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CD-Besprechung

Rautavaara

Missa A Cappella • Sacred Choral Works

Rautavaara

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 30.10.13

Klassik Heute
Empfehlung

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Ondine ODE 1223-2

1 CD • 64min • 2013

Wenn einer der Elitechöre des Baltikums Musik eines Klassikers der Gegenwart einspielt, sind die Erwartungen hoch gesteckt. Wie der Philharmonische Kammerchor aus dem benachbarten Estland steht auch der Chor des Lettischen Rundfunks im Ruf, eines der besten europäischen Vokalensembles zu sein. Der 1940 gegründete traditionsreiche 25-köpfige Chor steht seit über 20 Jahren unter der künstlerischen Leitung von Sigvards Klava. Mit der Rautavaara-CD werden die Rigaer Musiker den hohen Erwartungen mehr als gerecht und überzeugen durch einen ungewöhnlich kompakten, homogenen Chorklang, der, wenn es die Musik erfordert, aber ebenso fein und differenzierend sein kann.

Im Schaffen des Komponisten nimmt die Chormusik von jeher eine wichtige Position ein. Über den Zeitraum eines halben Jahrhunderts hat Rautavaara eine Vielzahl von geistlichen und weltlichen Werken für die verschiedensten Vokalbesetzungen geschaffen – vom Kinderchor, reinem Sprechchor, Männer- und Frauenchor bis hin zum großen, gemischten Ensemble. Die CD bietet in einer interessanten Auswahl einen guten Überblick über die Entwicklung des Komponisten – vom Ave Maria aus dem Jahr 1957 (ursprünglich für Männerchor, hier in einer späteren Fassung für gemischten Chor aufgenommen) bis zum bislang jüngsten Chorwerk Rautavaaras, der 2010/11 geschriebenen Missa a cappella.

Rautavaaras eigene musikalische Entwicklung wirkt wie fast wie ein seismographisches Abbild der auseinanderstrebenden Stilinklinationen des 20. Jahrhunderts: Steht seine früheste Chormusik noch deutlich in romantischer Tradition, so schreibt der Mitt-Dreißiger 1963 etwa eine Missa duodecanonica in Zwölftontechnik (die er zuvor intensiv bei Wladimir Vogel studiert hatte), fünfzehn Jahre später in Canticum Mariae Virginis (1978) kombiniert er zwei Marienhymnen (Ave maris stella und Gaude Maria virgo) zu einem faszinierenden Klangflächenstück. Unter dem Einfluss orthodoxer Kirchenmusik entsteht zu Beginn der Siebziger Jahre mit der monumentalen Vigilia sein umfangreichstes, aus 48 Sätzen bestehendes Chorstück. 1997 nimmt sich der Komponist des Werkes erneut an und erarbeitete eine deutlich konzisere Konzertfassung. Zwei separat veröffentlichte Sätze daraus (Psalm of Invocation und Evening Hymn) sind auf der CD zu hören. Die das Programm eröffnende Missa a cappella schließlich erscheint wie ein Resümee und greift auch in ihrer Entstehungsgeschichte weit zurück. Ein vibrierender, blockhafter Credo-Satz mit kraftvollen Unisoni aus dem Jahr 1972 wird zum Ausgangspunkt einer Messkomposition, die Rautavaara erst drei Jahrzehnte später komplettiert. Jeder Abschnitt lebt von seiner charakteristischen Faktur: Ostinato-Klangflächen und schweifende, zwischen Männer- und Frauenstimmen dialogisierende Linien im Kyrie, archaisierende Quintklänge im weit ausgreifenden, prachtvollen Chorsatz des Gloria oder berückend schöne Baritonsoli im hymnischen Benedictus.

Aufnahme und Edition der CD sind mustergültig. Neben einem Einführungstext in Englisch sind auch sämtliche Gesangstexte in den Originalsprachen und in englischer Übersetzung abgedruckt. Wer sich mit dem Geistlichen Chorwerk des großen finnischen Komponisten bekannt machen möchte, dem sei diese Aufnahme wärmstens empfohlen.

Heinz Braun [30.10.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 E. Rautavaara Missa A Cappella 00:26:31
7 Avuksihuutop salmi (Psalm of Invocation) 00:02:26
8 Ehtoohymni (Evening Hymn) 00:02:29
9 Missa Duodecanonica 00:03:35
12 Ave Maria, gratia plena 00:06:42
13 Canticum Mariae Virginis 00:08:51
14 Our Joyful'st Feast 00:04:39
15 Die erste Elegie 00:10:12

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Latvian Radio Choir Chor
Sigvards Kļava Dirigent
 
ODE 1223-2;0761195122327

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