Am 14. April 1943 wurde der Dirigent Jeffrey Tate im englischen Salisbury geboren. Er studierte zunächst Medizin am Christ’s College in Cambridge, wo er sich auf Augenchirurgie spezialisierte. 1969, nach dem Ende dieses Studiums, beschloss er, sich seiner großen Leidenschaft, der Musik, zu widmen und ging zurück an die Universität. Tates musikalische Karriere begann als Korrepetitor an der Londoner Royal Opera in Covent Garden, dort lernte er auch Koryphäen wie Sir Georg Solti, Colin Davis oder Carlos Kleiber kennen; Herbert von Karajan verpflichtete ihn als Assistenten für die Salzburger Festspiele, James Levine an die New Yorker Metropolitan Opera. Wenige Jahre später ging Tate als Assistent von Pierre Boulez nach Bayreuth, um 1976 bei der Realisierung des legendären Chéreau-Rings mitzuwirken. Diese Aufgabe war das Fundament für eine beispielhafte internationale Karriere. 1978 präsentierte er sich mit einer Carmen in Göteborg, eine Aufgabe, für die er sich aus seiner Assistenz am Kölner Opernhaus heraus bewarb. Schon ein Jahr später absolvierte Tate sein US-Debüt an der Met mit Bergs Lulu. Drei Stunden vor Vorstellungsbeginn hatte er zugesagt, für Levine einzuspringen – als alles vorbei war, wurde er mit Standing Ovations belohnt, nicht nur vom Publikum, auch vom Orchester. Tate profilierte sich in den folgenden Jahrzehnten mit einem spektakulär umfangreichen Repertoire – von Mozart über Wagner bis zu Nono – und gastierte regelmäßig bei allen wichtigen Orchestern der Welt. 1985 wurde Jeffrey Tate zum ersten Chefdirigenten des English Chamber Orchestra ernannt und dirigierte bei den Salzburger Festspielen die Uraufführung der Henze-Bearbeitung von Monteverdis Il ritorno d'Ulisse in patria. Sein Renommee bestätigte er auch mit Ring-Produktionen in Paris – diese Tetralogie war die erste Neuinszenierung dort seit Ende des Zweiten Weltkriegs – und Köln. Der Pariser Ring wurde als erste Ring-Produktion in der Geschichte des Kontinents von der Australian Opera in Adelaide übernommen. In Paris dirigierte Tate unter anderem Klassiker der Moderne wie Bergs Lulu, Brittens Peter Grimes sowie Weills Mahagonny, an der Mailänder Scala wurde er für Strauss' Rosenkavalier und Wagners Tannhäuser gefeiert. 1987 dirigierte er in Genf die Uraufführung von Rolf Liebermanns Oper Der Wald, 2000 beeindruckte er in Köln mit einer neuen Sichtweise auf Nonos Intolleranza. Von 1991 bis 1995 leitete Tate das Rotterdam Philharmonic Orchestra, ab 2005 war er musikalischer Leiter des Teatro San Carlo in Neapel. Dort realisierte er unter anderem Neuproduktionen von Mozarts Figaro, Wagners Walküre, Humperdincks Hänsel und Gretel (2002 mit dem italienischen Musikkritiker-Preis „Franco Abbiati“ ausgezeichnet) oder Bernsteins Candide. Tate wurden die Titel eines „Chevalier de la Legion d'Honneur“, eines „Chevalier des Arts et Lettres“ sowie eines „Commander of the British Empire“ verliehen. Seit 2009 hat Sir Jeffrey Tate als Chefdirigent der Symphoniker Hamburg das Musikleben in der Stadt maßgeblich mitgeprägt. Sein spätes Debüt am Pult der Wiener Staatsoper gab er zu Beginn der zweiten von Dominique Meyer als Direktor verantworteten Spielzeit, nämlich am 7. September 2011 mit Ariadne auf Naxos. 2013 folgten Vorstellungen von Der Rosenkavalier und 2014 der komplette Ring des Nibelungen. Sein 15. und zugleich letztes Dirigat am Haus in Hamburg war die Götterdämmerung am 8. Juni 2014 – den zweiten geplanten Ring-Zyklus musste er aus Krankheitsgründen absagen. Am 2. Juni 2017 ist Sir Jeffrey Tate in Italien einem Herzinfarkt erlegen. Er hätte nun seinen 75. Geburtstag gefeiert.
»Jeffrey Tate: Biographie und Einspielungen«
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