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CD-Besprechung

Classic Vienna

Lena Belkina

Sony Classical 88985441842

1 CD • 64min • 2015

09.09.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

In früheren Zeiten war es üblich, Rollen wie Aida und Amneris mit Italienerinnen zu besetzen. Nun aber kommt das Licht aus dem Osten: Russinnen, Ukrainerinnen, Bulgarinnen usw. sind die „Italienerinnen“ unserer Tage, sie beherrschen allerorten das Sopran, Mezzo- und Altfach. Fast möchte man sich einen Katalog der vielen –owas und -ewas anfertigen, um die Übersicht nicht zu verlieren. Auf männlichem Gebiet ist der osteuropäische Nachschub nicht so großartig, aber die Weiblichkeit blüht und gedeiht. Wenn man einmal die herrliche Julia Lezhneva Händel oder Mozart singen gehört hat, wird man auf solche Glücksbringerinnen nicht mehr verzichten wollen.

In diesen edlen Kreis darf die junge Ukrainerin Lena Belkina (noch) nicht aufgenommen werden. Sie hat zwar schon Preise gewonnen und ein Engagement an die Wiener Staatsoper erhalten, wo sie Cherubino und anders gesungen hat. In Bregenz ist sie als Carmen aufgetreten. Ihr Classic Vienna-Konzert beweist allerdings, dass ihre gesangliche Schulung nicht jene Reife besitzt, die für eine Platten-Präsentation erforderlich ist. Der Gesangston klingt angestrengt, hohl, in der Tiefe gepresst, wie mit eingeschnürter Kehle – und vor allem „unjung“, um das Wort Heinrich Heines zu gebrauchen. Wie bei vielen Altistinnen, die wenig Tiefe besitzen, färbt sie die Töne auf den Vokal U, zwängt sie damit gewaltsam in den Untergrund. Nun sind Vokalstücke wie Mozarts für Nancy Storace komponierte Arie „Non temer, amato bene" KV 505 (mit Klavierbegleitung) Glucks Orfeo oder Haydns Berenice-Kantate auf genügend exemplarischen Wiedergaben vorrätig, so dass die Chancen für besondere Wahrnehmung nicht günstig stehen. Es stellt sich überhaupt die Frage, ob es sich hier um eine Mezzostimme handelt, oder um einen nach unten geschraubten Sopran. In der Höhe gewinnt die Stimme nämlich Farbe, da fallen Zwang und Druck weg. Es ist sicher von Interesse, die Entwicklung der Sängerin weiter zu verfolgen. Talent ist jedenfalls vorhanden.

Die Orchester-Begleitung sowie die beigefügten Ouvertüren von Mozart, Gluck, Haydn, werden vom ORF-Radio-Symphonieorchester Wien exakt gestaltet. Der Dirigent Andrea Sanguineti fällt durch eigenwillige ritardandi auf. Vorzüglich die Instrumental-Solisten Andrea Bacchetti (Klavier), Siegfried Schenner (Klarinette) und Johannes Maria Bogner (Cembalo).

Clemens Höslinger [09.09.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Così fan tutte KV 588 00:04:35
2Parto, parto, ma tu, ben mio (Arie des Sesto - aus: La Clemenza di Tito KV 621) 00:06:47
3Il padre adorato (Idamante - aus: Idomeneo KV 366) 00:04:00
4Ch'io mi scordi di te - Non temer, amato bene KV 505 00:10:28
Christoph Willibald Gluck
5Armide 00:04:06
6Che puro Ciel (Arie des Orfeo - aus: Orpheus und Eurydike) 00:06:30
7Oh, del mio dolce ardor (Paride - aus: Paride ed Elena) 00:03:13
Joseph Haydn
8Acide e Galatea Hob. XXVIII:1 00:06:30
9Se non piange un infelice (Aria: Costanza - aus: L' Isola disabitata Hob. XXVIII:9) 00:04:21
10Scena di Berenice Hob. XXIVa:10 (Berenice, che fai, Solo-Kantate) 00:13:46

Interpreten der Einspielung

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