David Zinman 90. Geburtstag
US-amer. Dirigent
Der US-amerikanische Dirigent David Zinman zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Dirigenten in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er wurde am 9. Juli 1936 in New York geboren und erhielt mit sechs Jahren Violinunterricht. Nach seinem Schulabschluss studierte er Violine am Oberlin Conservatory of Music in Oberlin, Ohio, außerdem Komposition an der University of Minnesota in Minneapolis. Erste Schritte zu einer Dirigentenkarriere unternahm Zinman am Tanglewood Music Center des Boston Symphony Orchestra, ab 1958 begann er, mit Pierre Monteux zusammenzuarbeiten. Von 1961 bis 1964 war er dessen Assistent beim London Symphony Orchestra. Nach seinem Studienabschluss 1963 gelang Zinman beim Holland Festival der Durchbruch als Dirigent und in der Folgezeit hatte er gleich mehrere Positionen inne. Von 1965 bis 1977 war er zweiter Dirigent des Netherlands Chamber Orchestra und von 1979 bis 1982 Chefdirigent des Rotterdam Philharmonic Orchestra. Gleichzeitig war er zwischen 1974 und 1985 musikalischer Direktor des Rochester Philharmonic Orchestra. 1985 wurde Zinman musikalischer Direktor des Baltimore Symphony Orchestra, das er zu einem der führenden Orchester in den USA entwickelte. In dieser Phase entstanden zahlreiche Einspielungen für Telarc, Argo und Sony. Seine Einspielung der 3. Sinfonie von Henryk Górecki mit Dawn Upshaw und der London Sinfonietta 1992 wurde zu einem internationalen Bestseller. 1998 wurde Zinman zum Leiter des Aspen Music Festival and School ernannt, wo er auch die American Academy of Conducting gründete, die er bis zu seinem unerwarteten Ausscheiden im April 2010 leitete. Ab 1995 war Zinman auch Chefdirigent des Tonhalle-Orchesters Zürich. Für Arte Nova spielte er mit dem Orchester eine Gesamtaufnahme der Beethoven-Sinfonien ein, die von der Kritik gefeiert wurde. Das ermutigte ihn, auch sämtliche Ouvertüren und Konzerte Beethovens mit dem Tonhalle-Orchester einzuspielen. 2003 trat er mit dem Orchester bei den Proms auf. Zinman etablierte auch eine Konzertreihe „Tonhalle Late“, bei der er in Konzerten zu später Stunde klassische Musik mit Nightclubarrangements kombinierte. Am 21. Juli 2014 beendete Zinman die Zusammenarbeit mit der Tonhalle als Chefdirigent mit einem Konzert bei den Proms. Im Laufe seiner langen Karriere hat David Zinman mit nahezu allen US-amerkanischen und europäischen Spitzenorchestern als Gastdirigent zusammengearbeitet. Einen bedeutenden Filmmusik-Beitrag leistete er mit dem aufwendigen Soundtrack zu dem Kinofilm 108°, der beim Internationalen Filmfestival Locarno mit dem SUISA-Preis für die „beste Filmmusik 2010“ ausgezeichnet wurde. David Zinman erhielt für sein dirigentisches Wirken zahlreiche Preise, darunter den Thodore Thomas Award der Conductor’s Guild 2006, fünf Grammy Awards, zwei Grand Prix du Disque und zwei Edison Awards sowie einen weiteren Grammy Award für das Best Classical Album, den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 1999 für die Gesamteinspielung der Beethoven-Sinfonien mit dem Tonhalle-Orchester, den ECHO Klassik in der Kategorie „Sinfonische Einspielung des Jahres (19. Jh.)“ 2011 sowie den ECHO Klassik in der Kategorie „Dirigent des Jahres“ 2015. 2014 wurde David Zinman zum Ehrendirigenten des Tonhalle-Orchesters ernannt. Im Juli 1926 konnte der Dirigent seinen 90. Geburtstag feiern.
