Antonio Vivaldi
Concerti per fagotto
Miho Fukui • Ensemble F
Ars Produktion ARS38 379
1 CD/SACD stereo/surround • 69min • 2025
28.04.2026
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Klassik Heute
Empfehlung
Im Barock waren Multi-Instrumentalisten eher die Regel, denn die Ausnahme. So wurden Blockflöte, Oboe und Traverso häufig demselben Spieler in einer kombinierten Stimme zugewiesen. Dass jedoch heutzutage eine Solistin wie die Japanerin Miho Fukui sowohl das Barockfagott als auch die Barockoboe hochvirtuos und hochmusikalisch beherrscht, muss als alleinstellendes Ausnahmemerkmal gewertet werden. Selbst wenn man – wie ich – kein Verehrer Vivaldis ist, lauscht man ihren Aufnahmen mit wachsender Begeisterung.
Vivaldi und die doppelten Rohrblätter
Nach Violine und Violoncello steht das Fagott mit 39 Werken an dritter Stelle der Soloinstrumente in Vivaldis Konzertschafften. Die Oboe nimmt mit 18 Werken den vierten Platz ein. Über die Prominenz des um 1700 bereits eher unpopulären Bassinstruments, das in seiner Vorform als Dulzian eine prominente Rolle in der Instrumentalmusik des 17. Jahrhunders spielte, wurde schon früh gerätselt. Eine mögliche Lösung könnte in der Person von Ignazio Sieber liegen, der 1713-1716 und wiederum von 1728-1757 am Ospedale della Pietà Blockflöte, Traversflöte und Oboe unterrichtete und somit 1713-1716 und 1735-38 direkter Kollege von Vivaldi war. Er ist zwar als Fagottist nicht belegt, jedoch sind zu dieser Zeit Multi-Instrumentalisten üblich. Zudem war das Fagott das Standardinstrument für die Basslinie, wenn Oboen oder andere Holzbläser beteiligt waren. So kann man annehmen, dass Sieber seine Schülerinnen auf dem Fagott begleitete. Hinzu kommt, dass die Griffweise des Barockfagotts oberhalb des großen F mit der der Altlockflöte identisch ist und dass Sieber – wie seine anspruchsvollen 6 Sonaten für Blockflöte belegen – jenes Instrument virtuos beherrschte. Ob auch die 18 Oboenkonzerte Vivaldis für Sieber und seine Elevinnen entstanden, bedarf noch der Untersuchung.
Wenn man die Anforderungen in den 6 Triosonaten für zwei Oboen und Fagott von Jan Dismas Zelenka zugrunde legt, muss auch das Pult des ersten Fagottisten in Dresden brillant besetzt gewesen sein. Dorthin bestanden ja über den Vivaldi-Schüler Johann Georg Pisendel enge Kontakte, sodass es wohl auch hier Abnehmer gegeben hätte. Johann Gottfried Böhme, der von 1715-1752 diese Position einnahm, könnte womöglich in Frage kommen. Allerdings besteht hierfür kein archivarischer Beleg in Form von Abschriften.
Brillante und erzmusikalische Interpretation
Miho Fukui uns ihr Ensemble F, das aus dem Quartetto Classico, einem auf historischen Instrumenten musizierenden Streichquartett und einer mit Violone, Theorbe und Cembalo besetzen Continuo-Gruppe besteht, legen in dieser Aufnahme Referenzeinspielungen vor. Sinniger phrasiert und geschmackvoller ornamentiert, lässt sich diese Musik nicht spielen. Lebendiger und zielgerichteter habe ich Vivaldis stereotype Akkordfigurationen, die eher geigerisch, denn bläserisch sind, bisher nicht gehört. Wenn man sich hier die entsprechenden Höhepunkte auswählt und mit feiner Agogik auf diese Höhepunkte zuspielt, entsteht ein Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Miho Fukuis Verzierungen sind durchaus virtuos, bilden jedoch immer eine perfekte Linie und wirken deshalb durchweg als Schmuck und nie als eitel-geistlose Demonstration flinker Finger. Einer der seltenen Fälle, in denen echte Virtuosität die erforderliche Virtuosität verbirgt.
Das solistisch besetzte Ensemble reagiert mit extremer Wachheit und Sensibilität auf das Spiel der Solistin.
Die Aufnahmetechnik ist perfekt geraten, ebenso das äußerst informative Booklet.
Fazit: Miho Fukui gelingt es souverän, die bisherige Referenzeinspielung von Sergio Azzolini abzulösen. Mir hat sie Vergnügen bereitet – trotz einer gewissen Vivaldi-Allergie auch die vorherigen Volumina anzuhören. Deshalb definitiv empfohlen und für die Jahresliste vorgemerkt!
Thomas Baack [28.04.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Antonio Vivaldi | ||
| 1 | Concerto Es-Dur RV 483 für Fagott, Streicher und B.c. | 00:07:50 |
| 4 | Concerto C-Dur RV 471 für Fagott, Streicher und B.c. | 00:10:40 |
| 7 | Concerto g-Moll RV 496 für Fagott, Streicher und B.c. | 00:11:28 |
| 10 | Sinfonia C-Dur RV 693 (aus der Serenata La Senna festeggiante) | 00:06:30 |
| 13 | Concerto e-Moll RV 484 für Fagott, Streicher und Basso continuo | 00:11:13 |
| 16 | Concerto a-Moll RV 463 für Fagott, Streicher und Basso continuo | 00:10:13 |
| 19 | Concerto F-Dur RV 490 für Fagott, Streicher und Basso continuo | 00:10:56 |
Interpreten der Einspielung
- Miho Fukui (Fagott, Oboe)
- Ensemble F (Ensemble)
