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CD-Besprechung

Lumière

Céline Moinet

Berlin Classics 0302673BC

1 CD • 78min • 2020

10.04.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Céline Moinet, Solo-Oboistin der Sächsischen Staatskapelle Dresden, widmet sich auf ihrer neuesten CD Werken ihrer französischen Landsleute von vorwiegend impressionistischer und neoklassizistischer Grundhaltung. Sie demonstriert den hohen Rang der gallischen Holzbläserkultur, die durch die Kompositionen von Camille Saint-Saëns und Francis Poulenc auch zu einer neuen kompositorischen Blüte geführt wurde. Daneben präsentiert sie durchaus gelungene Bearbeitungen von Kompositionen Maurice Ravels und Claude Debussys.

Oboe und Clarté

Nachdem die Romantik die Oboe weitestgehend ignoriert hatte – hier fand man den modulationsfähigeren Ton der Klarinette eher inspirierend – erlebte diese im Neoklassizismus ab 1920 ein Comeback. Kurz vorher hatte Maurice Ravel ihren klar-herben Charakter ausgiebig in seiner Instrumentation von fünf Sätzen seines ursprünglich für Klavier komponierten, mit neobarocken Elementen spielendem Tombeau de Couperin genutzt. Deshalb ist eine Bearbeitung für Oboe und Klavier durchaus sinnvoll. Allerdings sperren sich die abschließende Toccata, wie auch die an Position drei stehende Fuge diesem Unterfangen, da sie rein pianistisch gedacht sind, weshalb der Komponist sie bei der Instrumentation wohl bewusst ausließ. Während Ravel dem Barock huldigt, bezieht sich Saint-Saëns in seiner Oboensonate auf Mozart und seine Zeitgenossen. Francis Poulenc kombiniert in seinem Trio Anklänge an eine barocke Ouvertüre mit witzigen Elementen Gioacchino Rossinis. Seine im Todesjahr entstandene Sonate ist ein „Tombeau de Prokofjew“ und weist einerseits Parallelen zu den Balletten des Betrauerten, aber auch solche zum eigenen Liedschaffen (Quatre Poèmes d’Apolinaire, Je veux le feu du soir) auf. Die Rhapsodie für Alt-Saxophon und Orchester von Claude Debussy liegt nur in Skizzen vor und wurde 1919 erstmalig veröffentlicht. Da die relativ tief notierte Saxophon-Stimme ohne Veränderungen auch auf dem Englisch-Horn, der Altoboe, spielbar ist, borgen sich Oboisten dieses Werk gern aus.

Hochrangige Interpretation

Céline Moinet weiß mit diesen Werken durchaus sehr viel anzufangen, wenngleich sie die Referenzaufnahmen ihres Landsmanns François Leleux nicht ernstlich gefährden kann, der ihr hinsichtlich lässig-eleganter Phrasierung und blitzschneller Doppelzunge überlegen ist. Am überzeugendsten gelingen ihr die Debussy-Rhapsodie und die Saint-Saëns-Sonate. Besonders in der Sonate trifft sie die lichte Klarheit dieses mozartesken Werks in überragender Weise. Sehr schön gelingt es ihr auch, die Töne oberhalb des dreigestrichenen d’s in die Linie einzubinden. Florian Uhlig vermag es, den teilweise sehr dichten Klaviersatz der Poulenc-Sonate und auch der Rhapsodie optimal in die entsprechenden Ebenen aufzufächern und jeder dieser Ebenen einen eigenen Klangcharakter zuzuordnen. Das ist anschlagstechnisch meisterhaft. Das Poulenc-Trio gelingt mit Unterstützung der Fagottistin Sophie Dervaux ernster und weniger spritzig-nonchalant als in der Einspielung mit Leleux auf dessen Debüt-CD, was jedoch durchaus legitim ist, um den Komponisten vom Images des „ewigen Clowns“ zu befreien.

Die Aufnahmetechnik geht in Ordnung, der Booklet-Text weitgehend ebenso. Allerdings hat mir das abschließende Debussy-Andante espressivo Rätsel aufgegeben, bis ich feststellte, dass es dem frühen Klaviertrio in G-Dur entstammt, das im Lésure-Werkverzeichnis alt unter L3, in der neuen Nummerierung unter CD 5, jedoch niemals unter L5 geführt wird. Somit sind sowohl die Angabe der Tonart als D-Dur wie auch der Verweis auf das Streichquartett im Booklet-Text falsch.

Fazit: Céline Moinet bietet auf dieser CD einen recht guten Überblick über die französische Oboenmusik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Oboisten sollten ihre Interpretation als weitere Möglichkeit der Gestaltung dieser Werke aufmerksam zur Kenntnis nehmen und auch erkennen, dass sich die beiden von Ravel ausgesparten Sätze weniger gut für diese Besetzung eignen. Ansonsten eine schöne CD für alle Freunde fein ziselierter Kammermusik.

Thomas Baack [10.04.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Francis Poulenc
1Sonate für Oboe und Klavier 00:14:14
Maurice Ravel
4Le Tombeau de Couperin (arr. für Oboe und Klavier Christian Schmitt und Laurent Riou) 00:23:30
Francis Poulenc
10Trio für Oboe, Fagott und Klavier 00:12:14
Claude Debussy
13Rhapsodie (arr. für Englischhorn und Klavier Gilles Silvestrini) 00:11:12
Camille Saint-Saëns
14Sonate D-Dur op. 166 für Oboe und Klavier 00:11:37
Claude Debussy
17Klaviertrio (arr. für Oboe, Fagott und Klavier Céline Moinet und Sophie Dervaux) 00:03:57

Interpreten der Einspielung

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