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CD-Besprechung

cpo 999 842-2

2 CD • 1h 59min • 2003

25.05.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Fünf Jahre nach der Lustigen Witwe (1905) und ein Jahr nach dem Grafen von Luxemburg ( 1909) kam Lehàrs Zigeunerliebe im Wiener Carltheater zur ersten Aufführung – der dritte durchschlagende Operettenerfolg innerhalb kurzer Zeit. Was an diesem Stück am auffälligsten hervorsticht, ist der opernhafte Charakter der Musik. Den Gesangsstimmen, vor allem den weiblichen, werden Leistungen abverlangt, die sich bereits dem Wagner-Format annähern. Eine hochdramatische Auftrittszene wie jene der Zarika, der weiblichen Hauptperson, steht in der gesamten Operettenliteratur ohnegleichen da, man denkt unwillkürlich an die fast zu gleicher Zeit erschienene Elektra von Richard Strauss. Selbstverständlich ist vom Libretto keine Genieleistung zu erwarten, der Handlungsgang zeigt aber doch ein deutliches Abweichen von der Schablone: eine Braut von explosivem Temperament, die ihrem sanften Bräutigam die Hand reichen soll, wird durch die Magie der Zigeunerfiedel in erotische Verzückung versetzt, sie verläßt ihren Geliebten und zieht mit dem Zigeuner Jozsi in die Ferne. Nach Operetten-Zigeunerart läßt Jozsi seine Zarika bald sitzen und wendet sich einer anderen zu. Aber glücklicherweise ist das alles nur ein Traum, der die abenteuerlustige Braut von ihrer gefährlichen Leidenschaft gründlich kuriert. Eros, Traum, Hysterie – erstaunlich, wie stark das Klima von Freud und Weininger in die Operettenwelt eingedrungen ist.

Mit Zigeunerliebe hat Lehàr eine seiner wirksamsten und einfallsreichsten Partituren geschaffen. Die verweichlichten Züge der späteren Schaffenszeit sind hier noch nicht zu wahrzunehmen. Das Orchester, von oben bis unter durchsetzt mit blinkenden und blitzenden Instrumenten magyarischer Prägung, übt eine berauschende Wirkung aus. Ganz bestimmt ein Meisterwerk des Genres, auf jeden Fall in musikalischer Hinsicht.

Die NDR-Aufnahme, mit der die preiswürdige Serie der Lehár-Operetten bei cpo fortgesetzt wird, verzichtet auf die Dialoge, was wohl kaum jemand beklagen wird. Beeindruckend ist die musikalische Gediegenheit der Wiedergabe: Orchester, Chor, die musikalische Gesamtleitung durch Frank Beermann – alles ohne Tadel. Auch über die Gesangssolisten ist viel Gutes zu sagen. Johanna Stojkoviv in der anspruchsvollen Partie der Zorika singt mit Empfindung und Kultur, Zoran Todorovich verleiht dem schneidigen Jozsi tenorale Verführungstöne, auch sein Tenor-Kollege Bernhard Schneider in der lyrischen Partie des Jonel fällt durch gepflegten Gesang auf. Gut besetzt sind auch die zahlreichen Nebenpartien. Kleinere Einschränkungen betreffen Dagmar Schellenberger, die Darstellerin des Weibsteufels Ilona. Die einst so anmutige Sopranstimme dieser Künstlerin klingt nun doch schon etwas angegriffen. Zu erwähnen ist auch der Violinsolist Andrei Bielow, der seine Geige mit „zigeunerischer“ Kompetenz klagen und in höchsten Tönen, wie eine Nachtigall, zwitschern läßt. Das berühmteste Stück der Operette, das Sopranlied Hör‘ ich Zymbalklänge entstammt zwar einer späteren Fassung, wurde aber mit vollem Recht der Einspielung der Urversion vom Jahr 1910 beigefügt.

Clemens Höslinger [25.05.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Lehár
1Zigeunerliebe (Operette)

Interpreten der Einspielung

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