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CD-Besprechung

cpo 777 699-2

2 CD • 1h 57min • 2009

30.03.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Mit Paganini (1925) beginnt die letzte Phase im Operettenschaffen von Franz Lehár, die gekennzeichnet ist von opernhaftem Pathos und dabei oft gefährlich in die Bereiche der Larmoyanz abrutscht. Statt des bis dahin genreüblichen Happy Ends war fortan Entsagung angesagt: Der Zarewitsch, Das Land des Lächelns und schließlich Giuditta überboten sich im ausgekosteten Herzschmerz. Und der Protagonist Richard Tauber erwies sich in allen Fällen als sicherer Garant des Erfolgs. In seinem eben erschienenen Buch über die „komische Operette“ etikettiert Albert Gier diese Stücke zutreffend als „musikalisches Tränentheater“.

In Paganini ist der Abschied allerdings noch nicht so tränenreich wie in den späteren Stücken. Der Geiger entschließt sich nach seiner problematischen Romanze mit der Napoleon-Schwester Anna-Elisa, zukünftig nur noch für seine Kunst zu leben. Und die verabschiedete Geliebte ist froh, ihn „nur“ an seine Geige und nicht an eine andere Frau zu verlieren.

Es gibt mehrere historische Gesamtaufnahmen von dieser Operette; die erste von 1942 mit Karl Terkal und Esther Réthy wurde vom Komponisten selbst dirigiert. In späteren Rundfunkproduktionen, die in der preisgünstigen Reihe „Traumland der Operette“ bei Membran veröffentlicht wurden, waren Peter Anders und Rudolf Schock die Titelhelden. Mehr als ein halbes Jahrhundert später ist eine Neuaufnahme also nicht unwillkommen. Deshalb ist es nicht ganz einsichtig, warum die Aufführung des Bayerischen Rundfunks vom Oktober 2009 jetzt mit fünf Jahren Verspätung auf den Markt kommt.

Sie kann sich nämlich neben der Konkurrenz hören lassen. Ulf Schirmer bedient mit dem Münchner Rundfunkorchester Lehárs Sentiment und Lehárs Pathos, ohne allzu dick aufzutragen. Und die Sänger können sich hören lassen. Freilich ist die Besetzung der Titelrolle mit dem renommierten serbischen Tenor Zoran Todorovich, der vor allem auf dem Gebiet des Verismo seine Meriten hat, nicht ganz unproblematisch, denn er ist ein echter „tenore robusto“, dem das Schmettern mehr liegt als das Schmachten. Im Schlager „Gern hab’ ich die Frau’n geküsst“ und im Duett „Niemand liebt dich so wie ich“ bemüht er sich zwar mit Erfolg um ein mezza voce, doch vermisst man auch da den Schmelz seiner großen Vorgänger von Tauber bis Schock. Dagegen glaubt man ihm das ungebärdige Temperament des „Teufelsgeigers“, den sein musizierendes Alter Ego Henry Raudales in den Violinsoli imponierend beglaubigt. Kristiane Kaisers angenehme lyrische Stimme gerät in den höheren Lagen gelegentlich ins Schlingern und Scheppern, ihr Vortrag ist jedoch wohltuend natürlich und kitschfrei. Und Eva Liebau (Bella Giretti) und Martin Zysset (Pimpinelli) vermeiden weitgehend die üblichen Soubretten- und Buffo-Klischees.

Dass dieser Mitschnitt eines Konzerts im Prinzregententheater insgesamt einen positiven Eindruck hinterlässt, liegt auch an der lebhaft suggerierten Bühnenatmosphäre, woran die sorgfältige und effektive Dialogregie von Ralf Eger keinen unwesentlichen Anteil hat.

Ekkehard Pluta [30.03.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Lehár
1Paganini (Operette in drei Akten)

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