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Besprechung CD

Franz Xaver Richter

Four Symphonies
L'Orfeo Barockorchester • Michi Gaigg

cpo 555 517-2

1 CD • 59min • 2022

05.01.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Mitte des 18. Jahrhunderts, an der Nahtstelle zwischen Barock und Klassik, entwickelte sich die Mannheimer Hofkapelle unter Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz zum Labor für innovative Orchestermusik. Hier wurde beispielsweise das Orchester-Crescendo erfunden, das die Zeitgenossen wie ein plötzlicher Gewitterdonner verblüffte. Das österreichische L’Orfeo Barockorchester, geleitet von seiner Gründerin Michi Gaigg, widmet sich nun der Musik von Franz Xaver Richter, einem wichtigen, aber eher unbekannten Vertreter der so genannten Mannheimer Schule. Vier Sinfonien aus der Feder Richters offenbaren ein enormes Ausdrucksspektrum: von kontrapunktischer Satzkunst bis zum rhythmischen Drive à la Vivaldi, von beschwingter Galanterie bis zu Einsprengseln böhmischer Folklore.

Beschwingte Galanterie

Vor seiner Mannheimer Zeit war Franz Xaver Richter als Vizekapellmeister in Kempten tätig. Hier entstand die heitere B-Dur-Sinfonie, die schrulligen Humor erkennen lässt: Im Finale teilt sich das Orchester in zwei Gruppen, die in verschiedenen Taktarten spielen. Michi Gaigg lässt diese „Confusione“, so der Satztitel, theatralisch aufleuchten; mit federnden Rhythmen, sprechenden Akzenten und ironischem Augenzwinkern. Im Andante-Mittelsatz überzeugen die Musiker durch Kantabilität und atmende Phrasierung.

Ab 1747 wirkte Franz Xaver Richter zwei Jahrzehnte lang als Sänger und Komponist in Mannheim. Hier schrieb er die „Sinfonia con fuga“ in g-Moll, die eine einzigartige Form aufweist: Die immerhin 20-minütige Sinfonia, die eine energische Fuge in den Kopfsatz integriert, erweist sich als religiös aufgeladene Musikdichtung. Sie zeichnet den Leidensweg Jesu nach – bis hin zum Presto-Finale, das mit energiegeladenen, aufwärtsstrebenden Crescendi, dem Markenzeichen der Mannheimer, die Himmelfahrt vergegenwärtigt.

Das vor drei Jahrzehnten gegründete L’Orfeo Barockorchester verführt mit einem schlanken, durchsichtigen, zugleich kernigen Klang, der die Polyphonie plastisch hervortreten lässt. Deutlich wird, dass Franz Xaver Richter als früher Vertreter der Mannheimer Schule nicht zu deren revolutionärem Flügel gehörte, sondern traditionsbewusst den barocken Kontrapunkt in den neuartigen galanten Stil überführte. Das bezeugen auch zwei weitere Sinfonien auf dieser CD, die aus Richters Mannheimer Jahren stammen.

Lebendig, dramatisch, expressiv

Jedoch war Franz Xaver Richtiger keinesfalls ein spießiger Reaktionär. Das beweisen Michi Gaigg und ihre Mitstreiter mit Interpretationen voller dramatischer Dringlichkeit, pointierter Artikulation und lebendiger Dynamik. Zuweilen schlägt das L’Orfeo Barockorchester jedoch über die Stränge. Das Ensemble klingt dann zu grell und ruppig; verliert seine Klangwärme. Klar wird aber allemal: In Sachen Expressivität ließ sich Franz Xaver Richter durchaus von seinen Mannheimer Kollegen inspirieren.

Franz Xaver Richters Musik zeugt von der aufgeschlossenen, experimentierfreudigen Atmosphäre am Mannheimer Hof. Verdienst von Michi Gaigg und ihrem L’Orfeo Barockorchester ist es, diesen Werken ihren eigenen Stellenwert zuzuweisen, anstatt sie als bloße Phänomene eines Epochenübergangs abzutun.

Antje Rößler [05.01.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Xaver Richter
1Sinfonia con fuga g-Moll 00:20:07
4Sinfonie B-Dur 00:10:34
7Sinfonie d-Moll op. 3 Nr. 4 00:13:30
10Sinfonie G-Dur op. 4 Nr. 6 00:14:17

Interpreten der Einspielung

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