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Besprechung CDCarl Nielsen

Carl Nielsen

The Ultimate Solo Piano Collection
Ricce Sandberger

OUR Recordings 8.226939-41

3 CD • 3h 26min • 2025

30.05.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Das vorliegende 3 CD-Set des dänischen Labels OUR Recordings wird als die „ultimative Soloklavierkollektion“ in Sachen Carl Nielsen vorgestellt, und dies zunächst einmal angesichts des hier vorgestellten Repertoires. So umfassend ist die Klaviermusik des großen Dänen noch nie eingespielt worden, denn neben den eigentlichen (publizierten) Originalwerken werden auch etliche Skizzen und Gelegenheitswerke teils aus dem Nachlass berücksichtigt sowie eine ganze Reihe von (seinen eigenen) Bearbeitungen und teilweise auch Originalwerken aus Schauspiel- und Theatermusik. In der Summe ergibt dies immerhin rund eine Stunde von Ersteinspielungen. Am Klavier sitzt Rikke Sandberg, die vor kurzem bereits gemeinsam mit Kristoffer Hyldig Nielsens Werke für Klavier zu vier Händen eingespielt hat (insbesondere sein Arrangement der Sinfonia espansiva).

Substantielle Klaviermusik eines Sinfonikers

Von Nielsens Œuvre sind es sicherlich die Sinfonien, die am meisten Beachtung finden, auch noch die Konzerte und Kammermusik; jedenfalls steht die Klaviermusik all diesen Werken gegenüber ein gutes Stück im Schatten. Stöbert man ein wenig in den Archiven von Klassik Heute, so stellt man fest, dass sich bereits vor reichlich 15 Jahren der geschätzte Peter Cossé hierüber angesichts der Nielsen-Einspielungen von Christina Bjørkøe verwundert gezeigt hat, und eigentlich gilt seine damalige Diagnose auch heute noch. Dabei hat Nielsen vielleicht zahlenmäßig nicht viel Klaviermusik verfasst und mit gewissen Pausen zwischen ihren Eckpfeilern, aber es gibt doch mindestens fünf gewichtige Hauptwerke aus seiner Feder, nämlich die Sinfonische Suite op. 8 (1894), die Chaconne op. 32 (1916/17), Thema mit Variationen op. 40 (1917), die Suite op. 45 (1919/20) sowie die Drei Klavierstücke op. 59 (1928). In all diesen Werken erlebt man Nielsens ureigene, so charakteristische kompositorische Stimme jeweils im Kontext der entsprechenden Entstehungszeit. Natürlich liegt es nahe, den kraftvollen Elan von op. 8 zu der kurz zuvor entstandenen Ersten Sinfonie in Bezug zu setzen und das hochinteressante späte op. 59 mit seiner Mischung aus tonalen und atonalen Momenten, zwischen Groteske, quasi-astralem Funkeln (Nr. 1) und nachgerade brutalen Schlagzeugimitationen (Nr. 3) zu der Sechsten.

Immenser Einfallsreichtum auch auf kleinstem Raum

Nielsens ausladendstes Klavierwerk ist die Suite op. 45, zunächst als Luziferische (im Sinne von lichtbringend) bezeichnet und Artur Schnabel gewidmet, ein substantielles, reifes Werk in sechs Sätzen, reinster Nielsen der Reifezeit, dessen machtvolle, eruptive, raumgreifende Kulmination am Ende an Beethovens Hammerklaviersonate gemahnt. Demgegenüber sind die beiden Variationszyklen („Bachisch“ die Chaconne, nicht von ungefähr in d-moll stehend, vermeintlich „Brahmsisch“ die Variationen – natürlich lediglich im Sinne einer initialen Inspiration) trotz beträchtlicher Steigerungsbögen und klangmächtiger Höhepunkte introspektiver, lyrischer gehalten; nicht umsonst entschwindet etwa die Chaconne am Ende in ätherische Höhen. Faszinierend aber auch der immense Einfallsreichtum, den Nielsen in seiner (didaktisch konzipierten) Klaviermusik für Klein und Groß op. 53 (1929/30) auf Basis ganz elementarer Mittel zu entfalten vermag.

