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CD-Besprechung

Georg Friedrich Händel: Jephta HWV 70

BIS 2 CD 1864

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Besprechung: 26.04.11

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BIS 1864

2 CD • 2h 39min • 2008

Am 13. Februar 1751, als Händel während der Komposition seines neuen Oratorium Jephtha gerade den Chor How dark, o Lord, are thy decrees beendet hatte, protokollierte er auf Deutsch und in schlechter Schrift seine fortschreitende Erblindung, die ein weiteres Arbeiten an dem Werk unmöglich mache. Zehn Tage später hatte sich sein Zustand so weit gebessert, dass er die Komposition wieder aufnehmen konnte. Die Vollendung des Stücks durch den sonst in zügigem Tempo arbeitenden Händel dauerte indessen bis zum 30. August dieses Jahres, und er fand es für nötig, am Ende der Partitur nach dem üblichen Gotteslob S(oli) D(eo) G(loria) erstmals auch sein Alter von 66 Jahren zu erwähnen. Jephtha wurde zum letzten neu komponierten Oratorium aus der Feder Händels – das 1756 fertig gestellte The Triumph of Time and Truth ist eine englische Bearbeitung des italienischen Oratoriums Il trionfo del Tempo e del Disinganno aus dem Jahr 1707.

In seinem Begleittext zu Nikolaus Harnoncourts Aufnahme von 1979 ordnet Ludwig Finscher Jephtha dem „introvertierten Altersstil" Händels zu. Die im Libretto zurückhaltende Ausdeutung schicksalhafter Aspekte in der alttestamentarischen Geschichte wird in der Musik betont und hervorgehoben: Finscher arbeitet als Händels eigentliches Thema „das Leiden der Menschen unter einem blinden, unabänderlich verhängten Schicksal" heraus und zeigt die vielfältigen Spuren auf, die deutlich machen, wie sehr Händels persönlich empfundene Betroffenheit durch die Schicksalsthematik in die Komposition Eingang gefunden hat.

1990 traf das Stavanger Symfoniorkester die Entscheidung, künftig neben dem Chefdirigenten auch einen gesonderten künstlerischen Leiter für das Repertoire der Alten Musik (bis zum 18. Jahrhundert) zu berufen, um die Inspiration durch die Erforschung historischer Aufführungspraktiken zu nutzen. Frans Brüggen und Philippe Herreweghe waren die ersten in dieser Funktion, seit 2006 nimmt Fabio Biondi in der südnorwegischen alten Handelsstadt den Posten des Brückenbauers zwischen den Jahrhunderten wahr – so wird seine Rolle vom Orchester selbst verstanden.

Für die vorliegende Aufnahme konnte eine exzellente Sängerriege verpflichtet werden, die mit den Solisten der 1992 eingespielten Vergleichsaufnahme voll und ganz mithalten kann, das Collegium Vocale Gent ist ebenso vorzüglich wie der bei Marcus Creed mitwirkende RIAS Kammerchor; das Problem liegt bei Fabio Biondi, dem auf der Website des Stavanger Symfoniorkester hoch gepriesenen künstlerischen Leiter des Orchesters für Alte Musik und Dirigenten dieser Aufnahme: Als sensibler Gestalter emotionaler und intellektueller Zusammenhänge ist Fabio Biondi bisher nicht aufgefallen – das geschieht auch hier nicht. Um es in Genres der bildenden Kunst zu sagen: Das große Schlachtengemälde ist Biondis Sache, nicht das fein in den Farbtönungen abgestimmte Aquarell nach der belebten Natur. So gelingen die repräsentativen Teile des Werkes; ist jedoch affektiv-emotionale Gestaltung gefordert, die ein tieferes Verständnis des Interpreten für das im introvertierten Spätstil Händels musikalisch subtil in die Musik einfließende Seelenleben der Protagonisten erkennen lassen würde, läßt Biondi den Händel-Freund auf dem Trockenen: Da wird, meist in flotten Tempi, dem nächsten dramatischen Höhepunkt entgegengestrebt. Und so bleibt, bei aller handwerklicher Solidität dieser Einspielung, das traurige Fazit: Fabio Biondi dringt bei diesem bewegenden letzten Oratorium Georg Friedrich Händels nicht in die Tiefe, er bleibt im Unverbindlichen. Da ist ihm Marcus Creed nicht nur in der Ausgestaltung der Klangrede, sondern auch im Gespür für den emotionalen Gehalt des Werks weit voraus.

Vergleichsaufnahme: John Mark Ainsley (Jephtha), Michael George (Zebul), Chatherine Denley (Storgè), Christiane Oelze (Iphis), Axel Köhler (Hamor), Julia Gooding (Engel), RIAS Kammerchor, Akademie für Alte Musik Berlin, Marcus Creed (Leitung). edel classics 0010572BC (AD: 1992).

Detmar Huchting [26.04.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G.F. Händel Jephta HWV 70

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
James Gilchrist Tenor
Mona Julsrud Sopran
Elisabeth Jansson Mezzosopran
Havard Stensvold Bariton
Marianne Beate Kielland Mezzosopran
Elisabeth Rapp Sopran
Collegium Vocale Gent Chor
Stavanger Symphony Orchestra Orchester
Fabio Biondi Dirigent
 
1864;7318590018644

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