Der ungarische Dirigent Arthur Nikisch war unangefochten der führende Dirigent seiner Zeit. Er war 27 Jahre lang Leiter der Berliner Philharmoniker, begründete mit dem Gewandhausorchester Leipzig die Tradition, das Jahr am Sylvesterabend mit Beethovens 9. Sinfonie zu beenden und machte sich um die späte Anerkennung Anton Bruckners sehr verdient. Arthur Nikisch war ein prägendes Vorbild auch für Größen wie Toscanini, Stokowski und Furtwängler. Er wurde am 12. Oktober 1855 in Mosonszentmiklós geboren. Am Wiener Konservatorium studierte er Violine, Klavier und Komposition. Während seiner Studienzeit spielte er in verschiedenen Orchestern Geige, unter anderem unter Wagner, Verdi, Bruckner und Brahms. Von 1878 bis 1889 war Nikisch 1. Kapellmeister am Stadttheater in Leipzig und verhalf 1884 in dieser Position Bruckners 7. Sinfonie zur Uraufführung. An sein Leipziger Engagement schlossen sich vier Jahre als Leiter des Boston Symphony Orchestra an, danach übernahm Nikisch die Stellung als Direktor der Königlichen Ungarischen Oper bevor er 1895 in der Nachfolge von Carl Reinecke Kapellmeister des Gewandhausorchesters wurde. Im Herbst des selben Jahres wurde er auch zum Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker berufen als Nachfolger von Hans von Bülow. Beide Stellungen bekleidete er bis zu seinem Tod. 1913 machte Nikisch mit den Berlinern die erste komplette Tonaufnahme einer Sinfonie – es war Beethovens 5. Sinfonie. Neben seiner Dirigententätigkeit leitete Nikisch auch von 1902 bis 1907 das Leipziger Konservatorium und in der Spielzeit 1905/1906 die Oper. Nikisch revolutionierte den damaligen Dirigentenberuf. Er verfügte über ein so phänomenales Gedächtnis, dass er alle Werke stets auswendig dirigierte, mit sparsamen Bewegungen und Gesten, aber einem omnipräsenten Blick, der die Musiker in seinen Bann zog. Die Orchestermusiker verstand er als individuelle Künstler. Er nahm für die damalige Zeit neue Kompositionen von Tschaikowsky, Berlioz, Liszt, Strauss, Mahler und vor allem Bruckner in das Repertoire auf und machte das Orchester weithin bekannt durch zahlreiche Reisen. So gab er auch 1912 mit dem London Philharmonic Orchestra das erste Gastspiel eines europäischen Orchesters in den USA. Neben Orchesteraufnahmen existieren von Arthur Nikisch auch Einspielungen auf einem Welte-Mignon-Klavier mit Ungarischen Tänzen von Johannes Brahms und einer Valse aus dem Ballett Coppélia von Léo Delibes. Nikisch war als Befürworter, dass auch Frauen am Dirigierpult stehen sollten, seiner Zeit fast ein Jahrhundert voraus. Seine Absicht, die fis-Moll-Sinfonie der kroatisch-ungarischen Komponistin Dora Pejačević aufzuführen, konnte er leider nicht mehr in die Tat umsetzen. Arthur Nikisch starb unerwartet am 23. Januar 1922 in Leipzig an einer schweren Grippeerkrankung.
»Arthur Nikisch: Biographie und Einspielungen«
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