Eine wahrhaft ultimative Box

Dass sich diese CD-Box mit Recht „ultimativ“ nennen darf, hat dabei nicht nur mit den vielen Beigaben zu tun, bei denen es sich zwar in der Mehrzahl um Kleinigkeiten handelt, die aber auf engstem Raum eine Menge über Nielsens Tonsprache und ihre Entwicklung verraten. Vielmehr sind es auch Rikke Sandbergs Darbietungen selbst, die diese Aufnahmen zu einer Instanz in Sachen Nielsen machen. Sandberg geht von einem grundsätzlich warmen, ebenso sorgfältig wie ruhig gestaltenden Ansatz aus; auch dann, wenn Nielsen über weite Strecken doppeltes bis dreifaches Forte fordert (z.B. 1. Satz der Suite op. 8 oder dem Fest-Präludium zur Jahrhundertwende), forciert sie nicht bis zum Äußersten, sondern lässt sich im Rahmen eines runden, vollen Timbres Spielräume zur Binnengestaltung. Wundervoll ihr Rubato, ihr Sinn für subtile Verzögerungen, für das sensible Herausarbeiten der Charakteristika der Musik anhand kleiner Details, exemplarisch nachzuvollziehen an den fein austarierten Übergängen zwischen den einzelnen Variationen von op. 40, die sie ganz natürlich und harmonisch von einer Variation in die nächste zu überführen versteht. Famos gelungen auch das ganz eigentümliche gleichzeitig warme und kristallin anmutenden Timbre etwa der 12. Variation wiederum von op. 40 – wobei man hier trefflich Brücken schlagen kann zum Schluss der Chaconne, zu op. 59 Nr. 1 oder auch zum Schluss des Tanz der Morgennebel aus der Schauspielmusik zu Aladdin ganz am Ende der Box. Sehr üppig (im besten Sinne) das Begleitheft, in dem u.a. Rikke Sandberg selbst zu Worte kommt, aber auch die einzelnen Stücke und die Hintergründe ihrer Entstehung ausgiebig diskutiert werden. Nur sehr leise möchte ich anmerken, dass sich die in der Trackliste verwendete Katalogisierung von Nielsens nachgelassenen Werken von derjenigen im Begleittext unterscheidet, aber natürlich ist dies eine Marginalie. Eine exzellente Neuerscheinung!

Holger Sambale [30.05.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Carl Nielsen
1Welcome to 20 Della Grazia, Little Marie! 00:00:22
2Chaconne op. 32 – Tempo giusto 00:11:32
3Im Volkston op. 3 Nr. 1 00:02:51
4Humoreske op. 3 Nr. 2 00:01:58
5Arabeske op. 3 Nr. 3 00:01:25
6Mignon op. 3 Nr. 4 00:00:52
7Elfentanz op. 3 Nr. 5 00:01:33
8Symphonic Suite op. 8 00:18:19
12Souvenirs from Carl Nielsen (11 Small Piano Pieces) 00:08:05
23Piano Music for young and old op. 53 00:26:40
CD/SACD 2
1Festival Prelude for the New Century CNK 24 00:01:46
2Three Piano Pieces op. 59 00:12:22
5Theme and Variations 00:18:37
6Piano Piece 00:00:41
7Humoresque-Bagatelles op. 11 00:06:52
13Two Character Pieces 00:06:37
15Suite op. 45 (The Luciferian) 00:27:03
21A Dream about "Silent Night" 00:03:13
CD/SACD 3
1The mist is lifting (aus: The Mother) 00:02:34
2Gramophone-Waltz (aus: The Mother) 00:02:21
3Prelude to Scene Four (aus: The Mother) 00:03:34
4Minuet (aus: The Mother) 00:01:49
5Prelude to Scene Seven (aus: The Mother) 00:03:02
6March (aus: The Mother) 00:04:59
7Dance of the Handmaidens (aus Hagbarth and Signe) 00:01:36
8Prelude to Snefrid für Klavier 00:02:33
9Elves Dance (aus Sir Oluf he rides) 00:03:19
10Music for Otto Benzons play Parents 00:01:31
11Oriental Festival March 00:03:38
12Chinese Dance (aus: Dances from Aladdin) 00:03:48
13Prisoner's Dance (aus: Dances from Aladdin) 00:05:06
14Hindu Dance (aus: Dances from Aladdin) 00:03:03
15African Dance (aus: Dances from Aladdin) 00:04:47
16Dance of the Morning Mists (aus: Dances from Aladdin) 00:03:01

Interpreten der Einspielung

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