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CD-Besprechung

A Saxophon for a Lady

A Saxophon for a Lady

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 4

Besprechung: 01.04.00

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BIS BIS-CD-1020

1 CD • 61min • 1998

Die amerikanische Saxophonistin Elisa Hall bestellte Anfang des 20. Jahrhunderts Werke von einigen mehr oder weniger namhaften Komponisten, wovon das bekannteste Debussys Rhapsodie pour orchestre et saxophone von 1905 war. Die beauftragten Komponisten waren jedoch eher von ihrem satten Bankkonto und penetranten Durchsetzungsvermögen beeindruckt als von ihrem Spiel, vor allem Debussy, der seine Rhapsodie mit erheblichem Widerwillen und viel Verspätung schrieb. Seine Abneigung für das "wässrige Instrument" hat er niemals verborgen (was die Saxophon-Bearbeitung seines Petit Pièce für Klarinette und Klavier in dieser Aufnahme umso fraglicher macht), und er tat auch sein bestes, dafür zu sorgen, daß die Rhapsodie Zeit seines Lebens nicht aufgeführt wurde.

Die Idee, Werke aus der Anfangszeit des Saxophonrepertoires aufzunehmen, ist an sich interessant. Diese Produktion jedoch leidet unter zu viel Unvollkommenheiten – von steifem Saxophonton und unschöner Phrasierung bis hin zu recht fragwürdigen Transkriptionen. Angefangen bei Debussy: Der legendäre Sigurd Raschèr spielte die Rhapsodie in den 30er Jahren mit dem anerkannten Debussy-Kenner Ernst Ansermet, der anschließend einige sinnvolle Instrumentationskorrekturen unternahm. Heute meint fast jeder Saxophonist eine andere "Verbesserung" des Stücks spielen zu müssen, wobei die vorliegende die mit Abstand unsinnigste ist: inkonsequente Verteilungen von thematischen Elementen, stilfremde Laufabrisse und für Debussy uncharakteristische Klaviereffekte. Debussy war ein großartiger Pianist; was soll an seinem Klavierauszug verbessert werden? Überhaupt war das Stück nicht für eine Aufführung mit Klavierbegleitung gedacht (die Behauptung, die Orchestrierung sei nachträglich von Roger Ducasse gemacht, ist musikhistorisch sehr anfechtbar).

In dieser Aufnahme versucht Claude Delangle teilweise instrumentenmäßig historisch korrekt zu sein und spielt zwei Stücke (Caplet und d'Indy) auf einem Saxophon aus dem Jahre 1900, nur – wird ein altes Saxophon mit einem modernen Mundstück gespielt, ist der Klang dann doch nicht authentisch. Es wäre besonders interessant gewesen, die Originalbearbeitung Choral varié von Adolphe Sax' Freund Vincent d'Indy – auch nicht für Saxophon und Klavier gemeint – mit einem vollständig authentischen Instrument aufzunehmen.

Abgeschlossen wird die CD mit einer hoffnungslosen Transkription für Sopransaxophon und Klavier von Ravels beliebter Klaviersonatine von 1905. Daß Saxophonisten offenbar gar nicht merken, wie sehr ein solches Werk unter dem Saxophon leidet, ist traurig genug. Reicht es nicht, daß Ravel Saxophone – wohl gegen den Rat einiger Kollegen – in Bolero einsetzte?

Patrick Donahue [01.04.2000]

ClavierTage Göttingen

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C. Debussy Rhapsodie für Saxophon und Orchester
2 Petite Pièce für Saxophon
3 A. Caplet Légende für Saxophon und Orchester (1903)
4 V. d' Indy Choral varié op. 55
5 F. Schmitt Légende op. 66
6 Songe de Coppélius
7 M. Ravel Sonatine fis-Moll
 
BIS-CD-1020;7318590010204

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