Beim heutigen Gedenken geht es weit zurück in der Musikgeschichte, gleich mehrere Jahrhunderte: Vor 640 Jahren, am 13. April 1377, ist Guillaume de Machaut in Reims gestorben. Machaut war als Dichter ebenso berühmt wie als Komponist. Er gilt als der bedeutendste Komponist der sog. „Ars Nova“, jener Epoche, welche – nach einer musiktheoretischen Schrift von Philippe de Vitry benannt – im 14. Jahrhundert in Frankreich die „Ars Antiqua“ ablöste und sehr bedeutend für die Entwicklung der mehrstimmigen Musik des Abendlandes war. Machaut wurde um 1300 wahrscheinlich in der Umgebung von Reims geboren. Er erhielt eine gute Ausbildung an der Domschule von Reims und wurde 1323 Sekretär Johanns von Luxemburg, des Königs von Böhmen. In dieser Funktion begleitete er Johann auf vielen Reisen. Johann verschaffte ihm 1333 auch Ansprüche auf einträgliche Domherrenpfründe im Domkapitel von Reims, obwohl Machaut nie eine Priesterweihe empfangen hat. 1337 besetzte er die Domherrenstelle und hielt sich dort ab etwa 1340 auch überwiegend auf. Als Johann 1346 in der Schlacht von Crécy fiel, trat Machaut zuerst in den Dienst von dessen Tochter Bonne, der späteren Herzogin der Normandie und Königin von Frankreich; nach deren Tod 1349 war er an verschiedenen Fürstenhöfen zu Gast. Auf eine feste Anstellung war er jedoch nicht mehr angewiesen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er als Kanonikus in Reims. Machauts Kompositionen sind in 32 Handschriften erhalten, deren Anfertigung er selbst sorgfältig überwacht hat. Er war einer der letzten Lyriker, der viele seiner Gedichte vertont hat. Seine Messe de Nostre Dame (um 1360/65) gilt als die erste vollständige vierstimmige Vertonung der Ordinariumsteile als ein Zyklus. Das Hauptwerk Guillaume de Machauts sind jedoch weltliche Kompositionen: Virelais, Rondeaus sowie Balladen. Das Neue bei ihm ist, dass nicht mehr wie bis dahin die tiefste Stimme (der Tenor) als „Cantus firmus“ der Träger der Melodie ist, sondern Machaut weist der Oberstimme, der Cantilena, die Melodieführung zu, während Tenor als Mittelstimme und Contratenor begleitende Funktion haben. Damit schafft Machaut die Voraussetzung für den mehrstimmigen Satz wie er heute für uns selbstverständlich ist: mit der Melodie in der Oberstimme.
»Guillaume Machaut: Biographie und Einspielungen«
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