrer Zeit“.
»Nicolai Medtner: Biographie und Einspielungen«
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