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CD-Besprechung

chamber orchestra of europe 25th anniversary

chamber orchestra of europe<br />25th anniversary

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 13.06.06

Warner Classics 2564 63067-2

3 CD • 3h 46min • 1991, 1993

Ein Gutes hat die Box zum 25jährigen Jubiläum des Chamber Orchestra of Europe und zum 250. Geburtstag des Salzburger Wunderkinds in jedem Fall: Endlich ärgere ich mich nicht mehr über die ganzen Beilagen, die mit vernehmlichem Plumps unseren Tageszeitungen entquellen, weil ich verstanden habe, daß es sich dabei nicht um Reklame, sondern um Bonus-Material handelt – zumindest muß ich das so auffassen, nachdem die vorliegende Warner-Box eine „Bonus-CD“ enthält, die sich sogleich als ein reiner Katalogquerschnitt der COE-Diskographie herausstellt und von Beethovens Ouvertüre zu Die Ruinen von Athen bis zu Waltons Tod des Falstaff reicht. Keine Probenmitschnitte, keine Erläuterungen, kein Gespräch etwa mit dem Dirigenten oder seinen Musikern ... Da ist es leicht, die Gesamtspielzeit mit 226.02 Minuten anzugeben.

Dies mit allen Anzeichen dauerhafter Erleuchtung bemerkt habend, wende ich mich dem eigentlichen Inhalt des Kartons, mithin den beiden CDs zu, die sich als „bleibende” Erscheinungen des Mozart-Jahres herausstellen werden, weil es Dirigent und Orchester tatsächlich gelungen ist, die letzten vier großen Orchesterwerke Mozarts rundum neu zu betrachten, ohne daß dabei der Eindruck entstanden wäre, diese Runderneuerung sei mit gewaltigsten körperlichen und geistigen Anstrengungen bei krampfartig erhobenem Zeigefinger zu erkämpfen gewesen.

Nein, es wird ganz auffallend natürlich und doch so ungewohnt musiziert, daß es schwerfällt, das besondere der Einspielungen auch nur schlagwortartig mitzuteilen. Zunächst: Harnoncourt beachtet offenbar sämtliche Wiederholungen, also auch die der Durchführungen und Reprisen, wodurch er auf geradezu „absurde” Spieldauern von bis zu 40 Minuten (Jupiter-Sinfonie) kommt, indessen er jedem einzelnen Werk ein ganz individuelles Profil verleiht. Da folgt beispielsweise dem Kopfsatz (19'15) der Prager eine zweite Abteilung von fast exakt derselben Länge (10'47 und 8'07), während in der g-Moll-Sinfonie das Andante und das Finale mit 13'11 bzw. 10'31 zu den musikalischen Hauptereignissen werden – doch da diese Zeiten eben nicht durch bedeutungsvoll aufgeblähte Tempi erreicht werden, ist es auch nicht nötig, mit „Getös und Lerm” Spannung zu erzeugen: Das tun die bewunderungswürdig ausmodellierten Innenstimmen, die sorgfältigst gestalteten Motive und Motivverbindungen und die ebenso unmanierierten wie unverwechselbaren Valeurs wie von selbst. Gewiß verschenkt Harnoncourt keine Vorgaben (erstaunlich weitet er etwa die Extreme im Hauptthema des g-Moll-Finales) und keine Durchführungsnuancen; die deutlich ausgeleuchteten Schichtungen der Linien und Klangebenen könnte man vielleicht als überzeichnet, und die zwischen den Zeilen sich verbergenden Beethoven-Vorahnungen als gesucht empfinden – wenn nicht alles so wunderbar selbstverständlich und überzeugend vorgetragen würde.

Da drängt sich sogleich der Vergleich mit den sechs Pariser Symphonien von Joseph Haydn auf, die Harnoncourt und der Concentus Musicus im vergangenen Jahr bei BMG veröffentlicht haben. Woran diese Produktion krankte, waren einerseits das unvermittelte Zusammentreffen wirklich geistreichen Humors und aufgesetzter Fröhlichkeiten, andererseits das zwar sachkundig, nicht aber immer behutsam geführte Skalpell des Anatomen. Von all dem ist bei diesen Mozart-Einspielungen nichts zu spüren. Hier geht zusammen, was zusammengehört. Und da obendrein trotz des Hinweises, daß es sich um Live-Mitschnitte handelt, von ein oder zwei dezenten Räusperern auf den beiden CDs praktisch nichts zu spüren ist, kann ich die Veröffentlichung nur empfehlen. Nicht begreifen will ich freilich, daß der Werkkommentar auch nicht im entferntesten an die musikalischen Qualitäten heranreicht, sondern sich auf bekannt-redundantem Nullacht-Fuffzehn-Niveau bewegt: Da wäre einiges mehr an Entdeckungen zu verbalisieren gewesen.

Rasmus van Rijn [13.06.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 W.A. Mozart Sinfonie Nr. 38 D-Dur KV 504 (Prager Sinfonie)
2 Sinfonie Nr. 39 Es-Dur KV 543
3 Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550
4 Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 (Jupiter)
5 L.v. Beethoven Die Ruinen von Athen op. 113
6 A. Dvořák Slawische Tänze op. 46
7 A. Vivaldi Konzert g-Moll op. 8 Nr. 2 RV 315 (Der Sommer - aus: Die vier Jahreszeiten)
8 F. Mendelssohn Bartholdy Nocturne op. 61 Nr. 7 (aus: Ein Sommernachtstraum op. 61)
9 R. Schumann Sinfonie Nr. 2 C-Dur op. 61
10 W. Walton Death of Falstaff (Death of Falstaff; aus: Henry V.)
11 Touch Her Soft Lips And Part (aus: Henry V.)
12 W.A. Mozart No, che non sei capace KV 419 (Einlagearie zu "Il curioso indiscreto" von P. Anfossi)
13 Serenade Nr. 10 B-Dur KV 361 KV 370a (Gran Partita)
14 L.v. Beethoven Missa solemnis D-Dur op. 123 für 4 Solostimmen, Orgel, Chor und Orchester
15 R. Schumann Konzert a-Moll op. 54 für Klavier und Orchester
16 F. Schubert Sanctus (aus: Messe Nr. 6 Es-Dur D 950)
17 L.v. Beethoven Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15
18 F. Mendelssohn Bartholdy Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 (Italienische)
19 L.v. Beethoven Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Marieke Blankenstijn Violine
Edita Gruberova Sopran
Arnold Schönberg Chor Chor
Martha Argerich Klavier
Pierre-Laurent Aimard Klavier
Chamber Orchestra of Europe Orchester
Nikolaus Harnoncourt Dirigent
Douglas Boyd Dirigent
 
2564 63067-2;0825646306725

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