Der belgische Violinist und Gambist Sigiswald Kuijken zählt zu den Pionieren der Bewegung zur Wiederbelebung historischer Aufführungs- und Spielpraktiken auf historischen oder nachgebauten Instrumenten. Bereits im Alter von sieben Jahren war er mit Instrumenten aus der Renaissancezeit in Berührung gekommen, die eine unglaubliche Faszination auf ihn ausübten, welche ihn sein Leben lang begleitete und antrieb. Kuijken wurde am 16. Februar 1944 in Dilbeek bei Brüssel geboren. Seine musikalische Ausbildung an den Konservatorien in Brügge und Brüssel schloss er 1964 mit einem Diplom ab. Mit seinen Brüdern Wieland (Gambe) und Barthold (Traversflöte) musizierte er schon von 1960 bis 1971 im von Pierre Bartholomée gegründeten Ensemble Musiques Nouvelles. Zusammen mit diesen und seiner Frau Marleen Thiers kann man heute scherzhaft von der „Kuijken-Dynastie“ in der Alte Musik-Szene sprechen, die inzwischen in zweiter Generation von Marie, Piet und Sara Kuijken fortgeführt wird. Das 1986 gegründete Kuijken Quartet bot dabei neben den reinen Familienmitgliedern auch anderen Instrumentalisten eine musikalische Plattform in der Alte Musik-Szene. Sowohl Wieland als auch Sigiswald erarbeiteten sich das Gambenspiel autodidaktisch. Dabei erforschten sie für sich alte Spieltechniken auf historischen Instrumenten. So begann Sigiswald ab 1968, die Barockgeige ohne die bisherige Stütze mit Kinnhalter zu spielen, indem er das Instrument direkt auf die Schulter auflegte. Außerdem ließ er ein „Violoncello da spalla“ nach historischen Beschreibungen und Abbildungen nachbauen, das er 2004 bei Bachs Brandenburgischen Konzerten einsetzte. Bereits mit 18 Jahren spielte Sigiswald Kuijken im Ensemble Pro Musica Antiqua mit. 1972 gründete sich das Ensemble La Petite Bande unter seiner Leitung, veranlasst durch Gustav Leonhardt, der Sigiswald Kuijken gebeten hatte, für die Aufnahme der Oper Bourgeois Gentilhomme von Jean-Baptiste Lully bei Deutsche Harmonia Mundi ein Ensemble auf Originalinstrumenten zusammenzustellen. Das Ensemble entwickelte sich unter seiner Leitung zu einem der bis heute führenden Alte Musik-Ensembles. Die Diskographie des Ensembles seit 1973 hauptäschlich bei Deutsche Harmonia Mundi, aber auch bei Virgin Classics, Denon und anderen Labels ist schier unerschöpflich. Nach 2010 übergab Kuijken dann die Leitung nach und nach an geeignete Nachwuchskünstler. Von 1971 bis 1996 war Kuijken Professor für Barockgeige am Koninklijk Conservatorium Den Haag, von 1993 bis zu seiner Pensionierung 2009 vermittelte er den Studierenden am Königlichen Konservatorium in Brüssel seine theoretischen und praktischen Erkenntnisse zur historischen Spielweise der Barockgeige. Daneben war er als Gastprofessor auch an anderen europäischen Unterrichtsstätten tätig, so am Londoner Royal College of Music, an der Universität Salamanca, an der Accademia Musicale Chigiana, am Conservatoire de musique de Genève und an der Musikhochschule Leipzig. Für seine außergewöhnliche didaktische und musikalische Leistung wurde Sigiswald Kuijken am 2. Februar 2007 die Ehrendoktorwürde der Katholieke Universiteit Leuven verliehen. Im Februar 2009 erhielt er den mit 20.000 Euro dotierten Kulturpreis der Flämischen Gemeinschaft.
»Sigiswald Kuijken: Biographie und Einspielungen«
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