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CD-Besprechung

French Cantatas

BIS 1495

1 CD • 64min • 2004

09.07.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Abgesehen von einer 1740 komponierten Kantate zum Tag des heiligen Ludwig entstammen Rameaus Kantaten der Zeit vor dem ersten großen Opernerfolg des Komponisten mit Hippolyte et Aricie im Jahr 1733. Sie stellen also in gewisser Weise die Vorstufe zu seinem Bühnenschaffen dar, mit dem er die Gattung der tragédie lyrique so gründlich reformierte, dass ein lange andauernder Streit um die Traditionen der Gattung aufkam, der das musikalische Frankreich in die Parteien der Lullistes und der Ramistes teilte. Fehlerhaft wäre allerdings, Rameaus Kantaten den Charakter unbedeutender Vorläufer zuweisen zu wollen – sie sind vielmehr ein Beitrag von höchster Qualität zu einer während der Zeit Ludwigs XIV. und Ludwigs XV. hochgeschätzten dramatischen Kunstform.

Philippa Hyde und Peter Harvey präsentieren hier gemeinsam mit dem Ensemble London Baroque drei Kantaten Jean Philippe Rameaus (1683-1764) sowie eine aus der Feder des 20 Jahre älteren André Campra.

Der Vergleich dieser Neueinspielung mit der sechs Jahre früher entstandenen Gesamtaufnahme entbehrt nicht eines gewissen Reizes, steht doch die ältere Aufnahme unter der Leitung des jungen englischen Cembalisten Gary Cooper, während die hier zu besprechende CD mit dem Ensemble London Baroque gewissermaßen über ein Rückgrat verfügt, das jahrzehntelange Erfahrung in den verschiedensten Bereichen der Alten Musik mitbringt. Setzt die ASV-Aufnahme ganz auf die theatralischen Aspekte der Werke (indem sie auch besonders durch langsame Tempi gelegentlich die dramatischen Innenwirkungen einzelner Nummern hervorhebt), so erlebt man in der neuen Version des schwedischen Labels BIS besonders die galante Seite der Kompositionen. Das virtuose Geflecht der musikalischen Linien, die Eleganz der kompositorischen Faktur steht in der hier vorzustellenden Aufnahme vor der Darstellung dramatischer Inhalte, und das nicht ohne Recht: Hier dominiert der gebildete Salon als gedachter Aufführungsort, weniger der dramatische Vorentwurf als Skizze kommender Opernentwürfe des Komponisten.

Somit ist diese CD als ebenbürtige Alternative zu ihrer älteren Kollegin zu bezeichnen. Angesichts der Masse Sensationsmusik, der gegenwärtig dem klassikliebenden Publikum als Gipfel der Stimmkultur eingetrichtert werden soll, wo letzten Endes nur von einem Showdown melodienseliger Klassikschunkelei zu Evergreens aus geläufigen Gurgeln die Rede sein kann, ist es ein besonderes Vergnügen, eine neue CD mit Lob zu begrüßen, die der Verbindung von Schönheit und Verstand, wie sie Musik Rameaus besonders zum Ausdruck kommt, einen neuen Ruhmeskranz flicht.

In der Aufnahmetechnik, die auch bei der BIS-CD weit über dem Durchschnitt rangiert, kommt der ebenso raffinierten wie glasklar transparenten ASV-Tontechnik dennoch die Krone zu, daher der leichte Punkteabzug in diesem Bereich.

Vergleichsaufnahme: Rameau: Sämtliche Kantaten. Rachel Elliott (Sopran), James Gilchrist (Tenor), Roderick Williams (Bariton), Thomas Guthrie (Baß), New Chamber Opera Ensemble, Gary Cooper. ASV GAX 234

Detmar Huchting [09.07.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Jean-Philippe Rameau
1Les Amants trahis 00:21:58
6Aquilon et Orithie 00:13:34
9Thétis 00:10:27
13Air à boire 00:02:27
André Campra
14Les Femmes 00:14:01

Interpreten der Einspielung

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