Neben Johann Adolph Hasse war Carl Heinrich Graun Mitte des 18. Jahrhunderts die zentrale Figur im musikalischen Leben Berlins, vor allem in der Opernwelt. Er schrieb etwa drei Dutzend Opern im neapolitanischen Stil Alessandro Scarlattis, u.a. Iphigenie in Aulis (1729), Rodelinde (1741), Cesare et Cleopatra (1742, zur Einweihung des Opernhauses Unter den Linden), Orpheus (1752) und Montezuma (1755, Text von Friedrich dem Großen). Grauns Wirken hat Berlin musikalische Geltung verliehen. Allerdings beschränkt sich seine Bedeutung lokal auf seinen Wirkungsort. Bis zu seinem Tod konnte sich Graun als lokale Größe behaupten, mit dem Auftreten und den Opern Glucks verschwanden seine Opern allerdings bis heute vollkommen aus dem Repertoire. In den meisten Opernführern sucht man seinen Namen vergeblich. Graun starb am 8. August 1759 in Berlin. Geboren wurde er in 1704 in Wahrenbrück bei Cottbus. Er folgte 1714 seinem älteren Bruder Johann Gottlieb, der später ebenfalls in Berlin als Komponist und Konzertmeister tätig war, nach Dresden an die Kreuzschule. Er muss über eine ausnehmend schöne Sopranstimme verfügt haben, denn er wurde sogar zum „Extraordinär-Diskantist“ der Stadt Dresden ernannt. Ab 1725 sang Graun als Tenor an der Braunschweiger Oper, er war aber auch als Cellist und Komponist gefragt. Anlässlich der Hochzeit des preußischen Kronprinzen Friedrich mit Elisabeth Christine von Braunschweig 1733 komponierte Graun die Oper Lo specchio della fedeltà, von der Friedrich so begeistert war, dass er ihn an seinen Hof in Rheinsberg verpflichtete. Friedrich war Graun zeitlebens freundschaftlich verbunden. Nach seiner Thronbesteigung 1740 nahm er als König Friedrich der Große Graun mit nach Berlin, ernannte ihn zum Kapellmeister und beauftragte ihn mit der Organisation eines Opernensembles sowie mit der Komposition der Oper Cesare e Cleopatra zur Eröffnung des Opernhauses (7. Dezember 1742). Neben seinen zahlreichen Opern komponierte Graun jedoch auch noch etliche geistliche und weltliche Kantaten und andere Vokalwerke. Davon hielt sich seine 1755 erstmals aufgeführte Passionsmusik Der Tod Jesu bei der Sing-Akademie zu Berlin noch lange Zeit im Konzertprogramm und wurde noch jahrzehntelang als Karfreitagsmusik aufgeführt. Erst nach der Wiederentdeckung von Bachs Passionen wurde es durch diese ersetzt. Darüber hinaus hinterließ Graun noch ein Te Deum sowie weitere Instrumentalkompositionen.
»Carl Heinrich Graun: Biographie und Einspielungen«
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