Die US-amerikanische Sängerin Marilyn Horne zählt zu den bedeutendsten Belcanto-Interpretinnen des 20. Jahrhunderts. Sie wurde am 16. Januar 1934 in Bradford, Pennsylvania, geboren. Ihr Vater, ein semiprofessioneller Tenor, förderte ihren Gesang von klein auf. Später zog die Familie nach Kalifornien. Marilyn erhielt ein Stipendium der Universität von Südkalifornien und wurde dort von William Vennard unterrichtet, der auch ihre Gesangskarriere beförderte. Sie nahm auch an Meisterklassen bei Lotte Lemann teil. 1953 unternahm Marilyn mit dem Robert Wagner-Chor eine Europa-Tournee. Robert Craft, ein US-amerikanischer Dirigent und Musikwissenschaftler, ab 1948 und bis zu dessen Tod auch Sekretär und Assistent von Igor Strawinsky, erkannte ihre Begabung und veranstaltete mit ihr Konzerte mit alter und zeitgenössischer Musik. 1954 übernahm sie in dem Tonfilm Carmen Jones „hinter den Kulissen“ die Gesangsstimme für Dorothy Dandridge. Im selben Jahr debütierte sie an der Oper von Los Angeles als Agnes in Smetanas Prodoná nevěsta (Die verkaufte Braut). 1957 ging Marilyn Horne nach Deutschland und war dort drei Jahre lang festes Ensemblemitglied der Oper in Gelsenkirchen. Größere Aufmerksamkeit erregte sie 1960 bei der Eröffnung des neuen Hauses als Marie in Alban Bergs Wozzeck. Als Einspringerin für eine erkrankte Sängerin gab sie im selben Jahr in dieser Rolle an der Oper von San Francisco ihr Debüt. Bei einer Aufführung von Bellinis Beatrice di Tenda 1961 unter der Leitung von Richard Bonynge lernte sie dessen Ehefrau Joan Sutherland kennen. Aus dieser Begegnung entwickelte sich das bedeutendste Frauenstimmen-Duo seit Adelina Patti/Emma Albani. 1960 heiratete Marilyn den Dirigenten Henry Lewis, mit dem sie bis 1979 verheiratet war. 1964 gab sie ihr Debüt am Covent Garden in London als Marie im Wozzeck. Die Titelpartie in Lucrezia Borgia (Donizetti) an der American Opera Society in New York ein Jahr später musste sie während ihrer Schwangerschaft absagen. Das war die Gelegenheit für eine damals noch unbekannte Einspringerin, die diese Chance für sich nutzen konnte und über Nacht berühmt wurde: Montserrat Caballé. 1969 folgte Marilyns Debüt an der Mailänder Scala als Jokaste in Strawinskys Ödipus Rex und 1970 das Debüt an der New Yorker Met als Adalgisa in Bellinis Norma. Begonnen hatte Marilyn Horne ihre Karriere als Sopran, in der Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann, mit Joan Sutherland und Richard Bonynge entdeckte und entwickelte sie ab den 1960er Jahren ihr wirkliches Stimmfach als Koloratur-Alt oder Koloratur-Mezzosopran und begründete ihre bedeutende Karriere mit Koloraturpartien in Opern von Gioachino Rossini und Georg Friedrich Händel. Sie sang an allen großen Opernhäusern der Welt und gilt bis heute als eine der besten Rossini-Interpretinnen. Ihren letzten öffentlichen Auftritt gab Marilyn Horne zu ihrem 66. Geburtstag in der Carnegie-Hall. 1995 erhielt sie den Ordre des Arts et des Lettres als Komtur, seit 2009 ist sie Mitglied der American Academy of Arts and Sciences. In zweiter Ehe war sie mit dem griechischen Bassisten Nicola Zaccaria verheiratet. Ihr Wirken ist auf zehlreichen Platteneinspielungen bei Decca und RCA gut dokumentiert, darunter eine Gesamtaufnahme von Bellinis Norma mit Joan Sutherland als Gesangspartnerin.
»Marilyn Horne: Biographie und Einspielungen«
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