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CD-Besprechung

Nadine Henrichs

Delicacy

Carpe Diem 16328

1 CD • 70min • 2022

27.09.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Seit den Zeiten der Wiener Klassik ist die heutige Viola die dritte Stimme, also der Tenor im Streichquartett. Ihr Name bezeichnete im Chor der Streichinstrumente seit langem als Oberbegriff einige Instrumente: Die Vorgänger unserer Viola hießen „Viola da braccio“, also „Armviola“ – der alte Name findet sich noch in unserer deutschen Instrumentenbezeichnung „Bratsche“ wieder. Daneben gab es noch die „Viola da Gamba“, also „Beinviola“ – der deutsche Name „Gambe“ entstand in gleicher Weise wie jener der Bratsche. Die Gambe gehörte freilich nicht der Violinenfamlie an, sondern bildete einen eigenen Chor von Stimmen, von der „Soprangambe“, auf Französisch „pardessus de viole“ bis zum „Violone“ genannten Bassinstrument. Die Gambe mit ihrem vornehm näselnden Ton kam seit dem Spätbarock aus der Mode, die Instrumente passten nicht mehr in die Klangregie des neu entstandenen klassischen Orchesters, beispielsweise Mannheimer Prägung. Star der neuen Streicherfamilie wurde die Violine, vom Namen her „kleine Viola“, mit ihren unbestreitbaren Meistern Corelli in Italien und Lully in Frankreich (der allerdings auch aus Italien stammte). So eroberte die „Viola“ als Tenorstimme des Violinenchors (und des späteren Violinquartetts) ihren Platz im frühklassischen Streichorchesters.

Musikalischer Streifzug durch ein Jahrhundert

Angesichts der Kargheit an Originalliteratur für Bratsche stellte die Absicht von Nadine Henrichs, das musikalische so reiche 18. Jahrhundert mit ihrem Instrument zu durchwandern, eine fordernde Zielsetzung dar. Zu Hilfe kam ihr dabei der Umstand, dass besonders in der ersten Hälfte des Jahrhunderts die Besetzung solistischer Kammermusik durchaus frei gehandhabt wurde, so dass von Telemanns drei Fantasien in ihrem Programm zwei ursprünglich für Traversflöte entstanden, eine für Violine; Bachs Suite BWV 1007 kommt aus der Sammlung der sechs Suiten für Violoncello solo, die Sonate BWV 1029 ist im Original der Gambe gewidmet. Auch das Opus XI des Elsässer Flötisten Jean Daniel Braun (ca. 1700-1738) ist ursprünglich für Traverse geschrieben. Allein die Sonate von William Flackton (1709-1798) ist ein Originalwerk für Bratsche; der Komponist lieferte in dem Vorwort zu der Sonatensammlung aus dem Jahr 1770, die sein Werk auf dieser CD enthält, auch ein passendes Motto für Nadine Henrichs vorliegende Einspielung: „The greatest masters allow the tenor violin to have a particular delicacy of tone.“ In der Folge beklagt Flackton die spärliche Sololiteratur für Bratsche, hebt aber ihre Bedeutung für die im 18. Jahrhundert kammermusikalisch wichtigen Genres von Streichquartett und Streichquintett hervor.

Einfühlung und Eleganz

Nadine Henrichs spielt ihr eigenes Instrument, eine 1775 von Johann Georg Tir in Wien gebaute Viola. Die initme Vertrautheit der Künstlerin mit ihrer Viola wird besonders anhand der klanglichen Delikatesse ihres Spiels deutlich, ihre Einfühlung in die temperamentvollen wie die lyrischen Teile der von ihr vorgetragenen Stücke ist bemerkenswert; überdies beweist sie eine anerkennenswerte Stilsicherheit, wodurch diese CD zu einer ebenso authentischen wie fesselnden Reise durch ein musikalisch ereignisreiches Jahrhundert wird.

Hervorragende editorische Leistungen

Ausgezeichnet sind auch die Aufnahmequalität dieser Einspielung und der Text im Beiheft, der dieses vielfältige Programm vorzüglich erläutert.

Detmar Huchting [27.09.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Philipp Telemann
1Fantasia Nr. 6 d-Moll TWV 40:7 00:05:47
Jean Daniel Braun
4Minuetto (aus Opus XI) 00:01:57
William Flackton
5Sonata VI 00:06:59
Georg Philipp Telemann
8Fantasia Nr. 1 B-Dur TWV 40:14 00:08:23
Jean Daniel Braun
12Allemanda (aus Opus XI) 00:02:27
Johann Sebastian Bach
13Suite Nr. 1 G-Dur BWV 1007 00:19:36
Jean Daniel Braun
19Largo (aus Opus XI) 00:02:06
20Double (aus Opus XI) 00:02:02
Georg Philipp Telemann
21Fantasia Nr. 2 a-Moll TWV 40:3 00:05:26
Jean Daniel Braun
25Lamenterole (aus Opus XI) 00:02:01
Johann Sebastian Bach
26Sonate Nr. 3 g-Moll BWV 1029 00:12:45

Interpreten der Einspielung

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