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CD-Besprechung

José van Dam

30 years at la monnaie/de munt

José van Dam

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 5

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 30.08.10

Cyprés CYP8603

2 CD • 14min • 1981-2002

Im Jahr 2010 hat José van Dam seinen Bühnenabschied genommen – im Alter von siebzig Jahren, als Titelfigur in Massenets Oper Don Quichotte. Und selbstverständlich in seinem Stammhaus, dem Brüsseler Théâtre de la Monnaie. Die TV-Übertragung im Mai (bei Arte) bewies eindrucksvoll, dass der Künstler sein Kapital vorbildlich bewirtschaftet hat. Die Stimme klang stark und rein wie eh und je – und dies nach mehr als vierzig anstrengenden Sängerjahren, fast immer in der ersten Reihe, im großen, schweren Fach. Das muss mit großer Hochachtung anerkannt werden. Die Brüsseler Aufführung bestätigte aber auch noch etwas anderes: ein großer Menschengestalter wie einst Schaljapin (der Massenets schwächlicher Oper zum Leben verholfen hat) ist van Dam nie gewesen. So makellos der Gesang dieses vokalen Perfektionisten auch dahinströmte, voll ausgeglichen in den Lagen, immer sonor, immer gerundet, immer mustergültig – es gab doch oftmals ein Defizit an Empfindung, an Wärme, an Ausdrucksfülle. Kein Wunder, dass es ausgerechnet Herbert von Karajan war, der diesen Sänger in so hohem Maß bevorzugte. Das waren verwandte Naturen.

Zu Ehren seiner dreißigjährigen Zugehörigkeit zum Brüsseler Stammhaus wurde jetzt ein Querschnitt von seinem dortigen Wirken veröffentlicht, Fragmente aus nicht weniger als dreizehn Opern, alles direkt von der Bühne geholt: deutsch, russisch, französisch, italienisch. Kenner der oft ziemlich matten und passiven Studio-Aufnahmen van Dams werden über viele Momente von Emotion und Leidenschaft erstaunt sein. Möglich, dass es das Heimatgefühl war, das Singen und Spielen für „sein" Publikum – jedenfalls erlebt man den Künstler hier mehrmals mit ganz ungewohnter, gesteigerter Dramatik. Sein Vortrag der Philipp-Arie aus Don Carlo ist ein richtiger Höhepunkt, auch wenn deutlich wird, dass die tiefen Baßrollen außerhalb seiner stimmlichen Region lagen (erinnerlich der kuriose Einfall Karajans, van Dam für eine Tonaufnahme als Sarastro einzusetzen). Voll in seinem musikalischen Herrschaftsgebiet erlebt man den Sänger als Golaud in Debussyís Pelléas et Mélisande, wahrscheinlich eine seiner stärksten Bühnenleistungen überhaupt. Einen Wandel der Individualität, wie dies bei Vergleichsaufnahmen anderer Sänger vorkommen kann, gibt es bei José van Dam nicht, er war von Anfang bis Ende immer derselbe. Die Ausschnitte bezeugen und erhärten ein unumstößliches Faktum: dass José van Dam einer der wichtigsten Gesangskünstler seiner Epoche war. Einer Epoche, die er mitgeprägt hat.

Die Tonqualität der Aufnahmen ist ziemlich schwankend, der Klang oft eng und spitz, von Publikumsgeräuschen durchmengt. Auch wirken die Ausschnitte manchmal etwas lieblos aus dem Corpus herausgehackt. Die Klage des Amfortas aus Parsifal endet mit dem Choreinsatz „Durch Mitleid wissend" . Zu hören ist einzig „Durch Mit –." Solche Pannen sollten besser nicht vorkommen. Die ausführliche Hommage für den Sänger erscheint im Begleitheft auf englisch, niederländisch und französisch. Deutscher Text fehlt – was gerade bei einem Sänger, der so viel „in deutschen Landen" gewirkt und viele deutsche Opernpartien gesungen hat, etwas seltsam anmutet.

Clemens Höslinger [30.08.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Wagner Die Frist ist um (1. Aufzug, Monolog des Holländers - aus: Der fliegende Holländer) 00:11:39
2 Nein! Laßt ihn unenthüllt! (aus: Parsifal) 00:08:09
3 Was duftet doch der Flieder (2. Aufzug, Monolog des Hans Sachs - aus: Die Meistersinger von Nürnberg) 00:06:50
4 Wahn, Wahn, überall Wahn (Monolog des Hans Sachs, 3. Akt - aus: Die Meistersinger von Nürnberg) 00:08:05
5 R. Strauss Wo ist er, dessen Sündenbecher jetzt voll ist? (aus: Salome) 00:22:56
6 M. Mussorgsky Boris Godunow (Coronation scene, Boris' death scene) 00:14:22
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Verdi Ella giammai m'amo (Monolog des König Philipp, 3. Akt - aus: ) 00:10:51
2 Il Grande Inquisitor! (3. Akt, Lerma, L’Inquisitore, Filippo, Elisabetta, Eboli, Rodrigo - aus: Don Carlo) 00:09:11
3 Plebe! Patrizi! Popolo! (1. Akt: Simon Boccanegra, Coro, Amelia, Gabriele Adorno, Fiesco, Pietro, Paolo - aus: Simon Boccanegra) 00:09:48
4 L' onore! Ladri (aus: Falstaff) 00:04:29
5 Ehi! Taverniere! (aus: Falstaff) 00:07:33
6 W.A. Mozart Deh, vieni alla finestra (3. Akt: Don Giovanni) 00:02:23
7 La ci darem la mano (Duett Don Giovanni-Zerlina, 1. Akt - aus: Don Giovanni KV 527) 00:03:43
8 G. Rossini Credete alle femmine (aus: Il turco in Italia) 00:06:23
9 C. Debussy Pelléas part ce soir (aus: Pelléas et Mélisande) 00:06:44
10 H. Berlioz Une puce gentile (aus: La Damnation de Faust op. 24) 00:01:43
11 J. Offenbach Scintille, diamant! (aus: Les contes d'Hoffmann) 00:04:15

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
José van Dam Bariton
Catherine Malfitano Sopran
Scot Weir Tenor
Jules Bastin Bass
Arnaud Dufrasne Tenor
Nancy Gustafson Sopran
Carlos Krause Bass
William Stone Bariton
Alberto Cupido Tenor
David Pittsinger Bariton
Joanna Kozlowska Sopran
Tiziana Fabbricini Sopran
Juanita Lascarro Sopran
Donald McIntyre Bariton
Choeurs de la Monnaie Chor
Orchestre Symphonique de la Monnaie Orchester
Sylvain Cambreling Dirigent
John Pritchard Dirigent
Antonio Pappano Dirigent
Michael Schønwandt Dirigent
Iván Fischer Dirigent
George Benjamin Dirigent
 
CYP8603;5412217086039

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