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CD-Besprechung

Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze op. 49

Clavier 1 CD 8

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 17.09.14

Clavier 8

1 CD • 75min • 2014

Joseph Haydns musikalische Ausgestaltung der Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze im Sinne einer instrumentalen Interpretation oder gar im Sinne eines nonverbalen Glaubensbekenntnisses sind in den letzten gut zwei Jahrzehnten recht häufig beachtet und in den verschiedensten Varianten aufgeführt worden. Bei manchen veranstalterischen Anlässen gehören (oder gehörten) sie zum sakralen Beiwerk, zumeist aber dienten sie der spirituellen Überhöhung eines ganzen Festspiels. Ich denke da an das von Gidon Kremer gegründete und bis 2011 geleitete Lockenhauser Kammermusikfest. Als Mitbegründer dieser nun von Nicolas Altstaedt geführten Institution konnte Pfarrer Monsignore Josef Herowitsch bei solchen Gelegenheiten die als authentisch überlieferten Worte sprechen und somit dem Werk in der Pfarrkirche von Lockenhaus den Geist und die Weihe eines künstlerisch abgefederten Gottesdienstes verleihen.

An eine solche Aufführungspraxis darf man denken, wenn der Pianist Gerrit Zitterbart die von Haydn autorisierte Fassung für das Fortepiano vorträgt und alternierend dazu der Pastor Dirk Tiedemann die entsprechenden „Worte“ verliest. Doch in dieser Einspielung aus dem „Clavier-Salon Göttingen“ werden die Hörer nicht nur an die Worte Christi erinnert, sondern Dirk Tiedemann bemüht sich auch um eine je passende, überzeugende theologische Auslegung. Die Einspielung folgt somit den historischen Gegebenheiten, denn der Auftrag des Domherren von Cádiz lautete, sieben langsame meditative Sätze für jedes der letzten Worte Jesu zu verfassen. Nach jedem dieser Sätze sollte der Bischof von der Kanzel herab das entsprechende Wort verlesen und es anschließend auch auslegen. Danach von der Kanzel herunter gestiegen, kniete er dann am Altar nieder und betete während die nächste besinnliche „Sonate“ – wie Haydn die einzelnen Sätze genannt hat – gespielt wurde.

Gerrit Zitterbart und Pastor Dirk Tiedemann halten sich also an die formalen Vorgaben und entwickeln unter diesen Umständen ein nach Kräften lebendiges Wechselspiel von musikalischer Situationsbeschreibung und rhetorischen Brückenschlags – ausgehend von der biblischen Historie bis in die Gegenwart des menschlichen Sinnens und Trachtens, Werdens und Vergehens. Dem Pianisten ist es hier auferlegt, im Verlauf von sieben Quasi-Adagios den Hörer nicht zu ermüden. Vielmehr die mehr oder weniger verborgenen schmerzlichen, wehmütigen, aber auch anmutigen Aspekte der klavieristischen Wörtlichkeiten herauszuarbeiten, ohne je den Anschein zu erwecken, er würde tätig sein im Sinne einer bezahlten Verrichtung. Zitterbart gelingt dies im Rahmen begrenzter Anschlagsnuancen, zumal das verwendete Instrument ein wenig schimmelig, also sehr „historisch“ tönt. Im abschließenden „Erdbeben“ spielt das keine Rolle – und Zitterbart nutzt diese schlussendliche Katastrophe, indem er einige Register der Enthemmtheit zieht, die der Plastizität des Geschehens zu Gute kommen.

Die klanglich etwas spröd wirkende CD steckt in einer schlichten Kartonhülle, auf ein Begleitheft wurde verzichtet. Ein kurzer Text zur Werkgeschichte ist auf der Hüllenrückseite abgedruckt, alles andere – also Biographisches, Satzbezeichnungen etc. – darf man sich aus dem Internet beschaffen oder man ist bereits von einem anderen Label besser betreut worden, Als unpassend empfinde ich das Cover-Foto mit einem zufrieden hinter seinem Hammerflügel hervor lächelnden Pianisten. Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze hätten, wie ich meine, ein etwas ernsteres Benehmen verdient…

Peter Cossé [17.09.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Haydn Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze op. 49 01:14:42

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Gerrit Zitterbart Klavier
 
8;4012652000839

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