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CD-Besprechung

hänssler CLASSIC 92.133

1 CD • 58min • 1999

01.04.2000

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 4

"Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle" schreibt der Apostel Paulus der Gemeinde von Korinth und führt mit seinen Worten in die Mitte des Problems dieser Rezension.

Wissenschaftlich hoch gerüstet und mit unanfechtbarer instrumentaler Meisterschaft widmen sich die Interpreten dem gelehrten Meisterwerk. Bach zog mit dem Musikalischen Opfer das Resümee seiner Begegnung mit Friedrich II., in dessen Diensten der Sohn Philipp Emanuel als Kammercembalist stand. Der musikalisch überaus begabte König hatte ihm ein vertracktes Fugenthema gestellt, und bei der Improvisation einer sechsstimmigen Fuge hatte der Thomaskantor aufgeben müssen - es mag also in diesem außerordentlich kunstvollen Werk auch ein bißchen Streben nach Ehrenrettung liegen. Daß ein solcher Ehrgeiz für den 62jährigen Komponisten, der sich allseitiger Anerkennung sicher sein konnte, der entscheidende Ansporn war, seine ganze Meisterschaft in die Komposition dieses Dedikationswerkes zu legen, ist sicher eine abwegige Vermutung - und doch, genau danach klingt die vorliegende Einspielung. Mit entwaffnender Perfektion wird in eiskalter Atmosphäre Gelehrsamkeit zelebriert, jeder Ton sitzt sauber in Klang und Artikulation, dennoch erhebt sich unablässig die Frage: "Wozu das eigentlich?" Am Beginn eines jeden Stückes hofft man von neuem, um nach kurzer Zeit wieder zu frösteln. Die Musiker der Vergleichseinspielung, Robert Kohnen und die Gebrüder Kuijken, lassen in ihrer Interpretation genau das innere Ziel eines jeden Stückes und die Gesamtordnung des Werks als rhetorischen Ablauf spüren, die im Beiheft dieser CD so überzeugend von Karl Kaiser dargelegt wird. Kaiser ist auch Solist in der Alternativaufnahme der Triosonate: Im Rahmen seiner Gesamteinspielung der Bachschen Flötensonaten präsentiert er das Werk mit obligatem Fortepiano. Nur hier, nicht in der Hänssler-Version, wird deutlich, daß Bach mit der Triosonate der anbrechenden Epoche des empfindsamen Stils einen Tribut zollt, der für die modernen Bestrebungen seines Sohnes Philipp Emanuel die schönste Bestätigung darstellt - der Vater begreift mit dieser Sonate die Absichten seines Sohnes besser, als es Friedrich II. mit seiner Vorliebe für einen galanten Stil à la Quantz je tat.

Zwei Sammlungen mit Kanons, für deren wahren Genuß eine Beigabe der Noten erforderlich wäre, ergänzen diese unterkühlte Version des Musikalischen Opfers.

Detmar Huchting [01.04.2000]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Das Musikalische Opfer BWV 1079
2Canon trias harmonica BWV 1072
3Canon a 4 perpetuus BWV 1073
4Canon a 4 BWV 1074
5Canon a 2 perpetuus BWV 1075
6Canon triplex a 6 BWV 1076
7Canone doppio sopr'il soggetto BWV 1077
8Canon super fa mi a 7 post tempus musicum BWV 1078
9Canon concordia discors BWV 1086
1014 Kanons über die ersten 8 Fundamentalnoten der Aria a.d. Goldberg-Variationen BWV 1087

Interpreten der Einspielung

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