Der französische Komponist Daniel François Esprit Auber schuf mit seiner Oper La muette de Portici (Die Stumme von Portici) 1828 die erste französische Grand opéra, wie sie als eigene Operngattung von Giacomo Meyerbeer perfektioniert wurde. Der Inhalt geht auf die wahre Begebenheit eines Fischeraufstands von 1647 in Neapel zurück. Das Besondere an dieser Oper ist, dass die Titelrolle nicht von einer virtuosen Primadonna gesungen wird, sondern stumm ist und von einer Tänzerin dargestellt wird. Diese Oper ist Aubers zweifellos kompositorische Meisterleistung. Gleichzeitig gilt Auber aber auch als Inbegriff für eine andere Form der französischen Oper: der Opéra comique, der einfacher und eingängiger strukturierten Schwesterform. Hier lieferte Auber sein Meisterstück mit der noch heute gespielten Oper Fra Diavolo (1830) ab. Daniel François Esprit Auber wurde am 29. Januar 1782 in Caen geboren. Er entstammte einer wohlhabenden Verleger-Familie. Sein Vater war Kunsthändler. Sein musikalisches Talent wurde früh entdeckt und gefördert. Er erhielt Unterricht in Gesang, Violine, Violoncello und Klavier und war schon in jungen Jahren als Pianist und Geiger in anspruchsvollen musikalischen Pariser Salons geschätzt und begehrt. Trotz allem sollte Auber einen kaufmännischen Beruf im Ausland erlernen und wurde dazu nach London geschickt. Nebenher komponierte er freilich weiter, überwiegend Kammermusik mit Klavier. Nach seiner Rückkehr nach Paris im Jahr 1803 wurde man bald auf ihn und seine Kompositionen aufmerksam. Als Sohn einer wohlhabenden Familie konnte er es sich leisten, ab 1805 privaten Unterricht bei Luigi Cherubini zu nehmen und wurde rasch zu dessen bekanntestem Schüler. Cherubini war es auch, der Auber zur Komposition seiner ersten Oper Le séjour militaire ermunterte, die nicht nur im privaten Kreis von Salons aufgeführt werden sollte, sondern öffentlich auf einer großen Opernbühne. Nach dem Tod seines Vaters 1820 entschloss sich Auber, seinen Lebensunterhalt als Komponist zu bestreiten und mit Emma ou La promesse prudente konnte er bereits 1821 seinen ersten großen Erfolg feiern. Mit seiner nächsten Oper Leicester ou le château de Kenilworth (1823) begann die fruchtbare und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Librettisten Eugène Scribe, mit dem er fast ausschließlich bis zu dessen Tod 1861 zusammenarbeitete und insgesamt 40 Bühnenwerke schuf. Mit La muette de Portici erreichten beide den Höhepunkt ihres gemeinsamen Schaffens. Der Erfolg brachte Auber zu Lebzeiten zahlreiche Ehrungen ein. 1825 wurde er Mitglied der Ehrenlegion, in der er bis 1861 in den Rang eines „grand officier“ aufstieg. Nach dem Erfolg von Die Stumme von Portici wurde er 1829 als Nachfolger von François-Joseph Gossec Mitglied des Institut de France. 1839 wurde Auber Dirigent der Hofkonzert, 1842 Direktor des Pariser Konservatoriums in der Nachfolge von Luigi Cherubini. Diese Stelle behielt er bis zu seinem Tod. 1857 schließlich wurde Auber zum Kaiserlichen Hofkapellmeister ernannt. Die letzte Uraufführung einer eigenen Oper erlebte er 87jährig 1869. Auber starb zwei Jahre später am 12. Mai 1871 in Paris. Von seinen ungefähr 50 Bühnenwerken stehen heute lediglich noch Die Stumme von Portici und Fra Diavolo auf den Spielplänen. Er hat darüber hinaus aber auch ein Violinkonzert, vier Streichquartette, vier Cellokonzerte, ein Klaviertrio sowie einige Kantaten und Romanzen hinterlassen, die jedoch kaum noch berücksichtigt werden.
»Daniel François Esprit Auber: Biographie und Einspielungen«
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