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CD-Besprechung

Robert und Peter Eine CD für Kinder

Edition Ohrwurm 6

1 CD • 63min • 2007

05.03.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Hinter dem Titel „Robert und Peter“ verbirgt sich nichts weniger als ein deutsch-russisches Gipfeltreffen. Auf seiner „CD für Kinder“ demonstriert Gerrit Zitterbart (bekannt als pianistischer Teil des Abegg-Trios und eiserner Verfechter der berückenden Klangwirkungen, die sich mit historischen Tasteninstrumenten erzielen lassen) beispielhaft, wie gut sich zwei thematisch verwandte Klavierzyklen miteinander kombinieren lassen – zumal damit ein Zielpublikum „ab etwa 5 Jahren in die Geheimnisse des Zuhörens eingeführt werden“ soll, wie es auf dem CD-Cover heißt.

16 der 43 Stücke aus Robert Schumanns 1848 entstandenem Album für die Jugend op. 68 gehen durch Zitterbarts kundige, stets sanfte, im Vergleich zum Lautstärkeniveau der Musik jedoch zu leisen Moderation eine neue Einheit mit dem 30 Jahre später komponierten Jugendalbum op. 39 seines russischen Kollegen Peter Tschaikowsky ein. Dessen 24 Einzeltitel sind komplett zu hören. Verständlicherweise erfahren die ohnehin nur losen inneren Strukturen der beiden Zyklen durch den Mix wesentliche Akzentverschiebungen. Auch wenn nicht alle sprachlichen Übergänge einleuchtend erscheinen und die stete Nennung der russischen Originaltitel entbehrlich wäre, glückt Zitterbart mit seiner Anordnung der einzelnen Stücke von „Robert“ und „Peter“ eine ganz eigene Dramaturgie: Hat sich Tschaikowsky ursprünglich am typischen Tagesablauf eines noch nicht eingeschulten Kindes im 19. Jahrhundert orientiert, so schafft der Musikpädagoge höchst stimmungsvolle Gegensätze zwischen dem kindlichen Erleben von Alltag bzw. Umwelt und einem tagtraumartigen Abgleiten in die Welt der Phantasie.

Schade nur, dass in den direkten, sehr persönlichen Kurzeinführungen gar nichts über die familiären Anlässe gesagt wird, die zur Entstehung der beiden Klavierwerke geführt haben. Hätte man nicht noch einfließen lassen können, dass Robert Schumann der bevorstehende achte Geburtstag seiner ältesten Tochter Marie zur Komposition anregte und Peter Tschaikowsky zur Kinderwelt ein inniges Verhältnis hatte, weil er mit den Kindern seiner Schwester ebenso gern spielte wie mit denen seiner Dienerschaft?! „Audience development“ hin oder her, „Kids“ wollen schließlich auch zum Mitdenken aufgefordert werden und nicht allein als Zuhörer zu bloßem Gefallen und passiver Konzentration verdonnert sein.

Falls der jugendliche Nutzer dieses Kinderkonzerts schon lesen kann, dürfte ihn zumindest die Titelangabe von Track Nummer 15 zu denken geben. Im CD-Booklet lautet der Titel des eigentlich 13. Stücks von Tschaikowskys Jugendalbum: „Der Bauer spielt auf seinem Harmonium“ statt „Musikh“ (so wurde im alten Russland der „einfache Mann“, meist ein armer Bauer, genannt) „spielt Harmonika“. Vielleicht lässt sich dieser verwirrende Booklet-Fehler ja noch ausmerzen, denn im – an dieser Stelle ausgesprochen informativen – Moderationstext ist deutlich von einer Mundharmonika die Rede, die zudem klanglich präsentiert wird.

Seinen „Robert-und-Peter“-Parcours meistert Gerrit Zitterbart, der an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover eine Klavierklasse leitet, in pianistischer Hochform. Souverän und mit großem Einfühlungsvermögen lotet er die unterschiedlichen Stimmungsgehalte von Stücken wie Tschaikowskys Mama und Schumanns Knecht Ruprecht aus. Zudem stand ihm ein perfekt intonierter, wunderbar rund klingender Bösendorfer Imperial zur Verfügung – ein ideales Instrument für romantische Klaviermusik des 19. Jahrhunderts, dessen dunkles Glühen hier aufnahmetechnisch makellos eingefangen wurde. So würde man sich auch eine Erwachsenen-CD mit den kompletten Werken wünschen…

Richard Eckstein [05.03.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Robert Schumann
1Album für die Jugend op. 68 (1848)
Peter Tschaikowsky
2Kinderalbum op. 39 (24 Stücke für Klavier)

Interpreten der Einspielung

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