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CD-Besprechung zum Thema
Trauer / Tod

cpo 999 708-2

1 CD • 72min • 1999

01.08.2000

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Abgesehen von einer derzeit nicht erhältlichen Einspielung mit Dietrich Fischer-Dieskau aus den 70er Jahren entging das Liedschaffen von Carl Philipp Emmanuel Bach der Entdeckerlust, mit der in den letzten Jahren auch Randbereiche der Alten Musik ausgeforscht wurden. Erst kürzlich machten sich Klaus Mertens und Ludger Rémy an eine systematische Aufarbeitung der Lieder des "Hamburger Bach", deren zweite Folge hier zur Besprechung vorliegt. Wie durch glückliche Fügung erschien ebenfalls eine CD mit einem breit gefächerten Liedprogramm von C.Ph.E. Bach und seines Bruders Christoph Friedrich, der am Bückeburger Hof wirkte - das CD-Angebot wird also gleich um zwei interessante Veröffentlichungen mit Musik der Vorklassik reicher.

Philipp Emmanuel Bach gehört zu den wichtigsten theoretischen und praktischen Pionieren des empfindsamen Stils, der mit der künstlerischen Emanzipation des empfindenden Individuums die Revolution des Sturm und Drangs vorbereitete: Das fühlende Individuum wird zum Gegenstand kreativer Gestaltung. Diese Subjektivierung des künstlerischen Schaffensvorgangs wird auch auf der Ebene von Interpreten und Zuhörern gleichzeitig im Nachvollzug der Gestaltung individualisiert: nicht nur der schöpferische, auch der Deutende und Hörende erhält eine subjektive Würde und Verantwortung. Dieser Vorgang ergreift auch die religiöse Sphäre, intellektuell-distanzierte Betrachtung der Glaubenswelt ist dem 18. Jahrhundert fremd, sie ist Ausdruck späterer Zeiten. Dennoch entstehen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die kulturellen Koordinaten des folgenden Jahrhunderts, und Philipp Emmanuel Bach kommt in der Musik dieselbe Bedeutung zu wie Lessing in der Literatur. Der 18 Jahre jüngere Bruder Christoph Friedrich steht deutlich unter dem Einfluß seines älteren Bruders; er konnte überdies im heute provinziellen Bückeburg an einem hochkarätigen Geistesleben teilnehmen, so stand er in engem Kontakt mit dem ebenfalls dort tätigen Herder.

Bot Fischer-Dieskau dereinst eine höchst manierierte Lesart der Lieder des "Hamburger Bach", so kennzeichnet die vorliegenden Einspielungen eine hohe Sensibilität für den emotionalen Reichtum dieser empfindsamen Kunstwerke. Dabei zeigen Klaus Mertens und Ludger Rémy noch mehr Innerlichkeit als Gotthold Schwarz und Sabine Bauer, die ihrerseits mit einigen weltlichen Liedern anregende Beispiele der Alltagskultur dieser Zeit bieten.

Detmar Huchting [01.08.2000]

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