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CD-Besprechung

Kaleidos KAL 6313-2

1 CD • 74min • 2009

06.05.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Anläßlich des 150. Todestages von Ludwig Spohr (1884-1859) führte die Marienkantorei Osnabrück dessen einst hochgeschätztes, packendes geistliche Drama über das Ende aller Zeiten auf. Bereits der jüngere Spohr hatte im Zuge des romantischen Vergänglichkeitskultes (1812) ein apokalyptisches Oratorium mit Weltuntergangsposaunen und dem Buch der unlösbaren Sieben Siegel geschaffen, war aber mit dem Ergebnis unzufrieden. Vierzehn Jahre später (1826) regte ihn sein Freund Friedrich Rochlitz, prominenter literarischer Hofrat in Weimar, mit einer selbst erarbeiteten Textvorlage „aus den erhabensten Stellen der Heiligen Schrift zusammengestellt" zur Komposition eines weiteren Oratoriums an. Damit war der entscheidende Anstoß zum ohnehin geplanten, vorliegenden Werk gegeben. Die Aufführungserfolge bei den damaligen großen Sängerfesten bürgerlicher Chorvereinigungen überlebten jedoch deren Abflauen nicht. Um so mehr wuchs die Bedeutung Spohrs als Opern-, Kammermusik- und Konzertkomponist. Nun aber, 150 Jahre nach seinem Ableben und umgeben von den kirchenmusikalischen Zeitströmungen des Jahres 2009, hat sich Spohrs Hoffnung erfüllt. Der künstlerische Wagemut eines Konzertmitschnittes macht die Gegenwart zum Ohrenzeugen eines erfolgversprechenden Werkes von überzeitlicher Wirkungskraft und Bedeutung für das Laienchorwesen.

Alle Positionen des Solistenquartettes, alle Chorstimmen, gestützt, ergänzt, kontrastiert und kommentiert von einer dynamisch-dramatischen Orchesterleistung, nicht zuletzt die transparent aufgelichtete Aufnahmeregie, haben sich zu einer überzeugenden Spohr-Laudatio zusammengefunden. Eine wieder zu belebende Bewunderung verdient dabei die kompositorische Dichte und Raffinesse des Komponisten. Ideal versteht er es, den geistigen Höhenflug anspruchsvoller Glaubens- und Verkündigungstexte biblischer Prophetie für eine kirchenmusikalische Reflexion zu aktivieren. Wie er dafür oft vokaltechnisch schlichte, dennoch dramatisch und sprechtechnisch überzeugende Stilmittel einzusetzen versteht, dies sind entscheidende Fingerzeige für einen Aufführungserfolg. Allerdings setzt er auch die Bereitschaft aller Choristen zu einem sorgfältig artikulierenden „Sprechgesang" voraus. Wie schwierig das Hörverständnis alltagsfremder Wortverkündigung werden kann, verraten die oft unterbelichteten Textkonsonanten im Vergleich zu den klangvoll dominierenden Vokalen. Anrufungen wie „Preis und Ehre ihm, der da ist!", wie sie gleich zu Beginn der Chorpartie nach der Ouvertüre ertönen, verströmen ohne Textbuchhilfe einfach nur wortlosen Klang. Ohne Fehl und Tadel sorgen dagegen alle Soliloquenten für die erforderliche professionelle Rhetorik, wobei der traditionelle, hier von Max Ciolek überzeugend gestaltete Evangelistenpart dank Spohrs Werkkonzept zusätzlich die aktive Rollenfigur eines vom Geschehen unmittelbar betroffenen Melodramatikers zu übernehmen hat. Entstanden – und nun zu hören – ist so nach den Offenbarungsworten des Johannes und düsteren Visionen des alttestamentarischen Propheten Ezechiel ein ergreifendes Dies-Irae-Tongemälde, dessen Mahnung auch außerhalb jüdisch-christlicher Glaubenstraditionen den Naturkatastrophen und bedrückenden Ereignissen der Gegenwart des Jahres 2011 eine erschütternde Signalwirkung verleiht.

Dr. Gerhard Pätzig [06.05.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Louis Spohr
1Die letzten Dinge (Oratorium nach Worten der Heiligen Schrift)

Interpreten der Einspielung

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