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CD-Besprechung

Saint-Saëns

Piano Concertos

Saint-Saëns

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 12.07.19

Klassik Heute
Empfehlung

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BIS 2300

1 CD/SACD stereo/surround • 81min • 2016, 2018

War zumindest das 2. Klavierkonzert von Camille Saint-Saëns (1835-1921) für Generationen von Tastenakrobaten absolutes Standardrepertoire für den Konzertsaal, sind dessen Aufführungszahlen in den letzten zwanzig Jahren rückläufig. Mag sein, dass die dort offen zur Schau gestellte Virtuosität sich ein wenig verbraucht hat, andererseits das abverlangte technische Niveau – etwa im Vergleich zu Rachmaninow – heute jungen PianistInnen nicht mehr reicht, um vor großem Publikum zu reüssieren. Die vorliegende CD beweist aber, dass sich eine intensive Beschäftigung mit den drei letzten Klavierkonzerten des französischen Meisters durchaus lohnt und die Stücke in ihrer Zeit viel innovativer waren, als allgemein vermutet.

Das äußerst selten gespielte dritte Konzert ist fast ein Gegenentwurf zum populären zweiten: Das Klavier wird in ungewohnter Weise in den Orchesterklang integriert. Der Komponist knüpft hier an symphonische Vorbilder an: Schuberts große C-Dur-Symphonie sowie Beethovens fünftes Klavierkonzert in derselben Tonart Es-Dur werden fast wörtlich zitiert. Lediglich das Finale kommt mit unverhohlener Direktheit. Das vierte Konzert übertrifft alle anderen an Tiefgang und formaler Raffinesse deutlich. So wird in diesem zweisätzigen Werk, das einige Konzepte der berühmten Orgelsymphonie vorwegnimmt, z.B. das schwer lastende Hauptthema des Beginns später als Scherzo paraphrasiert. Beide Stücke haben die zeitgenössischen Hörer eher überfordert. Dem fünften Konzert (1896) hingegen ist stets ein Publikumserfolg gewiss, vor allem wegen des ungewöhnlich farbigen, stimmungsvollen zweiten Satzes, der keineswegs nur Anklänge an arabische, sondern auch an javanische (Gamelan) oder südosteuropäische Musik (Nachahmung des Cymbaloms durch das Klavier) enthält.

Hatte ich die im vorigen Jahr vollendete Naxos-Gesamtaufnahme (auf 3 Einzel-CDs) zur neuen Referenz gekürt, die – endlich! – Collards bahnbrechende Einspielung aus den 1980ern ablöste, ist das mit dieser BIS-Veröffentlichung schon wieder Geschichte. Was die Herren Kantorow (Vater und Sohn) hier mit der ebenfalls ausgezeichnet aufspielenden Tapiola Sinfonietta vorlegen, übertrifft alles, was bislang für dieses Repertoire aufgeboten wurde. Alexandre Kantorows – zum Zeitpunkt der Aufnahme von Nr. 4 & 5 gerade mal neunzehn – Spiel erfreut nicht nur durch stupende Virtuosität und einen alle Facetten von Anschlagskultur überzeugend abdeckende klangliche Differenzierung; man höre nur den Beginn des letzten Satzes von Nr. 3 mit dem schnellen Wechsel von Martellato-Oktaven zu eleganten, wieselflinken Sechzehnteltriolen oder die atmosphärischen Klänge im langsamen Satz des ägyptischen Konzerts. Saint-Saëns‘ Bemühen um Ernsthaftigkeit wird völlig verstanden und kongenial umgesetzt. Die Naturlaute zu Beginn des Es-Dur-Konzerts stehen ebenso wenig nur für sich wie das Sammelsurium exotischer Klangeffekte – auch vom Orchester nie vordergründig herausgestellt – im oben erwähnten Mittelsatz von Nr. 5. Alles, so etwa das Fugato im 2. Satz von Nr. 4, passt irgendwie logisch in einen großen Kontext. Der weitgespannte musikalische Bogen des c-Moll-Konzertes geht dem Hörer wirklich nahe, die Schlussapotheose wirkt nach dem vorausgegangenen Wechselbad der Gefühle wie eine Erlösung. Jean-Jacques Kantorow hat mit den finnischen Musikern jedes Detail genau erarbeitet: Präzision, Dynamik und eine an den Impressionismus heranreichende Farbigkeit bilden eine wohlklingende Einheit. Dazu gelingt den Tontechnikern von BIS mal wieder ein durchsichtiges Klangbild, das seinesgleichen sucht. Das ist mehr als nur eine gelungene Rehabilitation von drei unterschätzten Meisterwerken, sondern eine Darbietung, die wohl lange Maßstäbe setzen wird! Höchstnoten verdient diese randvolle CD allemal.

Vergleichsaufnahmen: Jean-Philippe Collard, Royal Philharmonic Orchestra, André Previn (EMI 7243 5 73356 2 1, 1985/86) – Romain Descharmes, Malmö Symphony Orchestra, Marc Soustrot (Naxos 8.573477 [Nr. 3], 8.573478 [Nr. 4 & 5], 2015).

Martin Blaumeiser [12.07.2019]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C. Saint-Saëns Klavierkonzert Nr. 3 Es-Dur op. 29 00:27:11
4 Klavierkonzert Nr. 4 c-Moll op. 44 00:24:39
6 Klavierkonzert Nr. 5 F-Dur op. 103 (Ägyptisches) 00:27:47

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Alexandre Kantorow Klavier
Tapiola Sinfonietta Orchester
Jean-Jacques Kantorow Dirigent
 
2300;7318599923000

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