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CD-Besprechung

L.v. Beethoven • W.A. Mozart • A. Romberg • F. Schubert

MD+G 1 CD 307 0853-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 01.11.00

MD+G 307 0853-2

1 CD • 70min • 1999

Wenn man unbedingt etwas zu mäkeln finden will, wird man auch bei der so überaus gedeihlichen Aufnahmetätigkeit des Leipziger Streichquartetts für MD+G fündig: Bei diesem Label gibt es nur in absoluten Ausnahmefällen Kopplungen von Werken unterschiedlicher Komponisten. Um so mehr verblüffen die Einzelsätze von Schubert, Romberg und Mozart auf dieser CD, die zusammen immerhin rund ein Drittel der Spielzeit ausmachen. "Bonus-Tracks" heißen sie und suggerieren dem Käufer so, er habe etwas umsonst bekommen. Aber er bezahlt ja die ganze CD, ergo auch die Dreingabe – und könnte statt dessen auch einen weiteren vollwertigen Beethoven erwarten.

Wie auch immer – was die vier Leipziger in Beethovens op. 18 Nr. 1 und 4 aufspüren, macht dem Ruf des Ensembles alle Ehre. Die Musiker finden genau jenen für den frühen Beethoven so wichtigen Ton, der einerseits die Haydn-Erfahrung reflektiert und andererseits den Keim für die späteren Extrem-Dehnungen der Gattung erahnen läßt.

Das gelingt den Vieren mit einer sehr persönlichen, eigenständigen, wiedererkennbaren Tongebung, die sie selbst auf der "sächsischen Streicherschule" fußen sehen und die Lebendigkeit, Gehalt, Rhetorik, Affekt, Tiefe über Präzision und Perfektion stellt. Daß letztere bei diesem Streichquartett dennoch in keinem Augenblick Schaden nehmen, macht das Besondere der Leipziger aus.

Beispielhaft gelingt dies etwa im Kopfsatz des c-Moll-Quartetts: Hier betont das LSQ erheblich klarer das Allegro, während die meisten Kollegen es mehr mit dem "non tanto" der Satzbezeichnung halten. Aber nur so, durch das unentrinnbare Vorwärtsdrängen der Tonrepetitionen erhält das vergleichsweise schlichte thematische Material genug Energie, um die scharfen dynamischen Effekte abzustützen, die schon auf den späten Beethoven voraus weisen. Und plötzlich scheint er schon hier vollständig ausgebildet, der Mythos Synkope bei Beethoven. So extrem hört man das sonst kaum – und doch laufen die ja auch nicht zu leugnende Klassizität, das Ebenmaß der Form, der bei aller Kühnheit klare harmonische Bauplan in keinem Moment Gefahr, auf dem Altar oberflächlicher Effekte geopfert zu werden. Dieser Beethoven geht in seiner Dramatik an die Grenzen des Schicklichen – aber er überschreitet sie nicht. Auch das neckisch fugierte Scherzo erhält durch den metrischen Furor ungeahnte Bedeutung.

Die "Bonus-Tracks" sind ebenfalls famos gespielt. Aber einerseits bedarf die auf Ganze gerichtete Musizierhaltung des Leipziger Streichquartetts auch der übrigen Sätze, um sich entfalten zu können. Und zweitens hätte ohne Weiteres noch ein drittes Quartett aus op. 18 drauf gepaßt. Aber das hatten wir ja schon. Großartiger Klang.

Peter Korfmacher [01.11.2000]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Streichquartett Nr. 1 F-Dur op. 18 Nr. 1
2 Streichquartett Nr. 4 c-Moll op. 18 Nr. 4
3 F. Schubert Streichquartett Nr. 9 g-Moll D 173
4 A. Romberg Streichquartett F-Dur op. 1 Nr. 3
5 W.A. Mozart Streichquartett Nr. 23 F-Dur KV 590
 
307 0853-2;0760623085326

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