Nach dem Tod Henry Purcells ist es still um die englische Musik geworden. Fast zweihundert Jahre hat es gedauert, bis ein Komponist sie aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt hat. Dieser Komponist war Sir Charles Hubert Parry, der vor 170 Jahren, am 27. Februar 1848 in Bournemouth geboren wurde. Parry wuchs in einer wohlhabenden Familie der englischen Oberschicht auf. Sein Großvater war Direktor der East India Company. Daher genoss Charles Hubert eine Ausbildung an den besten Schulen des Landes, dem Eton College, an der St. George's Chapel in Windsor und noch während seiner Schulzeit erhielt er den Bachelor für Musik in Oxford. Nicht nur auf Drängen seines Vaters arbeitete er nach dem Studium zunächst bei der Londoner Versicherung Lloyd's of London, sondern auch weil seine Frau Maude, die er nach dem Schulabschluss geheiratet hatte, sehr kränklich war und mehrere Kuraufenthalte im Ausland benötigte. So konnte er den Lebensunterhalt sichern, allerdings behinderte dies sein Fortkommen als Komponist sehr. In den 1870er und 80er Jahren verfasste er Beiträge zu George Groves Dictionary of Music and Musicians, 1883 wurde er Professor für Komposition und Musikgeschichte am Royal College of Music in London, das von George Grove geleitet wurde. 1895 wurde Parry Groves Nachfolger in dieser Position, die er bis zu seinem Lebensende innehatte. 1900 übernahm Parry zusätzlich eine Professur an der Universität von Oxford. Er veröffentlichte zahlreiche musikwissenschaftliche Bücher, u.a. Studies of Great Composers (1886), Style in Musical Art (1900), einen Band über die Musik des 17. Jahrhunderts innerhalb der Oxford History of Music (1902) sowie eine Bach-Biographie (1909). Nachdem er schon zuvor als Komponist in Erscheinung getreten war, konnte Parry 1887 mit der Ode für Chor und Orchester Blest Pair of Sirens seinen Ruf als einer der führenden Komponisten Englands festigen. Einen Großteil seines Schaffens bilden Chorwerke, die für die englischen Chormusik-Festivals entstanden wie die Oratorien Judith (1888), Job (1892) und King Soul (1894). Große Popularität erreichte das 1916 komponierte Chorlied Jerusalem nach William Blake, das ähnlich wie Elgars Land of Hope and Glory zu einer Art zweiter Nationalhymne wurde. Parry hinterließ aber auch fünf Sinfonien, Symphonic Variations (1897) und eine Elegy for Brahms (1897). Seine beträchtlichen akademischen Verpflichtungen hinderten Parry jedoch daran, sich stärker dem Komponieren zu widmen. Dennoch wurde er von vielen Zeitgenossen als der bedeutendste englische Komponist seit Henry Purcell angesehen. Zu seinen Studenten am Royal College zählen Ralph Vaughan Williams, Gustav Holst, Frank Bridge und John Ireland. Charles Hubert Parry wurde 1898 in den Adelsstand erhoben. Er starb am 7. Oktober 1918 in Knight's Croft, Rustington, Sussex.
»Charles Hubert Hastings Parry: Biographie und Einspielungen«
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