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Komponisten mit Lebensdaten insgesamt: 3376

György Ligeti

* 28.05.1923 Dicsöszentmárton, Siebenbürgen
† 12.06.2006 Wien

Am 12. Juni 2016 jährt sich der Todestag des österreichisch-ungarischen Komponisten György Ligeti zum10. Mal. Ligeti ist weltweit anerkannt als einer der führenden Komponisten der Moderne. Seine innovatorische Leistung liegt in der Entwicklung der Klangflächenkomposition durch sein Prinzip der Mikropolyphonie: in eine Vielzahl von Strukturen unterteilte Klänge, die ohne rhythmisches Profil und traditionelle Intervallcharaktere kontinuierlich gegeneinander verschoben werden. Sein musikalisches Schaffen umfasst wegweisende Werke für Orchester, Chor, Bühne sowie Kammer- und Klaviermusik. Die Gestaltung des Klangs und die Suche nach Alternativen zum temperierten System sind die wesentlichen Kennzeichen seiner vielfältigen kompositorischen Arbeiten. Ligeti war ein Abenteurer der Form und des Ausdrucks und ein großer Visionär der Neuen Musik. Sein faszinierend vielseitiges Werk nimmt in Hinsicht auf musikalische Qualität und kompromisslose Individualität eine Ausnahmestellung ein. Komplexe polyrhythmische Strukturen, experimentelle elektronische Musik, phonetische Experimente: Ligeti bewegte sich zeitlebens fernab ästhetischer Moden und Schulen. Ihn kennzeichneten frische und unorthodoxe Ideen, jeder Dogmatismus war ihm fremd, radikale Einschnitte prägen sein gesamtes Schaffen. Mit seinen phantastischen Ideen hat er nicht nur das Fachpublikum angesprochen. Die sinnliche Zugänglichkeit seiner Musik wirkt auf alle Hörer faszinierend und anregend. Biochemie, Chaosforschung, fraktale Geometrie, aus allem gewann der ursprünglich zum Physikstudium tendierende Ligeti Inspiration für neue Kompositionsprinzipien. Das 1961 entstandene Orchesterstück Atmosphères machte Ligeti schlagartig bekannt. Er verzichtet darin beinahe vollständig auf traditionelle melodische, harmonische und rhythmische Parameter und konzentriert sich auf Klänge mit ständig sich wandelnden Texturen. Nach seiner intensiven Arbeit im Studio für elektronische Musik des WDR in Köln in den 1950er und der Entwicklung der Mikropolyphonie in den 1960er Jahren wurde sein Personalstil in den 70ern einfacher und transparenter. Und wie um sich vorherrschenden musikalischen Tendenzen zu entziehen, waren auch wieder tonale Klänge zu hören. Sein einziges abendfüllendes Bühnenwerk Le Grand Macabre ist vom absurden Theater inspiriert und strotzt vor operettenhaftem Schalk und schwarzem Humor. Der Komponist wollte dem Publikum wieder zugänglich werden: „Bühnengeschehen und Musik sollten gefährlich-bizarr, ganz übertrieben, ganz verrückt sein.” Ligetis Leben und Werk sind eng verbunden mit Hamburg: In den sechziger Jahren wurden seine Kompositionen Aventures (1963) und Nouvelle Aventures (1966) in Hamburg konzertant uraufgeführt. Von 1973-1989 war er Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und hat damit das Hamburger Musikleben entscheidend mitgeprägt. 1975 wurde er vom Senat mit dem Bach-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg ausgezeichnet. Das häufig als Hauptwerk seiner zweiten Schaffenshälfte apostrophierte Le grand macabre erlebte an der Hamburgischen Staatsoper seine deutsche Erstaufführung 1978. Auch sein Trio für Violine, Horn und Klavier wurde 1982 in Bergedorf uraufgeführt. 1988 erhielt er auf Vorschlag des musikwissenschaftlichen Instituts einen Ehrendoktor der Universität. Ligeti hat hier ehrenamtlich Vorlesungen über Volksmusik aus Osteuropa abgehalten. Im selben Jahr ernannte ihn die Hamburger Musikhochschule zum Ehrensenator. Anlässlich seines 80. Geburtstags erhielt er 2003 vom Hamburger Senat die Medaille für Kunst und Wissenschaft, die höchste kulturelle Auszeichnung der Stadt.

Biographie Diskographie [35] Texte [3] Werke [75]

Biographie

1923
geboren am 28. Mai im siebenbürgischen Dicsöszentmárton (heute Tîrnaveni) als Sohn ungarischer Eltern
1941
Abitur in Klausenburg
1941-43
Kompositionsunterricht bei Ferenc Farkas am Konservatorium in Klausenburg; 1942/43 Privatunterricht in Budapest bei Pál Kadosa; anschließend Einweisung durch die Nationalsozialisten in ein Arbeitslager
1945-49
Studium an der Budapester Musikhochschule bei Sándor Veress, Pál Járdány und Ferenc Farkas
1950-56
Lehrtätigkeit an der Budapester Musikhochschule
1956
Flucht nach Österreich nach dem ungarischen Aufstand; Bekanntschaft mit den Schlüsselfiguren der westeuropäischen Avantgarde: Karlheinz Stockhausen, Gottfried Michael König und Herbert Eimert.
1957/58
freier Mitarbeiter im Studio für elektronische Musik des WDR Köln auf Einladung von Herbert Eimert; Orchesterwerk „Apparition", dessen Uraufführung 1960 bei der ISCM in Köln Ligeti endgültig als herausragenden Komponisten etablierte
1959-69
lebt in Wien; ab 1959 Lehrtätigkeit bei den Internationalen Ferienkursen in Darmstadt;
ab 1961
Gastprofessur in Stockholm; Kompositionskurse in Madrid, Bilthoven, Jyväskylä (Finnland), Essen, Tanglewood, Siena etc.; „Atmosphères" erscheint
1962
„Aventures"
1962-1965
„Nouvelles aventures"
1963-65
„Requiem"
1963-66
„Lux aeterna"
1963-67
Beethoven-Preis Bonn für „Requiem"
1968-69
„Ramifications"
1971
„Melodien"
1975
Bach-Preis der Stadt Hamburg
1969-73
lebt in Berlin und Wien
1972/73
Composer-in-Residence an der Stanford University
1973
Berufung als Professor für Komposition an die Staatliche Hochschule für Musik in Hamburg (bis 1989), wo er seitdem hauptsächlich lebt. Mitglied bzw. Ehrenmitglied zahlreicher Akademien der Künste in Amerika und Europa, Träger zahlreicher internationaler Preise (,1991, 1993 etc.). Zahlreiche Texte und Veröffentlichungen.
1986
Grawemeyer Award for Music Composition
1991
Praemium Imperiale Tokio
1992
Ernst-von Siemens-Musikpreis
2000
Sibelius-Preis der Jenny und Antti Wihuri-Stiftung Helsinki
2001
Kyoto-Preis für Kunst und Wissenschaft für sein Gesamtwerk
2004
Am 24.05.2004 erhält Ligeti in Stockholm aus den Händen von König Karl Gustav den "Polar Music Prize".
2006
Am 12. Juni 2006 stirbt der Komponist, der seit langem an einen schweren Krankheit litt, in Wien. Literatur: Wolfgang Burde: György Ligeti - Eine Monographie (Atlantis Musikbuch).

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